Ausgehend vom Bekanntwerden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im Jahr 2011 – nach der Selbststellung von Beate Zschäpe – wurde in der öffentlichen Debatte deutlich, wie tief verwurzelt rechter Terror in der Geschichte der Bundesrepublik ist. Manthe machte jedoch klar, dass es sich dabei keineswegs um ein isoliertes Phänomen handelt, sondern um eine Entwicklung, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht und bis heute anhält.
In ihrem Vortrag legte die Wissenschaftlerin, die an der Universität Bielefeld forscht, einen besonderen Fokus auf die 1970er- und 1980er-Jahre in Westdeutschland – eine Phase, die von einer hohen Dichte rechtsterroristischer Gewalt geprägt war. Ihren tragischen Höhepunkt fand diese Entwicklung im Oktoberfestattentat 1980, dem schwersten rechtsextrem motivierten Anschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Auch weitere Ereignisse wie die Mordserie des NSU sowie die jüngeren Anschläge in Halle und Hanau zeigen, dass sich rechtsterroristische Gewalt kontinuierlich gegen Jüdinnen und Juden, Migrantinnen und Migranten, politisch Andersdenkende und die offene Gesellschaft insgesamt richtet. Ziel der Täter sei es, so Manthe, durch gezielte Angriffe ein Klima der Angst zu schaffen und das Vertrauen in den demokratischen Staat zu untergraben.
Im Gespräch mit Niklas Krawinkel sowie durch Lesungen aus ihrem Buch verdeutlichte Manthe anhand zahlreicher Beispiele die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Gewalt. Neben historischen Ereignissen wie dem Attentat auf Rudi Dutschke oder dem Oktoberfestanschlag thematisierte sie auch neuere Taten wie den Anschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum 2016. Dabei wurde deutlich, dass rechtsterroristische Bedrohungen kein temporäres oder lokales Phänomen darstellen, sondern eine anhaltende Herausforderung für Gesellschaft und Politik sind.
Besonderes Augenmerk legte die Historikerin auf die Perspektive der Betroffenen: Trauer, Traumata und der oft langwierige Kampf um Anerkennung des erlittenen Unrechts seien prägende Folgen rechtsterroristischer Gewalt, die in der öffentlichen Wahrnehmung lange zu wenig Beachtung gefunden hätten.
Der gut besuchte Abend fand im Rahmen der Kooperation der Katholischen Akademie Fulda mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen sowie dem Verein Fulda stellt sich quer statt. Viele Gäste nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum Austausch mit der Referentin und dem Moderator.
Eingebettet war die Veranstaltung in die Ausstellung „Rechter Terror in Hessen“, die mehrere Wochen in der Katholischen Akademie Fulda zu sehen war. Die Ausstellung basiert auf Recherchen zum gleichnamigen Buch von Sascha Schmidt und Yvonne Weyrauch und beleuchtet regionale Dimensionen rechtsextremer Gewalt. Auch nach dem offiziellen Teil setzte sich der intensive Austausch im Atrium der Akademie fort, wo Besucherinnen und Besucher vor den Ausstellungstafeln angeregt weiterdiskutierten.
