Lokales FD 11.06.2026

OB-Galerie im Stadtschloss: Porträt von Erich Schmidt übergeben

Fulda (pm/jah) – Eine Lücke in der Porträt-Galerie der Fuldaer Oberbürgermeister im Stadtschloss kann nun geschlossen werden: Erich Schmidt, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Amt des Oberbürgermeisters ausübte, wurde jetzt posthum porträtiert. Der Künstler Peter Henryk Blum schuf das Gemälde, das er in dieser Woche dem Magistrat feierlich übergab.

Fotos: Stadt Fulda

Erich Schmidt war von Juni 1945 bis Juli 1946 Oberbürgermeister der Stadt Fulda. Er wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der amerikanischen Militärregierung in das Amt eingesetzt und übernahm Verantwortung für die Stadt in einer Zeit des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neubeginns. Seine kurze Amtszeit fiel in eine Phase, in der Fulda vor großen Herausforderungen stand: Wiederaufbau, Neuordnung der Verwaltung und die Rückkehr zu demokratischen Strukturen prägten diese Monate unmittelbar nach Kriegsende.

Mit der Anfertigung des Porträts hatte der Magistrat den in Fulda aufgewachsenen Maler Peter Hendryk Blum beauftragt, der bereits das Porträt des ehemaligen Oberbürgermeisters Gerhard Möller geschaffen hatte. Die Arbeit an dem Porträt Schmidts stellte den Künstler allerdings vor eine besondere Herausforderung: Zunächst stand lediglich eine stark verpixelte historische Zeitungsfotografie als Vorlage zur Verfügung. Auf dieser Grundlage entwickelte Blum in Kooperation mit seinem Kollegen Wolfgang Mihm zunächst ein KI-gestütztes Porträt, das als Vorlage für das Öl-Gemälde diente. Als Bildhintergrund dient ein schematischer Stadtplan aus der Amtszeit Schmidts. Zudem schuf Blum eine Porträt-Variante nach einer späten entdeckten anderen Bildvorlage.

Am Rande einer Magistratssitzung stellte der Künstler seine Arbeit vor und übergab das Gemälde offiziell an den Magistrat. Die Vorstellung der Porträts wurde durch den früheren Leiter des Kulturamts, Dr. Thomas Heiler, begleitet, der die historische Einordnung der Person Erich Schmidt erläuterte. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankte dem Künstler im Namen des Magistrats und würdigte dessen Arbeit unter den besonderen Umständen und der mangelhaften Quellenlage.

Mit der Ergänzung der Galerie wird eine Lücke in der Darstellung der Fuldaer Stadtgeschichte geschlossen. Die Oberbürgermeister-Galerie im Stadtschloss dokumentiert die Reihe der Stadtoberhäupter von Franz Rang (Amtszeit 1862-93) über Georg Antoni (1894-1930), Dr. Franz Danzebrink (1930-1945), Dr. Cuno Raabe (1946-1956), Dr. Alfred Dregger (1956-1970), Dr. Wolfgang Hamberger (1970-1998) und Dr. Alois Rhiel (1998-2003) bis Gerhard Möller (2003-2015) und macht damit zugleich politische Entwicklungen, historische Umbrüche und persönliche Verantwortung in unterschiedlichen Epochen sichtbar. Die besondere Rolle Dr. Danzebrinks in der NS-Zeit erläutert eine Zusatztafel an dessen Porträt.

Das Porträt Erich Schmidts erinnert nun an die unmittelbare Nachkriegszeit und an einen Oberbürgermeister, der Fulda in einer außergewöhnlich schwierigen Übergangsphase führte. Es soll demnächst seinen endgültigen Platz in der Galerie im nördlichen Ehrenhofflügel des Stadtschlosses finden.

Hintergrund – Zur Person

Erich Schmidt wurde am 1. Dezember 1882 als Sohn eines Eisenbahnobersekretärs in Ratibor/Schlesien geboren. Nach dem Abitur am Kopernikus-Gymnasium in Kattowitz absolvierte er eine Banklehre im Kattowitzer Bankhaus Landsberger & Co. und war von 1908 an als Bankangestellter in Breslau tätig. Von 1911 an leitete er die Filiale der Dresdner Bank in Kattowitz. Nach der Militärzeit von 1914 bis 1918 kehrte er zunächst nach Kattowitz zurück, bevor 1923 nach Fulda kam, wo er die Leitung der Filiale der Dresdner Bank am heutige Universitätsplatz übernahm.

Weil er als politisch unbelastet galt, bestellte ihn die amerikanische Militärregierung am 26. Juni 1945 zum Oberbürgermeister der Stadt Fulda, obwohl er keinerlei kommunalpolitische Erfahrung hatte. Neben der Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur galt seine Sorge vor allem der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Unter dem Motto „Alles für unser liebes Fulda sei die Parole“ appellierte der neue OB im Juli 1945 an den Aufbauwillen und die Spendenbereitschaft der Fuldaer Bevölkerung. Trotz Spannung mit der Militärregierung gelang es Schmidt, ein Vertrauensverhältnis zu den US-Offizieren aufzubauen und somit die Grundlage für einen geordneten Wiederaufbau zu schaffen.

Schmidt blieb bis zum 31. Juli 1946 in dem Amt und wurde durch Dr. Cuno Raabe abgelöst. Schmidt kehrte in seinen angestammten Beruf zurück und zog später aus Fulda fort. Am 22. August 1965 starb er in Konstanz.