Zwei völlig verschieden Hälften sah das Neuhofer Funktionsteam um Trainer Bekim Zulfiqari und die Abteilungsleiter Alex Bär und Michael Böhm – die erste Halbzeit war dabei schnell erzählt. Der SVN stand unter dem Eindruck der vergangenen Tage, hinzu kam eine große und laute Kulisse, und musste eine Schrecksekunde überstehen, da Grebenstein direkt nach zwei Minuten eine Großchance auf die Führung vergab. „Dann war die Mannschaft wach“, stellten die SVN-Coaches fest. Neuhof dominierte bis zur Pause und führte verdient mit 2:0 – mehr Treffer waren sogar im Bereich des Möglichen, denn die Gäste hatten sehr viel Ballbesitz und brachten die weitaus bessere Spielanlage mit.
Danach folgte eine zweite Hälfte zum Vergessen: Es ist die ganze Saison über schon ein bekanntes Problem, dass der SVN nach der Pause nachlässt, stellten die Verantwortlichen fest und sehen die Ursachen eher im mentalen als im konditionellen Bereich. Diesmal kamen noch ein paar grenzwertige Entscheidungen hinzu: Glatt-Rot gab es nach wenigen Minuten gegen Marcelo Nogueira wegen Notbremse, wobei Schiedsrichterin Carolin Lotz hier zunächst zögerte: Ein schlimmer Fehlpass von Hendrick Costa ging voraus, Nogueira geriet in Bedrängnis und stoppte seinen Gegenspieler. Womöglich wäre nichts passiert, hätte er weitergespielt, doch die Körpersprache des SVN-Verteidigers verriet Lotz offenbar, dass ein Foul vorlag. Als letzter Mann war es dann zwingend Rot – ebenso unglücklich wie bitter. Die Trainer sprachen außerdem über den vorangegangenen Fehlpass von „Selbstzerstörung“ – und aus einer verdienten 2:0-Führung wurde ein gebrauchter Tag.
Neuhof stellte auf 4-4-1 um, stand hinten kompakt, aber fand kaum noch Entlastung oder Wege über die Mittellinie. Grebenstein kam zum Anschlusstreffer und drückte weiter aufs Gas: Zumindest strittig war der Pfiff, der zum Handelfmeter und damit zum 2:2 führte, als Andrei Santana sich mit angelegtem Ellbogen in einen Schuss hereindrehte. Doch mit dem Ausgleich war es nicht genug: Julian Paulus köpfte hintenraus noch den Siegtreffer für den Tuspo, der auf seinen 41-Tore-Mann Manuel Frey (Knie) verzichten musste. Hier sahen die Neuhofer eine vermeintliche Abseitsposition.
Für das Rückspiel ist dennoch alles offen – nur fehlt ein wichtiger Mann hinten gesperrt. „Wir sind mit der Vorgabe hergefahren, nicht zu hoch zu verlieren. Wenn man 2:0 führt, ist man nach dem Spielverlauf natürlich enttäuscht. Aber der Gegner war nicht so spielstark, dass wir jetzt zuhause chancenlos wären“, blieb das Trainerteam des SVN kämpferisch. Das Wiedersehen gibt es am Sonntag um 15 Uhr in Neuhof – dann geht es um den Einzug ins Relegations-Finale.
Grebenstein: S. Schmidt; J. Schmidt (46. Freitag), T. Schmidt, Uhl, Cavdar, M. Schmidt, Ungewickel, Paulus, Uzzolino (90.+6 Gröschner), Janssen (74. Bezhelev), Möller.
SV Neuhof: Da Silva Dias; Santana Da Silva, Nogueira, De Miranda Portela, Costa De Souza, Skoko, De Amorim (87. Pilegis), Gitsov, Fagundes, Portukal, Nunes Benvindo De Sousa (66. Dongo, 90.+3 De Oliveira)
Schiedsrichter: Carolin Lotz (SV Bauerbach)
Tore: 0:1 Pedro De Amorim (29.), 0:2 Davi Brugnera Fagundes (45.), 1:2 Anthony Uzzolino (60.), 2:2 Anthony Uzzolino (81., Handelfmeter), 3:2 Julian Paulus (89.)
Zuschauer: 800
Rote Karte: Marcelo Nogueira (Neuhof, 49.) – wegen Notbremse.
