Begrüßt wurde die Gemeinschaft von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Innenstadt. Zu Beginn dankte er allen, die Anwesend waren, und vor allem jenen, die am Projekt beteiligt waren. „Wir sind dankbar für die Arbeit in den vergangenen Jahren“, so der OB zu Ethan Bensinger, einem Nachfahren bedeutender jüdischer Fuldaer Familien. „Weil es ein besonderes Anliegen ist, dass sich der Blick auf diesen Ort ändert“, so Wingenfeld weiter. Seit fast 600 Jahren steht der Jüdische Friedhof für das jüdische Leben in der Stadt. „Wir dürfen dankbar dafür sein, dass jüdische Gemeinden das Leben in Fulda geprägt haben, wahrscheinlich schon seit dem elften Jahrhundert“, so der OB.
Der Friedhof wurde das erste Mal 1442 urkundlich genannt, was Dr. Thomas Heiler bei seiner Forschungsarbeit herausfand. Bis Ende des 19 Jahrhunderts sollen auf dem Friedhof mehr als 2000 Bestattungen vorgenommen worden sein, davon etwa 550 in den Jahren 1822 bis 1906. Es sollte ein neuer jüdischer Friedhof vor den Toren der Stadt erbaut werden, was vor 120 Jahren passierte. Dadurch wurde der alte Friedhof für Begräbnisse geschlossen. Einen Grundsatz von 1906, der in der Folgezeit leider immer wieder aufs Neue verletzt oder nicht geachtet wurde, erläuterte Wingenfeld dazu: „Ein jüdischer Friedhof verliert nie seine Bestimmung.“ Der Grundsatz besage, dass jüdische Friedhöfe, die nicht mehr als Begräbnisstätte benutzt werden, als Begräbnisorte bestehen bleiben. Gräber dürfen nicht neu belegt oder abgeräumt werden, da, nach dem jüdischen Verständnis, den Verstorbenen die ewige Totenruhe zukomme.
„Leider müssen wir feststellen, dass gerade in den Zeiten des Nationalsozialismus ganz erklärtes Ziel war, auch an diesem Ort das jüdische Leben und die Erinnerung an das jüdische Leben auszulöschen“, so Wingenfeld weiter. Der letzte Grabstein solle am 17. Januar 1939 umgelegt worden sein, was damals in der Zeitung berichtet worden war. „Es finden sich bis heute immer wieder Bruchstücke von Grabsteinen, die dann in Fulda als Baumaterial benutzt wurden“, erzählte Wingenfeld. Im Jahr 2024 solle zuletzt ein Stück in einer Schrebergartenanlage gefunden worden sein. Ein Teil des Grundstücks wurde von der Stadt Fulda an den Bund verkauft, wo dann das Zollgebäude errichtet wurde. 1955 kam es dann zu der Errichtung eines Gedenksteins, der daran erinnern sollte, dass der Ort als jüdische Friedhof genutzt wurden. Der jüdische Friedhof wurde im Jahr 1996 durch den Bürgermeister von Jerusalem in Jerusalemplatz umbenannt, was durch ein Namensschild kenntlich gemacht worden sein soll.
Am Ende seiner Rede bedankte sich der OB bei allen, die sich dafür eingesetzt hatten, dass der Platz so gestaltet wurde, wie er jetzt ist. „Der Ort wurde so gestaltet, dass er aufmerksam macht, und ich bin zuversichtlich, dass das gelingen möge, wenn hier jemand vorbei geht“, so Wingenfeld.
„Wir haben einen langen Weg hinter uns: Neun Jahre. Einen Weg voller Wendungen, unerwarteter Eintrübungen aber auch Erhellungen“, so Stadtbaurat Daniel Schreiner in seiner Rede. Er zeigte auf, dass alle Beteiligten stets an den gleichen Zielen festhielten. Er wolle die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen, indem die Gedenkstätte in die Mitte der Stadt kommt. Er wolle Leben an den Ort bringen, an dem sich die Fuldaer Juden früher ganz natürlich trafen. „Der Vorschlag lag virtuell auf dem Tisch und tatsächlich freundete sich die Arbeitsgruppe sofort damit an“, so Schreiner. „Das Detail ist im Bauen genauso wichtig wie im Umgang mit Menschen“, hob er hervor. Am Ende seiner Rede bedankte er sich bei allen Beteiligten und erwähnte: „Abschließend möchte ich bekennen, dass ich froh bin, heute hier zu sein und diesen für Fulda einzigartigen Ort einweihen zu dürfen.“
Auch Daniel Neumann, Vorsitzender Landesverband jüdischer Gemeinden, bedankte sich bei allen Mitwirkenden. Er erwähnte auch, dass die goldene Schrift des Zauns kein Zufall sei. „Diese ist nicht zufällig gewählt, sondern erinnert an die goldene Stadt Jerusalem“, so Neumann. „Das ist ein Ort, der Menschen vor dem Vergessen bewahrt. Im Judentum heißt es, dass ein Mensch erst dann wirklich tot ist, wenn man seinen Namen vergessen hat“, hob Neumann hervor. Auch Jürgen Peter, Leiter des Kulturamts, Ethan Bensinger, Nachkomme ehemaliger Fuldaer Juden und Roman Melamed von der Jüdischen Gemeinde Fulda hielten kurze Reden des Dankes. Am Schluss weihte Rabbiner Shimon Großberg mit zwei Psalmen den Alten Jüdischen Friedhof ein.
