Fußball 12.06.2026

Als Fulda sein eigenes Sommermärchen feierte – Fotos

Fulda (jah) – Wenn am Donnerstagabend die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko beginnt, werden bei vielen Fußballfans Erinnerungen wach. Erinnerungen an einen Sommer, der längst Legendenstatus erreicht hat. Vor 20 Jahren war Deutschland Gastgeber der Weltmeisterschaft – und auch Fulda erlebte sein ganz eigenes Sommermärchen. Auf dem Universitätsplatz feierten Tausende Menschen friedlich, ausgelassen und oft Schulter an Schulter die Spiele der WM 2006. Szenen, die heute beinahe aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen.

Schwarz-Rot-Gold in Fulda - Eindrücke aus dem Jahr 2006. Archivfotos: Görlich Media

Rund 100.000 Besucher zählte die Stadt Fulda damals während des Turniers. Sämtliche Spiele wurden auf dem Uniplatz übertragen. Schwarz-Rot-Gold prägte wochenlang das Stadtbild, Fahnen wehten aus Fenstern und die Menschen zog es Abend für Abend in die Innenstadt. „Vorher gab es so etwas nie in Fulda“, erinnert sich OZ-Chefredakteur Ralph Görlich, der damals zu den Initiatoren des Großprojekts gehörte und während des Turniers als Moderator auf der Bühne stand. Ende 2005 seien alle Beteiligten, die rund um die Weltmeisterschaft etwas auf die Beine stellen wollten, an einen Tisch geholt worden. Was daraus entstand, übertraf sämtliche Erwartungen: Bis heute erreichte kein Public Viewing Event in Fulda mehr annähernd ein solches Ausmaß.

Vor dem Karstadt wurde eine große Bühne aufgebaut, die Spiele liefen auf einer riesigen Videoleinwand. Rund um das Public Viewing entstand ein kleines Fußball-Dorf mit Gastronomie, Kinderangeboten und zahlreichen Aktionen. „Ziel war es, nicht nur die WM zu zeigen, sondern die Stadt zu beleben“, blickt Görlich zurück. Das gelang eindrucksvoll. Hotels, Gastronomie und Einzelhandel profitierten vom Besucheransturm, die Innenstadt war über Wochen voller Leben. Besonders das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft gegen Costa Rica blieb in Erinnerung. Schon lange vor dem Anpfiff war das Gelände komplett gefüllt. „Anderthalb Stunden vor Spielbeginn war es so voll, dass wir keinen mehr reinlassen konnten. Die Leute standen bis hoch in die Bahnhofstraße, weil sie diese Atmosphäre erleben wollten“, erzählt Görlich.

Wer die Bilder von damals betrachtet, erkennt sofort, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen verändert haben. Dicht gedrängte Menschenmassen, vergleichsweise niedrige Absperrungen und ein Sicherheitskonzept, das aus heutiger Sicht fast schon überschaubar wirkte. „Damals galten noch andere Sicherheitsbestimmungen. Heute wäre vieles davon wohl gar nicht mehr möglich“, sagt Görlich. Tatsächlich haben sich die Anforderungen an Großveranstaltungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv verändert. Während bei der WM 2006 vor allem die Organisation und Besucherlenkung im Mittelpunkt standen, prägen heute umfangreiche Sicherheitskonzepte die Planung.
Bei der Heim-EM 2024 arbeiteten Polizei, Sicherheitsbehörden und Veranstalter bundesweit mit erheblich erweiterten Maßnahmen. Neben klassischen Herausforderungen wie Hooligan-Gewalt standen auch Terrorismus, Cyberangriffe, Drohnen sowie der Schutz großer Fan-Zonen und Public-Viewing-Flächen im Fokus. Sicherheitsbehörden sprachen von einer deutlich komplexeren Gefährdungslage als noch 2006. Kontrollstellen, Videoüberwachung, Zufahrtssperren, Waffenverbotszonen und detaillierte Evakuierungskonzepte gehören inzwischen vielerorts zum Standard. Selbst Public-Viewing-Veranstaltungen werden heute unter völlig anderen Voraussetzungen geplant als noch vor zwei Jahrzehnten.

Und doch bleibt die Erinnerung an diesen Sommer bestehen. An das spektakuläre 4:2 gegen Costa Rica zum Auftakt, vor ziemlich genau 20 Jahren. An die Jubelschreie beim Viertelfinale gegen Argentinien, an die fliegenden Bierbecher nach dem verschossenen Elfmeter der Südamerikaner und an eine Stadt, die sich für vier Wochen in eine einzige Fanmeile verwandelte. „Die Menschen lagen sich in den Armen, die ganze Stadt hatte profitiert“, erinnert sich Görlich. Vor allem aber sei ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, das viele bis heute mit der WM 2006 verbinden. Ein Gefühl, das sich weder planen noch organisieren lässt – und das Fulda vor 20 Jahren auf dem Universitätsplatz eindrucksvoll erlebt hat.