Denn in der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte stehen mögliche Einschränkungen der Hautkrebs-Vorsorge im Raum – und damit ein Instrument, das nach Einschätzung von Dr. med. Anna-Liisa Riedmiller-Schraven vom MVZ Osthessen längst zu den tragenden Säulen moderner Präventionsmedizin gehört. Sie spricht von einem „essenziellen und unverzichtbaren Baustein der Krebsvorsorge“, gerade weil dieser es ermögliche, Erkrankungen sichtbar zu machen, „bevor sie überhaupt beginnen, gefährlich zu werden“.
Der Blick in die Haut ist dabei oft der Blick in eine entscheidende Zeitachse. Besonders beim schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, zeigt sich, wie eng Diagnose und Prognose miteinander verknüpft sind. Was im frühen Stadium häufig nur als unscheinbare Veränderung erscheint, kann sich unbehandelt rasch zu einer aggressiven, lebensbedrohlichen Erkrankung entwickeln. „Je früher der Tumor erkannt und entfernt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine lebensbedrohliche Metastasierung zu verhindern“, erklärt Riedmiller-Schraven. Im frühen Stadium reiche dann oft „ein kleiner operativer Eingriff in Lokalanästhesie“ – mit sehr guten Heilungschancen.
Wird der Zeitpunkt jedoch verpasst, kippt das Bild deutlich. Dann spreche man nicht mehr über kleine Eingriffe, sondern über eine völlig andere Krankheitsrealität. „Das Tückische am Hautkrebs ist: In den frühen Phasen sind die Tumoren oft vollständig heilbar“, so die Dermatologin. Genau deshalb sei Früherkennung so entscheidend.
Vor diesem Hintergrund fällt ihre Bewertung möglicher Einschränkungen eindeutig aus. Ein Wegfall oder eine Kürzung des Screenings hätte nach ihrer Einschätzung „fatale gesundheitliche und gesundheitsökonomische Konsequenzen“. Die Folge sei klar: Hautkrebs werde dann „häufiger erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt – teilweise bereits mit Metastasen“.
Auch die Auswirkungen auf die Behandlung beschreibt sie deutlich. Während frühe Tumoren häufig noch ambulant entfernt werden könnten, bedeute eine spätere Diagnose in vielen Fällen eine deutlich komplexere Versorgung. Dann gehe es oft um systemische Therapien wie „Immuntherapien oder Checkpoint-Inhibitoren“. Das sei nicht nur für die Betroffenen belastender, sondern auch mit erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.
In der täglichen Praxis im MVZ Osthessen zeigt sich die Bedeutung der Früherkennung regelmäßig. „Wir sehen regelmäßig auffällige Hautveränderungen“, sagt Riedmiller-Schraven – zunehmend auch bei Patientinnen und Patienten mit klaren Risikofaktoren. Dazu gehörten Menschen mit familiärer Vorbelastung ebenso wie Betroffene mit dem sogenannten dysplastischen Nävuszellnävus-Syndrom, das das Hautkrebsrisiko deutlich erhöhe.
Gleichzeitig betont sie, dass es nicht um Stillstand gehe, sondern um Qualität und Weiterentwicklung. „Die Dermatoskopie sollte flächendeckend Standard sein“, sagt die Dermatologin. Nur mit der Auflichtmikroskopie ließen sich feine Strukturen erkennen, die sonst leicht übersehen würden.
Auch eine stärkere Fokussierung auf Risikogruppen sei sinnvoll. Menschen mit genetischer Vorbelastung oder bestimmten Vorerkrankungen sollten gezielter eingeladen und erreicht werden, um Vorsorge genau dort zu stärken, wo das Risiko am höchsten sei.
Am Ende verdichtet sich ihre Einschätzung in einer klaren Botschaft: Das Screening sei kein Routinecheck, sondern ein Frühwarnsystem. „Ein essenzieller und unverzichtbarer Baustein“, wie sie betont – und einer, der entscheidend sein könne, bevor aus einer kleinen Veränderung eine große Erkrankung wird. „Ohne Screening drohen Spätdiagnosen“ – und damit genau jene Verläufe, in denen Zeit nicht mehr schützt, sondern entscheidet.
