Lokales VB 25.07.2026

Zwischen Kunst und Wissenschaft: David Weiss eröffnet neues Atelier

Lauterbach (pm/sim) – Kunst, Forschung und persönliche Erfahrungen verbinden: Der Künstler und Agrarwissenschaftler David Weiss hat die Räume der ehemaligen Malerschule Euler in Lauterbach als neues Atelier bezogen. Von dort aus arbeitet der gebürtige Landenhausener künftig an Malereien, Holzschnitten, Comics, Collagen, Skulpturen und wissenschaftlich inspirierten Bildwelten.

Fotos: David Weiss

Ein Atelier ist für David Weiss mehr als nur ein Arbeitsraum. Es ist Werkstatt, Labor und Ort für neue Ideen. In der ehemaligen Malerschule Euler, in der einst handwerkliche Techniken vermittelt und kreative Arbeiten entstanden, beginnt nun ein neues Kapitel. Gemeinsam mit seiner Familie ist der Künstler in die Kreisstadt gezogen und nutzt die historischen Räume künftig als kreativen Mittelpunkt.

Weiss bewegt sich seit Jahren zwischen verschiedenen Welten. Er ist Künstler, Agrarwissenschaftler, Forscher, Zeichner und Illustrator. Seine Arbeiten verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischer Ausdruckskraft und beschäftigen sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Umwelt, Geschichte und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Der Weg dorthin verlief jedoch nicht geradlinig. Der gebürtige Landenhausener absolvierte zunächst Ausbildungen zum Kaufmann im Einzelhandel und zum Gemüsegärtner. Anschließend studierte er auf dem zweiten Bildungsweg Ökologische Agrarwissenschaften und später Illustration und Comic an der Kunsthochschule Kassel, wo er bei Professor Hendrik Dorgathen seinen Masterabschluss machte. Heute promoviert Weiss an der Universität Göttingen.

Die Verbindung von Landwirtschaft und Kunst ist für ihn längst kein Gegensatz mehr, sondern ein zentrales Element seines Schaffens. Besonders beschäftigt er sich mit sogenannten Sachcomics – also visuellen Erzählformen, die wissenschaftliche Inhalte verständlich und anschaulich vermitteln können. Ein Bild kann dabei komplexe Zusammenhänge sichtbar machen und neue Zugänge zu Forschungsthemen schaffen.

Auch seine Materialien erzählen Geschichten. Weiss arbeitet unter anderem mit Altmetall, Schafwolle, alten Landkarten, historischen Drucken oder vergessenen Gemälden. Dinge, die ihren ursprünglichen Zweck verloren haben, erhalten in seinen Werken eine neue Bedeutung. Eine alte Karte wird zum Symbol für Reisen, Grenzen und politische Entwicklungen, ein Stück Metall kann zum Bestandteil einer Skulptur werden.

Inhaltlich richtet sich sein Blick häufig auf aktuelle Herausforderungen. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Umweltzerstörung, Vielfalt, wissenschaftlicher Erkenntnis und den Spuren, die Menschen und Gesellschaften hinterlassen. Dabei wolle er keine einfachen Antworten geben, sondern Räume für eigene Gedanken und Interpretationen schaffen.

Dass sein künstlerischer Blick international geprägt ist, zeigt auch seine Biografie. Forschungs- und Künstlerreisen führten Weiss unter anderem in die Mongolei, nach Madagaskar und Burkina Faso. Die dort gesammelten Eindrücke verarbeitet er später in seinen Arbeiten – nicht als klassische Reisebilder, sondern als Erinnerungen, Formen, Farben und Geschichten.

Ein weiterer Bestandteil seines Schaffens ist die Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Unter anderem arbeitet Weiss mit Andreas Schmelzer sowie regelmäßig mit David Hardy, der unter dem Künstlernamen Suisse-Marocain bekannt ist. Gemeinsame Werke entstehen dabei aus dem Dialog verschiedener künstlerischer Handschriften.

Seine Arbeiten waren bereits an zahlreichen Orten zu sehen – unter anderem in Paris, Madrid, Granada, Prag, Berlin, Heidelberg, Koblenz, Kassel, Mannheim, Fulda und Kleinsassen. Ausstellungen führten ihn beispielsweise in die Akademie der Künste Berlin, das Ludwig Museum Koblenz oder das Pariser Kunsthaus 59 Rivoli.

Mit dem neuen Atelier in Lauterbach kehrt Weiss nun in eine Region zurück, die ihm vertraut ist. Gleichzeitig bleibt seine Arbeit international ausgerichtet. Die ehemalige Malerschule Euler könnte künftig zu einem Treffpunkt verschiedener Einflüsse werden: Erfahrungen aus fernen Ländern treffen dort auf die Landschaft und Menschen des Vogelsbergs.

Für Weiss ist das Atelier deshalb kein Ort, an dem fertige Werke lediglich aufbewahrt werden. Es ist ein Raum für Austausch, Forschung und Entwicklung. Aus wissenschaftlichen Fragen entstehen Zeichnungen, aus alten Materialien neue Kunstwerke und aus unterschiedlichen Lebenswegen ein gemeinsames künstlerisches Konzept.