Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar ging in seinem Grußwort auf die überall in der Welt und auch in Deutschland zu beobachtenden Veränderungen ein – von dem Einfluss der Regierung auf Bildung und Forschung in den USA bis zu dem, was die AfD in Sachsen-Anhalt zur Forschung in ihrem Programm stehen habe. All das seien Aufforderungen, für die Demokratie aktiv zu bleiben und zu werden. „Werte, für die wir stehen – Bibliotheken haben dabei eine wichtige Rolle“, sagte Khakzar mit Blick auf die Freiheit von Meinung und Worten.
Auch Jan Weckler, Vorsitzender des Landesverbands Hessen im Deutschen Bibliothekverband und Landrat des Wetteraukreises, ging auf den Zusammenhang zwischen Demokratie und Bibliotheken ein. „Bücher dienen dazu, über den eigenen Tellerrand zu schauen“, sagte Weckler. Natürlich sei es manchmal anstrengend, sich mit einer anderen Meinung auseinander zu setzen, aber Diskussion und Debatte würden eine Demokratie ausmachen. Eine Ausstellung wie diese im öffentlichen Raum habe die Chance, auch Menschen zu erreichen und für das Thema zu sensibilisieren, die eigentlich wegen ganz anderer Sachen unterwegs seien. Berthold Weiß, Direktor der HLSB, legte anhand des Grundgesetztes und des Bibliotheksgesetztes dar, warum Bibliotheken sich mit dem Thema Demokratie beschäftigen, und gab Einblicke wie sich das im Alltag und im Veranstaltungsprogramm widerspiegele – sei es bei der Anschaffung neuer Bücher oder dem vermehrten Angebot von Schulungen zum Erkennen von Fake-News.
Der anschließende Impulsvortrag von Prof. Dr. Nikola Roßbach von der Universität Kassel lud zur Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Meinungsfreiheit im Kontext von Bibliotheken als Orte des freien Zugangs zu Wissen, Vielfalt und des offenen Denkens ein. „Zensur hat heute viele verschiedene Gesichter“, sagte Roßbach – mal versteckt, mal offen. In den vergangenen Jahren sei der Begriff oft im Sinne von Sagbarkeitsgrenzen diskutiert worden. Mittlerweile habe sich der gesellschaftliche Diskurs wieder verschoben. „Plötzlich geht es wieder um klassische harte Zensur“, sagte Roßbach, die auch auf die Geschichte, in der Zensur nicht immer als etwas Negatives gesehen wurde und häufig kontraproduktiv gewesen sei, blickte. Roßbach forscht zur Zensur und war Mitinitiatorin der „Kasseler Liste“, die als weltweit größte Verzeichnis zensierter und verbotener Bücher gilt und aus einem Projekt bei der documenta 14 hervorgegangen war.
