Lokales FD 04.06.2026

Literaturpreis an Anja Gmeinwieser verliehen: Gibt mir Raum und Mut

Fulda (gü/pm) – Im fast vollbesetzten Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses wurde am Mittwochabend der Literaturpreis Fulda 2026 an Anja Gmeinwieser für ihren Debütroman „Wir Königinnen“ verliehen. Zugleich war die Veranstaltung auch der Abschluss der diesjährigen Lesereihe „Literatur im Stadtschloss.“ Die Laudatio hielt Jury-Mitglied Julia Schröder.

Anja Gmeinwieser (vorne links) bekam den Preis von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld überreicht. Mit dabei (hinten von links): Lautatorin Julia Schröder und Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann. Foto: Jasha Günther.

Gmeinwieser bedankte sich am Ende herzlich für den Preis. Während ihrer Arbeit an „Wir Königinnen“ habe sie es lange vermieden, zu sagen „ich schreibe ein Buch“. Heute sei es anders. Auf dem Weg habe es das Vertrauen von Menschen und Zuspruch gebraucht – „und als solchen verstehe ich den Literaturpreis“, fügte sie an: „Er gibt mir Zeit, Raum, Mut und Freiheit das weiterzuverfolgen, zu schreiben, was ich gerade denke, dass geschrieben werden sollte.“ Besonders habe sie gefreut, dass in der Jurybegründung ihr Humor lobend erwähnt worden sei.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld hatte die zahlreich erschienen Gäste begrüßt – darunter unter anderem auch mehrere Mandatsträger, zwei seiner Amtsvorgänger, drei Jurymitglieder und Vertreterinnen des Verlags. Er blickte auf die bisherigen Preisträger zurück und darauf, warum sich im Jahr 2019, dem Jahr des 1275-jährigen Stadtjubiläums, dafür entschieden worden war, den mit 10.000 Euro dotierten Preis ins Leben zu rufen. Der Gedanke damals sei gewesen, dass es als Kulturstadt nicht der Anspruch sein könne, den Blick nur auf das zu richten, was es zu bewahren gelte, es sollte auch eine Ermutigung auf den Weg gebracht werden. „Wir haben von Anfang an das Ziel verfolgt, einen Debütroman zu prämieren – unabhängig davon, ob eine Autorin 20 oder ein Autor 80 Jahre alt ist.“ Dass es Früchte trage, zeige sich beispielsweise daran, dass Autorin Nadine Schneider, die 2020 für ihr Debütwerk „Drei Kilometer“ ausgezeichnet worden war, in diesem Jahr für eine Lesung im Rahmen der Reihe „Literatur im Stadtschloss“ wieder zu Gast in Fulda gewesen sei. Einen besonderen Dank richtete Wingenfeld auch an die Sponsoren Sparkasse Fulda und Verlag Parzeller.

In ihrer Laudatio gab Julia Schröder einen kurzen Abriss der Geschichte. Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Dann kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen Entschluss der Ich-Erzählerin, mitzufahren, wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Auf Englisch und mit Handy-Übersetzer unterhalten sich die Frauen. Es entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte. Zugleich werde der Blick auf gerne verdrängte Lebenswelten gerichtet, sagte die Laudatorin, so werden die prekären Arbeitsbedingungen und die „Grausamkeiten des europäischen Transitverkehrs“ thematisiert. „Die Reise geht nach Osten, aber Freunde des Westerns werden hier fündig werden“, sagte Julia Schröder: „Der Western ist ein sehr männliches Genre, das hier ins Weibliche gedreht wird.“ Der Roman habe die Jury auch deshalb überzeugt, weil er teilweise sehr viel Komik enthalte. „Ich gratuliere Anja Gmeinwieser zu diesem geglückten und beglückenden Roman-Erstling“, schloss die Laudatorin.

Im Anschluss konnten sich die Besucher selbst ein Bild machen. Die Autorin nahm die Zuhörer bei ihrer Lesung mit auf verschiedene Abschnitte der Reise von den Alpen bis an die türkische Grenze und der Beziehung der zwei Frauen, angefangen von Kennenlernen mit einem lauten Knall. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Percussionensemble und dem jungen Pianisten Elischa Ortlieb, beide von der Musikschule der Stadt Fulda. Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus den Schriftstellerinnen Anna Yeliz Schentke und Zsuzsa Bánk, der Literaturkritikerin Julia Schröder, dem Schriftsteller Christoph Peters und dem Literaturkritiker Christoph Schröder. Organisiert wurde der Wettbewerb im Auftrag der Stadt Fulda und in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturamt von Silke Hartmann von der Agentur „Kulturperle – Kommunikation und Kulturmanagement.“ Insgesamt waren in diesem Jahr 43 deutschsprachige Debütromane für den Preis eingereicht worden.

Verleihung des Literaturpreises Fulda. Fotos: Jasha Günther.