Lokales 06.07.2026

Naturschutzprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ geht in die Umsetzung

Geisa/Point Alpha (oz/sm) – Mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung an der Gedenkstätte Point Alpha ist das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. In den kommenden zehn Jahren sollen rund 10,2 Millionen Euro in den Erhalt und die Weiterentwicklung einer der artenreichsten Landschaften Mitteldeutschlands investiert werden.

Foto: Johannes Schneider

Im Beisein der Parlamentarischen Staatssekretärin Bettina Hagedorn ist das Na-turschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ heute offiziell in seine Umset-zungsphase gestartet. In den kommenden neun Jahren werden umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um die „Thüringer Kuppenrhön“ als eine der arten-reichsten Landschaften Mitteldeutschlands dauerhaft zu erhalten und weiter-zuentwickeln.

Zur feierlichen Auftaktveranstaltung an der Gedenkstätte Point Alpha kamen rund 75 Vertre-terinnen und Vertreter des Bundes, des Landes, aus Fachbehörden, Region und Naturschutz zusammen. Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Karin Arndt, Umweltstaatssekre-tärin in Thüringen, sowie Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, hoben in ihren Grußworten die große Relevanz des Projekts für die Region hervor.

Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn: „Dieses Projekt sichert nicht nur wert-volle Lebensräume für viele seltene Tiere und Pflanzen, sondern es leistet damit auch einen wichtigen Beitrag, die typische Landschaft der Kuppenrhön zu erhalten. Die Maßnahmen an Quellen, Bächen und Mooren sowie die Entwicklung von naturnahen Wäldern stabilisieren zudem den Landschaftswasserhaushalt und sind eine wichtige Anpassung an den Klimawan-del, was angesichts dieser heißen Sommertage nochmal deutlicher wird. So trägt dieses Pro-jekt auch dazu bei, die Lebensrundlage für die regionale Bevölkerung und damit die Basis für die Erholung und einen naturverträglichen Tourismus in der Thüringer Kuppenrhön zu erhal-ten und zu verbessern.“

BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm: „Die Thüringer Kuppenrhön ist Teil des Grünen Bandes am ehemaligen Grenzstreifen. Die Wiesen und Weiden der Kuppenrhön sind wichtige Refugi-en für seltene Arten. Mit dem Naturschutzprojekt Thüringer Kuppenrhön wollen wir in enger Abstimmung mit den Bewirtschaftenden zukunftsfähige Nutzungskonzepte erarbeiten und dauerhaft etablieren. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt schützenswerter Le-bensräume und stärken zugleich den einzigartigen Biotopverbund des Grünen Bandes nach-haltig.“ 

Umweltminister Tilo Kummer (vor Ort vertreten durch Umweltstaatssekretärin Ka-rin?Arndt):

"Die Kuppenrhön ist eine besonders wertvolle Kulturlandschaft, nicht nur für Thüringen. Der Wechsel von Wald und Offenland ist die Grundlage für die regional verankerte vielfältige Forst- und Landwirtschaft und schafft außergewöhnliche Lebensräume. Hier schützen wir zahlreiche bedrohte Arten wie die Sumpfspitzmaus, die Kreuzkröte, das Braunkehlchen und die Wiesenpieper. Diese einzigartige Natur zu erhalten, ist unsere gemeinsame Verantwor-tung. Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt dank der kombinierten Bundes- und Landesför-derung nun starten kann und damit auch die weitere naturverträgliche Bewirtschaftung der Kuppenrhön unterstützt wird."

Struktur- und Artenvielfalt der Region bewahren und fördern

Zentrale Ziele des Projekts sind die Wiederherstellung und Vernetzung wertvoller Lebens-räume, der Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie die Förderung einer zukunftsfä-higen und naturnahen Bewirtschaftung.

