Im Mittelpunkt steht Arnold, grandios verkörpert von Michael Quast. Der wohlhabende Bürger verfolgt einen ebenso absurden wie gefährlichen Plan: Er möchte sich die perfekte Ehefrau selbst erziehen. Agnes wächst deshalb bewusst abgeschottet von Bildung und äußeren Einflüssen auf, damit sie ihrem zukünftigen Ehemann niemals überlegen sein kann. Doch Molière wäre nicht Molière, wenn dieser Plan nicht gehörig aus dem Ruder laufen würde.
Als Horazius auftaucht und sich in Agnes verliebt, beginnt für Arnold eine Reise durch Eifersucht, Kontrollverlust und Selbstüberschätzung. Ausgerechnet die vermeintlich unwissende Agnes beweist dabei Klugheit, Witz und Eigenständigkeit – und führt ihren selbsternannten Erzieher mehr und mehr vor.
Gerade diese Umkehrung macht den Reiz der Komödie aus. Hinter den pointierten Dialogen und zahlreichen Lachern verbirgt sich eine scharfe Gesellschaftskritik, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Fragen nach Macht, Rollenbildern und dem Wunsch, andere Menschen kontrollieren zu wollen, wirken erstaunlich modern.
Einen wesentlichen Anteil daran hat die hessische Übersetzung von Wolfgang Deichsel. Sie nimmt dem Stoff nichts von seiner sprachlichen Eleganz, verleiht ihm aber gleichzeitig eine große Nähe zum Publikum. Die Mischung aus Dialekt und dem klassischen Versmaß entwickelt einen ganz eigenen Rhythmus, der den Humor zusätzlich verstärkt.
Allen voran trägt Michael Quast den Abend mit beeindruckender Spielfreude. Er schafft das Kunststück, Arnold gleichzeitig lächerlich, tragisch und menschlich erscheinen zu lassen. Seine präzise Komik lebt von perfektem Timing, feiner Mimik und einer großen Bühnenpräsenz. Immer wieder entstehen Situationen, in denen das Publikum herzhaft lacht, ohne dass die Figur zur bloßen Karikatur verkommt.
Das Ensemble des Frankfurter Barock am Main spielt mit sichtbarer Freude und großem Gespür für Tempo und Rhythmus. Regisseurin Sarah Groß setzt auf eine klare, schnörkellose Inszenierung, die ganz den Figuren und ihren pointierten Dialogen vertraut. Dadurch kann sich Molières Wortwitz ebenso entfalten wie die Dynamik zwischen den Charakteren.
So entwickelt sich „Die Schule der Frauen“ zu weit mehr als einer klassischen Komödie. Der Abend verbindet intelligente Unterhaltung mit feiner Ironie und zeigt eindrucksvoll, dass große Literatur keine sprachlichen Barrieren kennt. Im Gegenteil: Gerade die hessische Mundart verleiht dem Stück eine zusätzliche Wärme und Bodenständigkeit.
Der lang anhaltende Applaus im Schlosshof zeigte schließlich, dass diese Mischung beim Publikum bestens ankam. Molière auf Hessisch funktioniert – und zwar ausgesprochen gut.
