Nach dem feierlichen Auftakt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche, gestaltet von Dr. Roth, fanden sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Angehörigen ein letztes Mal für ihre Schullaufbahn in der festlich geschmückten Turnhallen-Aula ein, um die Abiturzeugnisse entgegenzunehmen und im Anschluss auf ihre erreichten Erfolge anzustoßen. Doch es wurden nicht nur die Zeugnisse übergeben, sondern auch herzliche Abschiedsworte und musikalische Beiträge des Blasorchesters, unter der Leitung von Corina Müller-Mohr, zur Feier des Tages zum Besten gegeben.
Nach der musikalischen Eröffnung mit dem Stück „Partricles“ begrüßte Schulleiter Dr. Ulf Brüdigam die Anwesenden mit seiner Rede, die die Abiturientinnen und Abiturienten zunächst an ihre ersten Tage an der Freiherr-vom-Stein-Schule erinnern sollte, in denen sie mit einem Brief an ihr späteres Ich eine Erinnerung geschaffen hatten, die es nun zu öffnen galt. Die damals sicherlich noch vagen Vorstellungen der eigenen Zukunft, die Träume und Wünsche des eigenen Ichs noch einmal anzusehen und mit dem, was nun ist, zu vergleichen, bot einen schönen Anlass, um sich erneut Gedanken über die nächsten Jahre zu machen.
Von da aus richtete er den Blick auf die Zukunft, die auf die jungen Erwachsenen nun mit ganz viel Freiheit, aber auch mit Ungewissheit und Hürden wartet, gestaltet zu werden. Mit der Referenz auf Saint-Exupery wollte er die Jugendlichen dazu aufmuntern, mutig voranzugehen und ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen – gerade dann, wenn die Welt herausfordernd und beängstigend wirkt. Mit einem Exkurs auf sein eigenes Abitur, das nunmehr 40 Jahre zurückliegt, bestärkte er die Anwesenden darin, sich selbst zu ermächtigen und optimistisch voranzuschreiten, auch wenn vieles bereits festgelegt erscheint. Er selbst hat gelernt, dass Zukunft nicht einfach geschieht, sondern selbst gemacht wird. Auch kann er selbst bezeugen, „wie sich dadurch ein ganzes Land veränderte.“
Zur Feier des Tages gab es zudem weitere Grußworte des Schulelternbeirats und der Schülervertretung. Neben vielen Dankesworten an die Lehrerschaft wählte Rochus Wolff als Vertreter des Schulelternbeirats passend zum Motto der Verabschiedung ein weiteres französisches Zitat von Jacques Maritain, um den Geist der Stunde einzufangen. Mit den Worten „L’esprit dur et le coeur doux“, auf die er in den Tagebüchern Sophie Scholls gestoßen war, beschrieb er das Ideal eines „strengen Geistes und eines weichen Herzens“: Disziplin, Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich nicht mit einfachen Antworten zufriedenzugeben, sollten mit Offenheit, Empathie und Neugier auf das Fremde verbunden werden. Die Schülersprecherin Mathilda Mehlhorn hingegen griff auf humorvolle Art und Weise das Abi-Motto des Jahrgangs „Abi-Kropolis – Die Götter verlassen den Olymp“ auf und beglückwünschte die Abiturientinnen und Abiturienten, die stolz auf ihren persönlichen Weg sein sollten.
Die Tutorinnen und Tutoren verliehen dem feierlichen Moment mit persönlichen Worten, Anekdoten und Glückwünschen eine besonders emotionale Note. Die Bandbreite der Beiträge reichte von inspirierenden Zitaten über humorvolle Anekdoten bis hin zu sehr persönlichen Rückblicken. Auch Zitate, die als Kursmotto dienten und ermutigen sollten, wurden zum Besten gegeben. Unter anderem folgende Worte, die auf Marie Curie zurück gehen „Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss es nur verstehen. Jetzt ist die Zeit, mehr zu verstehen, damit wir weniger fürchten“, und als Leitgedanke des Chemie Leistungskurses von Frau Heinz die letzten beiden Schuljahre begleitet haben. Oder auch eine kleine Giraffe, welche metaphorisch die „Evolution“ der Schülerinnen und Schüler über die letzten beiden Jahre hinweg versinnbildlichte. Ebenso wurde noch der pädagogische Zeigefinger in Form eines Feedback-Burgers als kleiner „Bildungssnack“ erhoben und den Schülern mit auf den Weg gegeben. Die Vielfalt der Reden machte allen Anwesenden deutlich: Das war ein besonderer Jahrgang, der allen in guter Erinnerung bleiben wird.
Passend dazu riefen die nun ehemaligen Schülerinnen und Schüler eine neue Tradition ins Leben, von der die Jahrgangssprecherinnen Patricia Wieters und Alessia Stehle berichteten. Ab sofort werden alle Jahrgänge eine Kachel mit ihrem Abitur-Motto für das Atrium gestalten und so ein kleines Stück Erinnerung in unserer Schule hinterlassen, wodurch eine „Hall of Memory“ entstehen soll. So können auch sie sich bei Besuchen an die einzigartige Schulzeit zurückerinnern, frei nach Goethe: „Verweile doch, du bist so schön“. Auch sie bedankten sich herzlich bei allen Lehrkräften, die ihnen vor allem Fähigkeiten vermittelt haben, mit denen sie nun die Möglichkeit haben, sich in der Welt zurechtzufinden. Abgerundet wurde die Feier mit weiteren musikalischen Beiträgen des Blasorchesters „Best of the West“ sowie „The Best of Journey“ und einem anschließenden Sektempfang, bei dem Eltern, Lehrkräfte und Gäste mit den Abiturientinnen und Abiturienten auf diesen Meilenstein anstoßen konnten. Die Schule verabschiedete einen starken, reflektierten und facettenreichen Jahrgang, der bestens darauf vorbereitet war, in die große Freiheit entlassen zu werden. Mit diesem Geist verabschiedete sich die Freiherr-vom-Stein-Schule von einem Jahrgang, der bereit ist, die eigene Zukunft selbst zu erschaffen.
