Die gute Nachricht sei, dass der Landkreis Fulda über erhebliche Potenziale bei den erneuerbaren Energien verfüge. Diese müssen allerdings konsequent und im Zusammenspiel mit Netzausbau und systemdienlichen Speichern gehoben werden, ohne die Bezahlbarkeit und Grundlastfähigkeit des Gesamtsystems aus den Augen zu verlieren, so Michael Konow weiter.
Steigender Strombedarf bis 2045 erwartet
Um den Strombedarf bis 2045 sowie das Stromerzeugungspotenzial erneuerbarer Energien im Landkreis Fulda zu analysieren, hat die IHK Fulda beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg eine Regionalauswertung der hessischen Stromstudie in Auftrag gegeben. Demnach liegt der heutige jährliche Strombedarf im Landkreis Fulda bei rund 1,1 Terrawattstunden (TWh). Bis zum Jahr 2045 prognostiziert die Studie einen Anstieg auf 2,7 bis 2,8 TWh inklusive Eigenbedarf. Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Verkehrssektor, der künftig zu großen Teilen elektrifiziert werden dürfte. Kostenaspekte sind nicht explizit Bestandteil der Studie, für die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft wie auch für die sozialen Folgen der Inflation jedoch entscheidend.
Hohes Ausbaupotenzial
Anfang 2026 betrug die installierte Leistung erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung im Landkreis Fulda 471 Megawatt (MW) und lag damit deutlich unter dem hessischen Durchschnitt. Rund drei Viertel dieser Leistung entfielen auf PV-Dachanlagen. Demgegenüber steht ein insgesamt wirtschaftlich nutzbares Potenzial erneuerbarer Energien von 9,1 TWh pro Jahr (TWh/a), dass sich wie folgt zusammensetzt
Windenergie: 4,7 TWh/a
PV-Dachanlagen: 2,1 TWh/a
PV-Freiflächenanlagen: 2,0 TWh/a
Biomasse/-gas: 0,3 TWh/a
Wasserkraft: 0,01 TWh/a
Dieses Potenzial entspräche einer installierten Leistung von rund 6,4 Gigawatt (GW). Selbst bei Erreichung lediglich der aktuell politisch vorgesehenen Flächenziele – und damit einer installierten Leistung von 2,4 GW – könnten im Bezirk der IHK Fulda bilanziell 3,7 TWh Strom pro Jahr aus erneuerbaren Energien erzeugt werden und damit mehr, als im Jahr 2045 benötigt würde. Jahreszeitliche Schwankungen finden bei der bilanziellen Betrachtung keine Berücksichtigung und führen zu höherer Volatilität und anspruchsvoller Beherrschung des gesamten Energiesystems. „Die vom Fraunhofer-Institut ermittelten Zahlen stimmen trotz aller Herausforderungen grundsätzlich zuversichtlich: Der Landkreis Fulda könnte seinen steigenden Strombedarf im Jahr 2045 bilanziell aus eigener erneuerbarer Stromerzeugung decken und darüber hinaus einen relevanten Beitrag zur Stromversorgung in Hessen leisten“, berichtet Michael Konow weiter.
Ohne Netze keine Energiewende
Als besonders vielversprechend gilt der weitere Ausbau der Windenergie. Voraussetzung dafür sei jedoch ein ganzheitlicher Ansatz, denn ohne den Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze (110 beziehungsweise 380 kV) sowie leistungsfähiger, systemdienlicher Speicher kann der zusätzliche Strom aus erneuerbaren Energien nicht wirksam genutzt werden. Gleichzeitig seien steigende Systemkosten, für Unternehmen bislang meist nicht wirtschaftliche Batteriespeicherlösungen, Flächenkonkurrenz und Fragen zur generellen Akzeptanz vor Ort stets mitzudenken. „Einfache Lösungen für die zukünftige Strom- und Energieversorgung gibt es nicht“. Jede Kraftwerksart bei der Stromerzeugung habe unterschiedliche Vor- und Nachteile bei der Bezahlbarkeit, bei der Versorgungszuverlässigkeit und beim Klimaschutz. Es sei eine kluge und behutsame Weiterentwicklung des gesamten Systems notwendig, die immer die Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft und die Bürger im Blick haben müsse, betont Konow.
