Lokales FD 06.07.2026

Tasse mit Aussicht - Objekt des Monats Juli im Vonderau Museum

Fulda (pm/gü) – Das Vonderau Museum Fulda präsentiert seit nunmehr fünf Jahren sein „Objekt des Monats“ im Schaufenster des Museumseingangs am Jesuitenplatz 2. Im Ferien- und Reisemonat Juli wird eine Andenkentasse mit einer Ansicht des Frauenberges von 1875 gezeigt.

Foto: Daniel Bley, Vonderau Museum

Im 19. Jahrhundert wurde der Tourismus, insbesondere mit dem Aufkommen der Eisenbahn, die das Reisen für eine breite Bevölkerungsschicht erschwinglich machte, sehr beliebt. Um den Besuchern vor Ort ein Andenken anzubieten, wurde daher begonnen, verstärkt Souvenirs – von französisch le souvenir, die Erinnerung, bzw. se souvenir, sich erinnern, – herzustellen. Nicht nur der eigenen Erinnerung, sondern auch der Demonstration der eigenen Weltläufigkeit diente das Reiseandenken. Besonders beliebt sind seither mit Bildern und Namen des Ortes versehene Tassen. Porzellan war ebenfalls ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts preiswerter geworden. Die Manufakturen stellten ihre Produktion auf den wachsenden Bedarf ein und schufen nun Tassen oder Teller, die auf der Wandung genügend Freiraum ließen für eine Bemalung mit berühmten Ansichten. Die Geschirrteile wurden entweder fertig nach Stichvorlagen bemalt oder mit entsprechender „Leerstelle“ geliefert. Letztere wurde von Malern vor Ort dekoriert.

In Fulda erfolgte der Anschluss an die Bahn 1866. Die Ansichtentasse ziert eine Vedute des Frauenbergs bei Fulda mit dem Franziskanerkloster. Zu erkennen ist auch die unterhalb des Klosters errichtete Pestsäule. Die seitliche Tassenwandung sowie die Fahne der Untertasse sind mit goldenen, stilisierten Weinranken dekoriert und beide Geschirrteile mit Goldrand versehen. Hergestellt wurden sie von der Porzellanmanufaktur Carl Tielsch & Co. in Altwasser in Schlesien. Die Porzellanmanufaktur wurde 1845 gegründet, zählte schnell zu den größten deutschen Porzellanherstellern mit bis zu 1500 Mitarbeitenden und schloss sich 1932 mit der C.M. Hutschenreuther AG zusammen. Um an einen ganz besonderen Julitag auf dem Frauenberg hoch über Fulda zu erinnern, wurde die Untertasse mittig mit der Widmungsinschrift „Den 24. Juli 1875“ versehen. Diese ist stark berieben und nur noch schwer lesbar. Vielleicht genoss man anlässlich eines Geburtstages oder Hochzeitstages die weite Aussicht über Stadt und Land.