Die reguläre Saison ist rum auf Verbandsebene – und aus den jeweiligen Spielklassen (acht Gruppenligen, drei Verbandsligen und eine Hessenliga) bekommt eine Mannschaft ein Startrecht für den Hessenpokal in der neuen Saison. Und zwar die nach der Quote fairste Mannschaft auf Verbandsebene. Der TSV Künzell aus der Gruppenliga Fulda war vor dem letzten Spieltag mit dem TSV Korbach aus Kassel gleichauf – Korbach leistete sich am Samstag eine Gelbe Karte, Künzell blieb beim 2:5 gegen Niederaula ohne Verwarnung und ist damit nun hessenweiter Spitzenreiter.
Die Durchführungsbestimmungen, die beim HFV online zu finden sind, seien noch nicht abgeändert – der entsprechende Passus fehlt dort aktuell. Doch Verbandsfußballwart und Hessenpokal-Spielleiter Matthias Schmelz erklärt auf Nachfrage: „Der Meister der Hessenliga mit der U21 von Eintracht Frankfurt fällt ja raus und darf nicht antreten – dann rückt der Fairplay-Sieger nach“. Beim Blick auf alle Klassen fällt dabei klar auf: An Künzell (Quote 1,46) und Korbach (jetzt 1,5) kommt fast niemand heran. Der SC Willingen (1,65) in der Verbandsliga Nord und der FV Biebrich (1,75) in der Verbandsliga Mitte waren noch fair unterwegs, andere Meister, wie Unter-Flockenbach in der Verbandsliga Süd, liegen bei über 2,5. Berechnet wird die Quote mit der Anzahl an Karten über die Saison gesehen, wobei Gelbe Karten für Spieler und Mannschaftsverantwortliche einen Punkt zählen, Gelb-Rote drei und Rote fünf Punkte. Die Summe wird durch die Anzahl der Spiele geteilt. Im Künzeller Fall waren es gerade einmal 41 Gelbe Karten und eine Gelb-Rote in 30 Partie. (An diese Quote kommt selbst in den drei Fuldaer Kreisoberligen, die keine Verbandsspielklassen sind, niemand heran). Der TSV Künzell kann damit für die dritte Runde des Hessenpokals planen. Einziger „Wermutstropfen“: Die Osthessen landen wohl im Profitopf mit Wehen Wiesbaden und den Regionalligisten, damit kommt es im Achtelfinale zu keinem „Knaller“ mit Offenbach oder der SG Barockstadt.
Doppelte Freude im Künzeller Lager
„Das kam unverhofft – aber natürlich nehmen wir das mit“, sagt Andreas Schmitt aus dem Vorstandsteam des TSV Künzell über das Pokal-Ticket. „Wir sind da vor wenigen Wochen schon mal drauf hingewiesen worden, aber natürlich war es erstmal wichtiger, den Klassenerhalt zu schaffen, als auf so etwas zu schielen“. Das gelang dem TSV, der damit in der neuen Saison auf 25 Jahre Gruppenliga-Zugehörigkeit blicken darf – das Wort „Dino“ hat sich Künzell längst verdient. Auch de einen oder anderen Transfer hat der Verein schon bekanntgegeben, und schielt nun auf eine attraktive Aufgabe im Achtelfinale des Hessenpokals: Die gesetzten Teams bekamen dabei im Vorjahr ganz unterschiedliche Gegner – Offenbach beispielsweise musste zu Gruppenliga-Absteiger Leusel, aber auch die Hessenligisten Friedberg oder Baunatal waren im Achtelfinale auf der Seite der ungesetzten Teams. Ein Heimspiel gegen den KSV Baunatal wäre für Künzel beispielsweise natürlich ein Event, auf der anderen Seite könnte der TSV aber auch auf eine sportlich machbarere (Auswärts)-Aufgabe hoffen.