Beim anschließenden Spaziergang auf dem „Weg der Hoffnung“ entlang des Grünen Bandes ordnete auch Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, die Bedeu-tung des Projekts ein: „Vom Todesstreifen zum Grünen Band – diesem einmaligen Wandel der Natur und der Entwicklung zu einem Ort der Begegnung und Erinnerungskultur widmet sich die Heinz Sielmann Stiftung seit ihrer Gründung. Das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ leistet hierzu einen bedeutenden Beitrag und steht beispielhaft für den Ansatz, Naturschutz gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten.“

Erik Thürmer, Vorstandsvorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Rhön e.V. fügte hinzu: „Nach den erfolgreichen „Thüringer Rhönhutungen“ ist dies bereits das zweite Naturschutzgroßprojekt im Thüringer Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Das unter-streicht den besonderen ökologischen Wert dieser Region, die neben der Heimat für die Men-schen auch Lebensräume für viele andernorts bereits selten gewordene Arten bietet.“

Projekt setzt auf enge regionale Zusammenarbeit

Projektleiterin Corinna Hoßfeld betonte: „Für die Zukunft der Thüringer Kuppenrhön wird es darauf ankommen, Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung gemeinsam weiterzuentwi-ckeln. Daher möchten wir mit allen beteiligten Akteuren – von landwirtschaftlichen Betrieben und Flächeneigentümern über Forstbetriebe und die Jägerschaft bis hin zu Kommunen und Naturschutzverbänden –wichtige Impulse setzen und einen Beitrag zur langfristigen Entwick-lung der Region leisten.“

Welche konkreten Maßnahmen im Rahmen des Projekts umgesetzt werden, stellte Hoßfeld anschließend genauer vor. Geplant sind unter anderem die Entbuschung brachgefallener Magerrasen und Wacholderheiden, die Förderung artenreicher Wiesen und Weiden durch angepasste Nutzung sowie die Anlage von Feuchtmulden und Kleingewässern zur Stärkung von Wiesenbrütern und Amphibien. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Vernetzung einzelner Lebensräume.

Ausgangslage

Das Naturschutzgroßprojekt wurde im Juni 2020 initiiert, um Flächen unter naturschutzfach-lichen Gesichtspunkten im Sinne einer nachhaltigen Landnutzung zu entwickeln und langfris-tig zu sichern. Das rund 3.240 Hektar große Fördergebiet liegt im Südwesten Thüringens im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen, inmitten des UNESCO Biosphärenreserva-tes Rhön.

Die Maßnahmen basieren auf einem Pflege- und Entwicklungsplan, der in der ersten Pro-jektphase unter breiter Beteiligung regionaler Akteure erarbeitet wurde. Nach Bewilligung der Umsetzungsphase Ende 2025 konnte Anfang 2026 ein erweitertes Team die Arbeit be-ginnen.

Im Fokus stehen die Wiederherstellung und Vernetzung bedeutender Lebensräume, der Schutz bedrohter Arten sowie die Förderung einer nachhaltigen und naturverträglichen Landnutzung. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt auf freiwilliger Basis in enger Kooperation mit regionalen Akteuren und Interessensgruppen, insbesondere mit Bewirtschaftenden, Flä-cheneigentümerinnen und -eigentümern sowie weiteren Partnerinnen und Partnern vor Ort.

Finanzierung und Partner

Das Umsetzungsprojekt ist auf eine Laufzeit von zehn Jahren und ein Gesamtvolumen von rund 10,2 Millionen Euro angelegt. Es ist Teil des Förderprogramms „chance.natur – Bundes-förderung Naturschutz“, mit dem der Bund Projekte von nationaler Bedeutung unterstützt. Die Finanzierung erfolgt zu 75 Prozent durch den Bund, zu 15 Prozent durch den Freistaat Thüringen und zu 10 Prozent durch den Projektträger. Träger-Gesellschafter der Natur-schutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ gGmbH sind die Heinz Sielmann Stiftung und der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e.V. Die Träger-Gesellschafter leisten den Ei-genanteil. Der Eigenanteil des Landschaftspflegeverbandes wird dabei zum Teil durch Mittel der Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis sowie der Stiftung Naturschutz Thüringen kofinanziert.

Wichtige Umsetzungspartner vor Ort sind neben den Landnutzern u. a. die Thüringer Verwal-tung des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön, die Stiftung Naturschutz Thüringen, Thürin-gen-Forst AöR sowie die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis.

Mehr Informationen zum Projekt sind hier abrufbar: www.ngp-kuppenrhoen.de

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministe-riums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.