„Die letzten sechs Monate waren ziemlich anstrengend, mit der Wintervorbereitung und allem Drum und Dran“, erläutert Guri die Hintergründe zu seinem Ausscheiden: „Das hat Spuren hinterlassen, vor allem den Abstieg zu verhindern, war kräftezehrend.“ Rückblick: Als Aufsteiger konnten Guri und Co. erst am vorletzten Spieltag der KOL Mitte den Klassenerhalt fix machen, durch einen dramatischen 4:3-Heimerfolg nach 0:2-Rückstand gegen Edelzell/Engelhelms – eine Niederlage hätte den Klassenerhalt in schier aussichtslose Ferne rücken lassen. So aber konnten die Germanen den Klassenerhalt feiern und Guri kann sich darüber freuen, seinem Nachfolger Stefan Winter einen Kreisoberligisten zu übergeben.
Ohnehin blickt der scheidende sportliche Leiter auf eine bewegte Amtszeit mit vielen emotionalen Höhepunkten zurück: Im Winter 2023 kam Guri in verantwortlicher Position an den Gallasiniring, damals stand der FSV auf dem fünften Platz der A-Liga – mit zwölf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Mit Guri als sportlichem Leiter und Zejlko Karamatic auf der Trainerbank gelang jedoch die Aufholjagd inklusive der Teilnahme an den Aufstiegsspielen.
Für den ganz großen Wurf reichte es zwar nicht, doch Germania Fulda schrieb die nächste bemerkenswerte Geschichte: Nach einer 2:3-Niederlage gegen den TSV Weyhers und durch die Punkteteilung zwischen Schmalnau/Hettenhausen und dem TSV im ersten Spiel der Dreierrelegation hatten die Germanen bereits vor dem letzten Spiel in Schmalnau keine Chance mehr auf den Aufstieg. Weyhers hingegen war auf einen Fuldaer Sieg angewiesen – in einem Spiel, in dem es für Guri und Co. um nichts mehr ging. Doch die Germania zeigte Moral und drehte einen 0:2-Rückstand innerhalb von 25 Minuten in ein 3:2. Weyhers stieg auf, Germania blieb in der Liga – und doch lagen sich Spieler und Verantwortliche beider Teams nach dem Abpfiff in den Armen und feierten gemeinsam. „Da haben wir die Herzen gewonnen“, erinnert sich Guri gerne zurück und denkt darüber hinaus noch einen weiteren, besonderen Moment während seiner Amtszeit.
In der Aufstiegssaison der Germania 2024/25, als sich der FSV in der Relegation gegen Bimbach und Motten durchsetzte, stand das Team in der Endphase der Saison plötzlich ohne Torwart da: Die etatmäßige Nummer eins Deni Stojkov meldete sich kurz vor dem Abschlusstraining am Freitagabend vor dem Spitzenspiel gegen Tabellenführer Haimbach ab. Guri musste improvisieren und griff zum Telefonhörer: Der Anruf ging ins über 4000 Kilometer entfernte Jordanien. „Wir hatten Deni Stojkov ja im Winter erst geholt, als Ersatz für Awawdeh Abdallah, der in seine Heimat zurückgekehrt ist. Ich habe Abdallah dann angerufen und gesagt, dass ich ihn brauche und ob er mir helfen kann“, berichtet Guri: Er sagte dann ‚Mein Freund, warte fünf Minuten, ich rufe dich gleich zurück.‘ Er rief zurück und hatte bereits das Ticket über die Türkei nach Frankfurt gebucht. Am Samstagabend ist er gelandet und stand am Sonntagnachmittag gegen Haimbach im Tor.“ Eigentlich, so Guri, sollte Abdallah nur für die Topspiele wie gegen Haimbach oder Niesig den Kasten hüten, der Schlussmann entschied sich jedoch zum Verbleib bis Saisonende – und konnte gemeinsam mit Guri und Co. in der Relegation den lange ersehnten Aufstieg in die Kreisoberliga feiern.
Nach einer langen Spielzeit inklusive des Klassenerhalts auf den letzten Metern entschied sich Guri im Sommer nun dazu, sein Amt niederzulegen – nicht ohne jedoch vorher sein hervorragendes Netzwerk zu nutzen und den Umbruch bei der Germania zu moderieren: Zahlreiche Neuzugänge schlossen sich dem FSV bereits an, vor allem jüngere Spieler, die den Verein in eine rosige Zukunft führen sollen. „Irgendwann sind die Akkus einfach leer“, sagt Leutrim Guri abschließend: „Es ist ein guter Zeitpunkt, das Kapitel zu beenden. Ich freue mich jetzt erst einmal auf den Urlaub mit der Familie, ohne den Stress einer Vorbereitungsplanung. Anschließend werde ich pausieren und danach mal schauen, ob sich was entwickelt oder nicht – das muss auch nicht unbedingt sein. Bei Germania war es eine Herzensangelegenheit. Unter Eberhard Strott habe ich das Fußballspielen begonnen und ich wollte dem Verein etwas zurückgeben. Jetzt habe ich den Umbruch eingeleitet, und hoffe, dass der Verein das hinbekommt. Abschließend kann ich mich nur nochmal bei allen Weggefährten und Sponsoren bedanken, die von dem Projekt überzeugt waren und mich begleitet haben.“
