Lokales FD 27.03.2026

„Alles Klima oder was?“ – Meteorologe Gudd: Es ist fünf nach zwölf

Fulda (gü) – Meteorologe Dr. Martin Gudd war am Donnerstag für einen Vortrag an seine alte Schule in Fulda zurückgekehrt. Auf Einladung des Vereins „Wir Freunde des Domgymnasiums“ sprach er in der Aula der Rabanus-Maurus-Schule zum Thema „Alles Klima oder was? Wetterphänomene in Zeiten der Klimaerwärmung“ und stand dem Publikum anschließend für Fragen zur Verfügung.

Dr. Martin Gudd war für einen Vortrag zurück in seine ehemalige Schule gekommen. Foto: Jasha Günther.

„Die Entwicklung ist so weit vorangeschritten, dass es nicht mehr fünf vor zwölf sondern fünf nach zwölf ist“, fand Gudd, der 1983 sein Abitur am Domgymnasium gemacht hat, am Ende seines Vortrags deutliche Worte. Anschaulich mit Diagrammen, Grafiken, Satelliten- und Landschaftsbildern zeigte er auf, wie sich Jahreszeiten verändert und verschoben sowie Häufigkeiten und Betroffenenzahlen von bestimmten Wetterereignissen langfristig verändert haben. Dabei blickte er auf die Aspekte Temperatur, Hitze und Dürre, Fluten, Waldbrände und Extremwetter. Was früher ein heißer Sommer war, wird heute als normaler Sommer empfunden, startete der Frühling früher Ende März/Anfang April, werden die drei aufeinander folgenden Tage mit mindestens 15 Grad mittlerweile meistens schon Ende Februar gemessen.

„Klimaerwärmung verläuft nicht gradlinig, sondern treppenförmig“, zeigte Gudd auf – jede Stufe ist deutlich wärmer als die vorherige. Rückblickend würden die Daten zeigen, das ein solcher Kipppunkt Ende der 1980er Jahre lag, der nächste, wie es derzeit aussehe, 2018. Wann die nächste Stufe genommen werde, könne nicht vorhergesagt werden. „Die Klimaerwärmung findet ohne lautes Geschrei statt, sie kommt von hingen reingeschlichen“, sagte Gudd. Im für viele gefühlt kalten Februar 2026 lag das Mittel der täglichen Höchsttemperaturen in Fulda immer noch bei 7,5 Grad – 1986 waren es -2,3 Grad. Der Medienmeteorologe und Leiter des Institute of Professional Weather Education warf auch einen Blick auf die Arktis, wo sich die Klimaerwärmung noch viel deutlicher zeige, und die Auswirkungen der Veränderungen dort auf das Wetter in Mitteleuropa. Dabei wurde deutlich, dass scheinbare Gegensätze, wie Trockenheit auf der einen und Fluten auf der anderen Seite, kein Widerspruch sind.

Zum Forum Rabanus Maurus begrüßt hatte die Gäste Prof. Dr. Carsten Schütz, Vorsitzender des Vereins „Wir Freunde des Domgymnasiums“. Er war sich sicher, „dass es ein spannender Abend wird“. Gleich mehrere Gründe führte er für die Besonderheit der Veranstaltung an: Der Referent sei ein Absolvent der Schule und aus Funk und Fernsehen bekannt. „Und es ist ein fundamental zentrales Thema“, fügte er an.

Forum Rabanus Maurus mit Dr. Martin Gudd. Fotos: Jasha Günther