Lokales FD 26.06.2026

Pläne zum Minijob-Aus - Rau: „Worst-Case für die Gastronomie“

Osthessen (st) – Die Diskussion um die Zukunft der Minijobs sorgt auch bei den osthessischen Gastronomen für Kritik. Hintergrund ist ein Vorschlag der Rentenkommission, wonach Minijobs künftig abgeschafft werden sollen. Nach den vorgelegten Überlegungen könnten lediglich Schülerinnen und Schüler weiterhin in dieser Form beschäftigt werden. Bei vielen Arbeitgebern stößt das Vorhaben auf wenig Verständnis.

Volle Plätze im Hopfenglück – doch die drohende Abschaffung von Minijobs könnte die Gastronomie hart treffen. Foto: Christine Görlich

Derzeit sind bundesweit rund 6,8 Millionen Menschen bei der Minijob-Zentrale registriert. Minijobs zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass Beschäftigte sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen können und Arbeitgeber lediglich reduzierte Sozialabgaben entrichten. Vor allem in der Gastronomie sehen viele Betriebe erhebliche Probleme, falls die Pläne umgesetzt werden sollten. Björn Helfrich, Inhaber des Fuldaer Hofs in Maberzell, kann dem Vorschlag wenig abgewinnen. „Ich halte davon nichts“, wird er gegenüber Osthessen-Zeitung deutlich.

Ähnlich bewertet Swen Bachmann, Inhaber des Hopfenglücks und des Doppeldeckers in Fulda, die Überlegungen. Beide Gastronomen betonen, dass viele Betriebe auf Aushilfskräfte angewiesen seien. „Gerade in der Saison werden Aushilfen benötigt“, erklärt Helfrich. Bachmann ergänzt: „Die Saison kann dann nicht mehr abgedeckt werden.“ Besonders während der Sommermonate oder in der Weihnachtszeit sei der Personalbedarf deutlich erhöht.

Aus Sicht der Gastronomen reicht es zudem nicht aus, ausschließlich auf Schülerinnen und Schüler zu setzen. Helfrich verweist auf die notwendige Flexibilität, die in der Branche gefragt sei. Diese lasse sich nicht immer mit den Möglichkeiten junger Menschen vereinbaren. Auch Andreas Rau vom Fuldaer Haus sieht die Pläne kritisch und nimmt kein Blatt vor den Mund: „Das wäre der Worst Case für die Gastronomie“, sagt Rau. Viele Betriebe seien auf zusätzliche Kräfte angewiesen, um Schichten abzudecken. Arbeitszeiten am Abend oder an Wochenenden ließen sich seiner Ansicht nach nicht allein durch Schüler bewältigen.

Skeptisch äußert sich auch Georg Storch, Inhaber des Gasthofs zum Hirsch in Thalau. Gerade im ländlichen Raum stelle die Anfahrt für Schülerinnen und Schüler häufig eine Herausforderung dar. Viele seien auf Busverbindungen oder Fahrdienste angewiesen. Zudem würden Minijobs längst nicht nur von Jugendlichen genutzt. Zahlreiche Beschäftigte verdienten sich auf diesem Weg neben ihrer regulären Tätigkeit etwas hinzu, um ihr Einkommen aufzubessern.

In einem Punkt sind sich die befragten Gastronomen einig: Aushilfskräfte sind für viele Betriebe unverzichtbar. Ob Schüler, Studenten, Rentner oder Arbeitnehmer mit Nebenjob – ohne diese Unterstützung werde es aus ihrer Sicht deutlich schwieriger, den Personalbedarf insbesondere in arbeitsintensiven Zeiten zu decken.

 

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