Schon seit einigen Jahren gibt Klaus Adamaschek seine langjährigen Erfahrungen als Gitarrist, Sänger und Songwriter in Workshops und Seminaren weiter, Thomas Gerlach aus Bad Hersfeld und Christina Di Stefano aus Rotenburg haben sich durch diese Förderung über die Jahre zu eigenständigen Liedermachern entwickelt und gelernt, ihren innersten Gedanken durch Lieder Ausdruck zu verleihen.
Thomas Gerlach überzeugte im Wasserkraftwerk als gut beobachtender Chronist mit unterhaltsamen und klugen Texten, besonders viel Beifall erhielt sein Plädoyer „Menschliche Schlichtheit“, das auf kritische Distanz zu Künstlicher Intelligenz angelegt ist. Eher locker und leichtgängig demgegenüber sein Stück „SPO“ als musikalische Liebererklärung an seinen Winter-Traumort Sankt Peter Ording. Musikalisch hört man bei Thomas Gerlach stets seine Liebe für die amerikanische Country- und Folkmusik heraus.
Bei Christina Di Stefano, die schon vor ihrer kürzlichen Hochzeit als Tina Möller einige öffentlich Auftritte hatte, spielt das Thema Frieden eine besondere Rolle. Hochaktuell und auch hochintensiv ihr Song „Brüllender Löwe“, in dem sie den aktuellen Krieg im Nahen Osten – wie in einer Fabel - mit sich bekämpfenden Löwenrudeln vergleicht, mit entlarvenden Anspielungen unter anderem auf Donald Trump. Weniger schwergängig, aber dafür mit lebensweiser Selbstironie ihr neuer Song „Willst du Gott mal lächeln sehn“.
Zum ersten Mal dabei war Doris Helm aus Alheim-Baumbach, die zwar erst seit gut einem Jahr bei Adamaschek lernt, sich aber harmonisch bestens in die Gruppe eingefügt hat. Besonders viel Beifall erhielt sie für ihren ebenso mutigen wie ergreifenden Song „Der schwarze Hund“, der sich mit dem noch immer tabuisierten Thema Depressionen befasst. Überzeugend auch ihre einfühlsame Interpretation des Klassikers „Kinder“ von Bettina Wegener.
Zwischen den tiefgehenden Eigenkompositionen spielte das Quartett mit großer Spielfreude und viel Gefühl auch Lieder aus Adamascheks Feder, darunter ganz neue Stücke wie „Wenn deine Kraniche nicht mehr ziehn“ oder „Hey Morgenwind“, die für das 18. Shiregreen-Album „Stromabwärts“ vorgesehen sind und bei denen das Publikum begeistert mitging. Aber als Adamaschek dann solo eine ganz reduzierte Kostprobe aus dem aktuellen Album „The Sicilian Suite“ gab, herrschte gefesselte Stille im Wasserkraftwerk. Mit großer Besetzung vorgestellt wird diese erneute Kooperation mit dem schottischen Songwriter Tom Fairnie bei der „Nacht der Liedermacher“ am 10. August auf Schloss Eichhof in Bad Hersfeld.
Das Rotenburger Wasserkraftwerk bot mit seinem wohnzimmerartigen Ambiente den perfekten Rahmen für eine überaus warmherzige Veranstaltung. Als das Konzert nach weit über zwei Stunden mit der schon traditionellen Abschiedshymne „Der letzte Ton bleibt stehn“ endete, war den vier Musikern Erschöpfung, aber auch Glück anzusehen. Das Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus.
