Lokales FD 08.06.2026

FDP-Kreisvorsitzender Klotzsche äußert sich zur IHK-Stromstudie

Fulda (pm/pf) – Die von der IHK Fulda vorgestellte Regionalauswertung der hessischen Stromstudie bescheinigt dem Landkreis erhebliche Potenziale bei den erneuerbaren Energien. Der Kreisvorsitzende der FDP Fulda, Mario Klotzsche, warnt aber vor einer verkürzten Lesart. Denn die für Betriebe und Haushalte entscheidende Größe komme in der Studie nicht vor: der Preis.

Mario Klotzsche. Foto: Stefan Krug

„Eine Untersuchung, die die Kosten ausdrücklich ausklammert, kann zur eigentlichen Frage nichts sagen. Und die eigentliche Frage lautet: Was steht am Ende auf der Stromrechnung?", so Klotzsche. „Erzeugung ist nur ein Posten unter mehreren. Hinzu kommen der Netzausbau, die Speicher und die Absicherung für die Tage, an denen weder Wind weht noch Sonne scheint. Wer diese Posten weglässt, rechnet sich die Energiewende schön.“

Klotzsche verweist auf die Größenordnungen, die in der Studie fehlen. Allein das Höchstspannungsnetz kostet nach den Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber zwischen 360 und 390 Milliarden Euro bis 2045. Das Verteilnetz kommt obendrauf. „Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln rechnet vor, dass allein die Netzentgelte für Haushalte von heute rund 11 Cent je Kilowattstunde bis 2045 um bis zu weitere 18 Cent steigen könnten. Dann reden wir über fast 30 Cent je Kilowattstunde nur für die Finanzierung des Netzausbaus“, so Klotzsche.

„Und mehr Strom heißt eben nicht automatisch billigerer Strom: 2025 war der Börsenpreis an einem neuen Rekord von 573 Stunden negativ. Der Überschuss musste teuer entsorgt werden, während die Verbraucherrechnung von Netzentgelten, Steuern und Abgaben bestimmt bleibt. Wer einen Landkreis zum reinen Stromexporteur ausbaut, muss zuerst sagen, wer die Leitungen dafür bezahlt und das sind am Ende die Stromkunden in Osthessen.“

Fulda ist kein Nachzügler

Entschieden widerspricht Klotzsche der Darstellung, Fulda hinke beim Ausbau hinterher. „Das hält der amtliche Energiewende-Monitor des Landes nicht aus. Mit 412 Megawatt installierter Leistung liegt unser Landkreis auf Rang acht von 21 hessischen Landkreisen — im oberen Drittel — und bei der Dach-Photovoltaik sogar an der Spitze ganz Hessens.“ Dass die Studie dennoch ein „deutlich unter dem Durchschnitt“ attestiere, liege allein an der gewählten Messgröße: der Leistung pro Hektar. „Einen waldreichen Flächenkreis mit Rhön und Biosphärenreservat an der Dichte pro Hektar zu messen und dann als Schlusslicht zu zeichnen, ist, als bewerte man einen Bauernhof nach dem Ertrag pro Quadratmeter Hofgebäude. Der Nenner erzeugt das Ergebnis — nicht die Wirklichkeit."

Wie kluge Energiepolitik aussieht, zeigt der Landkreis längst selbst

Als Beispiel nennt Klotzsche die Biothan-Anlage auf dem Finkenberg bei Großenlüder. „Dort macht eine Tochter der RhönEnergie aus Bioabfall und Gülle grünes, speicherbares Erdgas — Heizenergie für rechnerisch 2400 Haushalte, rund 7500 Tonnen vermiedenes CO? im Jahr, und das ohne einen einzigen Maiskolben und ohne einen Cent öffentlicher Zuschüsse." Während bundesweit fast die Hälfte des Biomethans aus eigens angebautem Mais stamme, arbeite Großenlüder mit Reststoffen. „Das ist die Art von Erzeugung, die das Netz stützt, statt es zu belasten — verfügbar dann, wenn man sie braucht. Genau diese gesicherte, grundlastfähige Komponente behandelt die Studie als Randgröße, während sie auf den volatilen Ausbau setzt.“

Energiemix statt Vorfestlegung

Für die Freien Demokraten ist das der Kern: „Entscheidend ist der kluge Mix, nicht die Vorfestlegung auf eine bestimmte Technologie", so Klotzsche. In diesem Licht hält der Kreisvorsitzende auch die Wahl des Gutachters für diskussionswürdig. „Das Fraunhofer ISE ist Europas größtes Solarforschungsinstitut und arbeitet erklärtermaßen für ein rein erneuerbares Energiesystem. Wer eine technologieoffene Antwort auf die Zukunft der Versorgung sucht, sollte sie bei einem technologieoffenen Haus suchen, nicht bei einem Institut, dessen Spezialisierung das Ergebnis vorzeichnet.“

Klotzsche abschließend: „Unser Maßstab ist nicht die maximale Zahl an Windrädern, sondern die sichere und bezahlbare Versorgung der Fuldaer Betriebe und Haushalte. Dazu gehört Technologieoffenheit ebenso wie die ehrliche Rechnung. Beides vermissen wir in der vorgelegten Lesart“, so Klotzsche abschließend.