Lokales VB 04.06.2026

20 Jahre Osthessen-Zeitung: Aus einem Traum wurde Realität

Fulda (jah) – Was einst als mutige Version eines neuen digitalen Nachrichtenangebots begann, ist heute aus der osthessischen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken: Osthessen-Zeitung feierte am 1. Juni 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Für Gründer, Inhaber und Chefredakteur Ralph Görlich stand dabei von Anfang an ein Grundsatz im Mittelpunkt: unabhängiger, neutraler und überparteilicher Journalismus.

Ralph Görlich. Foto: Salih Usta

Ein Teil des Teams von 2015 bei einem gemütlichen Beisammensein. Foto: Christine Görlich

„Unabhängige, neutrale Berichterstattung liegt mir bis heute besonders am Herzen“, betont Görlich: „Wir wollten nie die Nähe zu Parteien oder Institutionen suchen, sondern den Menschen verlässliche Informationen liefern.“ Die Idee zu Osthessen-Sport, so hieß das Poral zunächst, entstand in einer Zeit, in der das Internet immer schneller wurde und digitale Nachrichtenangebote noch in den Kinderschuhen steckten. Während Informationen in Zeitungen oft erst am nächsten Tag erschienen, erkannte Görlich früh die Möglichkeiten des Internets. „Ich kannte schnelle Nachrichten damals eigentlich nur aus dem Radio. Die Vorstellung, Informationen online innerhalb kürzester Zeit veröffentlichen zu können, hat mich fasziniert.“

Gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Tamara Görlich reifte 2005 der Entschluss, diese Idee in die Tat umzusetzen – zunächst als reines Sportportal. Von Oktober 2005 bis Mai 2006 wurde geplant, entwickelt und vorbereitet, bevor Osthessen-Sport schließlich am 1. Juni 2006 online ging. Der Startzeitpunkt war dabei bewusst gewählt: Die reguläre Fußballsaison war beendet, die Aufmerksamkeit lag auf den Relegationsspielen. Genau dort setzte das neue Portal an. Websites wie fussball.de, über die sämtliche Ergebnisse der hessischen Spielklassen heutzutage laufen, gab es damals noch nicht. Stattdessen wurden alle Statistiken von der Verbands- bis in die C-Liga eintelefoniert. „Wir haben zwar am Anfang ohne festangestellte Mitarbeiter begonnen, hatten aber von Anfang an rund 15 freie Mitarbeiter im Einsatz“, erinnert sich Görlich. „Jedes einzelne Ergebnis wurde damals telefonisch übermittelt. Das war eine völlig andere Welt als heute.“

Die Anfangszeit war geprägt von Improvisation, Leidenschaft und langen Arbeitstagen. Parallel zum Aufbau von Osthessen-Zeitung organisierte Görlich gemeinsam mit seiner Ehefrau während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 das große WM-Event auf dem Fuldaer Universitätsplatz. Das Büro der Event-Organisatoren befand sich damals im Karstadt-Gebäude in Fulda, wo zeitgleich an den Inhalten des Portals gearbeitet wurde. Schon wenige Monate nach dem Start zeigte sich, dass das Konzept funktionierte. Die Zugriffszahlen stiegen rasant. An vielen Sonntagen brachen die Server unter der Last der vielen Besucher zusammen. „Sonntag gegen 17 Uhr war der Serverabsturz fast schon programmiert“, erzählt Görlich schmunzelnd. „Ich habe versucht, die Fußballberichterstattung am Laufen zu halten und gleichzeitig ständig mit der IT telefoniert. Auf das Ausmaß der Nachfrage war ich damals überhaupt nicht vorbereitet.“

Aus dem Sportportal wurde schon bald mehr. Leser und Werbepartner signalisierten schnell, dass das Interesse weit über den Sport hinausging. Bereits nach rund einem Jahr begann Osthessen-Zeitung damit, auch lokale Nachrichten zu veröffentlichen. Mit dem Erfolg wuchsen die Anforderungen. Neue Mitarbeiter kamen hinzu, weitere Themenbereiche wurden erschlossen und zusätzliche Portale aufgebaut: Eichenzell-Aktuell, Künzell-Aktuell und Petersberg-Aktuell waren geboren. Gleichzeitig entwickelte sich die gesamte Medienlandschaft rasant weiter. Soziale Netzwerke gewannen an Bedeutung und eröffneten neue Reichweitenmöglichkeiten. „Das ist schon verrückt,  dass wir beispielweise auf Instagram in den letzten vier Wochen 4,5 Millionen und auf Facebook 3,7 Millionen Aufrufe hatten, einzelne Beiträge werden millionenfach abgerufen“, so der Inhaber.

Trotz aller Veränderungen, Herausforderungen und Rückschläge blickt Görlich heute vor allem mit Dankbarkeit auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück. „Es fühlt sich überhaupt nicht wie 20 Jahre an“, sagt der Chefredakteur. „Diese Zeit ist unglaublich schnell vergangen. Ich empfinde große Dankbarkeit und auch Demut gegenüber allen Menschen, die diesen Weg begleitet haben.“ Sein Dank gilt dabei insbesondere den Werbepartnern, von denen viele das Portal seit den ersten Tagen begleiten, sowie den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den vergangenen 20 Jahren zum Erfolg beigetragen haben – und natürlich den Leserinnen und Lesern. „Wenn ich heute zurückblicke, ist es für mich immer noch unglaublich, dass wir seit 20 Jahren steigende Zugriffszahlen verzeichnen. Dass dieses Wachstum nie aufgehört hat, hätte ich 2005 oder 2006 niemals für möglich gehalten.“

Natürlich verliefen die Jahre nicht ohne Schwierigkeiten. Personelle Veränderungen und immer neue Anforderungen stellten das Unternehmen regelmäßig vor Herausforderungen. Doch jede dieser Situationen führte letztlich zu neuen Lösungen und Weiterentwicklungen. Vor allem aber blieb der Kern der Idee unverändert: „Ich bin in den vergangenen 20 Jahren kein einziges Mal ins Büro gegangen und hatte das Gefühl, arbeiten zu müssen“, sagt Görlich: „Ich hatte jeden Tag das Gefühl, arbeiten zu dürfen.“ Und genau dort schließt sich der Kreis zu jenem Gedanken, mit dem alles begann: der Wunsch, den Menschen in Osthessen schnelle, verlässliche und unabhängige Informationen zur Verfügung zu stellen. Gerade in einer Zeit, in der die Glaubwürdigkeit von Medien zunehmend hinterfragt wird, sieht Görlich diesen Anspruch wichtiger denn je. „Für mich ist heute noch genau das entscheidend, was bereits vor 20 Jahren wichtig war“, betont er. „Wir wollen ein unabhängiges, überparteiliches und neutrales Medium sein“ – ein Traum, der vor zwei Jahrzehnten mit einem kleinen Sportportal begann, und der bis heute jeden Tag weitergeschrieben wird. Eine große Feier soll es dann übrigens zum 25-Jährigen Jubiläum geben.