Der Anlass des Gedenkens liegt 83 Jahre zurück: Am 23. März 1943 wurden mehr als 125 Sinti aus Fulda in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dass das Stadtschloss als Ort für die Gedenktafel gewählt wurde, hat einen historischen Hintergrund: Hier befand sich einst der Sitz der NSDAP-Kreisleitung, die die rassistische Sondererfassung der Fuldaer Sinti und Roma koordinierte.
Nach dem musikalischen Einstieg durch Martin Klüh auf der Trompete betonte Oberbürgermeister Wingenfeld in seiner Rede die Notwendigkeit solcher Orte. Da es immer weniger Zeitzeugen gebe, sei die Gedenktafel als fester Bestandteil im Stadtbild essenziell, um die dunkle Geschichte Fuldas im Bewusstsein zu halten. Er erinnerte daran, dass europaweit insgesamt 500.000 Sinti und Roma ermordet wurden. „Die Zahl ist so hoch, dass sie mit der Gefahr verbunden ist, dass man diesen Völkermord ins Abstrakte überweist“, warnte Wingenfeld. Es müsse ein dauerhafter Auftrag sein, den Blick zurück zu wagen und sich dieser Verantwortung zu stellen, da die Erinnerungskultur in der heutigen Zeit immer bedeutsamer werde.
Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen, verdeutlichte das Leid anhand konkreter Schicksale. Er erzählte, wie die Fuldaer Sinti Amalie und Dorothea Niederhöfer um 1940 in Konzentrationslager verschleppt wurden. Strauß schlug zudem eine Brücke in die Gegenwart: „Diskriminierung setzt sich im Alltag fort“, mahnte er. Trotz einer sechshundertjährigen Geschichte werde die Zugehörigkeit der Minderheit zu Deutschland oft noch immer infrage gestellt. Es sei eine Frage des Respekts, über die Opfer nicht anonym zu sprechen, sondern ihnen als Individuen mit Namen zu begegnen.
Im Anschluss sprachen noch Schülerinnen und Schüler aus der Arbeitsgemeinschaft von Anja Listmann, der städtischen Beauftragten für das jüdische Leben.
