Zahlreiche Gäste kamen am Mittwoch im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft zusammen, um das zehnjährige Bestehen des Programms zu feiern. Nach der Begrüßung durch Regionalleiter Reiner Sippel erinnerte dieser an die Situation im Jahr 2016, als viele Menschen nach Deutschland kamen, die auf Unterstützung angewiesen waren. „Hier hat ehrenamtliches Wirken die erste Not gelindert“, erklärte er. Heute könne man auf eine beeindruckende Bilanz blicken: Mehr als 13.000 Menschen und mehr als 3.500 Betriebe hätten hessenweit an Angeboten von „Wirtschaft integriert“ teilgenommen, in Fulda seien in dem vergangenen Jahrzehnt 700 Personen begleitet worden. Viele von ihnen hätten den Weg in eine duale Ausbildung und anschließend in Beschäftigung gefunden. „Es lohnt sich, wenn Menschen anschließend in der Lage sind, zahlreiche Jahre zu arbeiten. Was wirklich Integration macht, ist, wenn ich von meiner Arbeit leben kann, eine Familie gründen kann und meinen Beitrag leisten kann“, betonte Sippel. Gleichzeitig dankte er den Partnern in Steuerkreis und den regionalen Netzwerken für die enge Zusammenarbeit und die notwendige Flexibilität der vergangenen Jahre.
Kaweh Mansoori, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, bezeichnete das Programm als wichtigen Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Zukunft des Landes. „Am Ende geht es nicht um Zahlen, sondern um Menschen“, betonte der Minister. Der Weg in einem neuen Land mit neuer Sprache und Kultur sei alles andere als selbstverständlich. Deshalb verdiene jeder Anerkennung, der dazu beitrage, Chancen zu eröffnen und Integration gelingen zu lassen. „Der Leitsatz ‚Hesse ist, wer Hesse sein will‘ ist das größte Integrationsversprechen, was ich kenne. Auch der Hessentag wurde gegründet unter der Idee, aus Unterschieden etwas Gemeinsames zu machen“, so Mansoori. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse es gelingen, die vorhandenen Potenziale im Land stärker zu nutzen. Besonders hob er hervor, dass „Wirtschaft integriert“ Menschen entlang des gesamten Weges begleite, von der Berufsorientierung über Einstiegsqualifizierungen bis hin zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss. „Es wird in Zukunft immer schwieriger, ohne eine ordentliche Ausbildung eine Perspektive zu finden, deshalb ist es entscheidend, mit Menschen gezielt an einer Ausbildung zu arbeiten“.
Einen praktischen Einblick in die Arbeit des Programms gaben die Teilnehmenden der Berufsorientierung. Gemeinsam mit ihrer Lehrkraft Heidrun Neumann präsentierten sie Projekte, die Sprache, Berufswelt und persönliche Stärken miteinander verbinden sollen. „Die Teilnehmenden haben alle große Ziele, aber diese sind durchaus realisierbar“, erklärte Neumann. Dabei stellten die jungen Menschen ihre Ziele und Erwartungen vor und zeigten die Vielfalt ihrer beruflichen Interessen. Auch Wirtschaftsminister Mansoori beteiligte sich an einer interaktiven Übung, bei der Fachbegriffe den passenden Berufen und Kompetenzen zugeordnete werden mussten. Ein weiterer Höhepunkt war die Präsentation „10 Gesichter/10 Geschichten“, bei der die persönlichen Erfahrungen und Werdegänge ehemaliger Programmteilnehmender auf Plakatwänden und in kurzen Filmen vorgestellt wurden.
In einer ersten Talkrunde berichteten Absolventinnen und Absolventen sowie Vertreter ihrer Ausbildungsbetriebe von ihren Erfahrungen. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf, aber auch die Unterstützung, die ihnen dabei geholfen habe, ihre Ziele zu erreichen. Die zweite Gesprächsrunde richtete den Fokus auf die Akteure hinter dem Programm. „Es geht um Einzelschicksaale, bei denen deutlich wird, dass die Ziele als Grundlage für ein Leben in Deutschland erreichbar sind“, berichtete Mansoori. Andreas Haberl vom Hessischen Handwerkstag brachte die Bedeutung des Projekts auf den Punkt: „Wenn es ‚Wirtschaft integriert‘ nicht bereits geben würde, müsste man es heute erfinden.“ Beim anschließenden Austausch nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Netzwerken und zum Besuch des Gallery-Walks.
