Diesmal betroffen war die Toilettenanlage am kleinen Kesselhaus direkt neben der Europabrücke. Als die Mitarbeiter des Wirtschaftshofs den Schaden begutachteten, bot sich ihnen ein erschütterndes Bild. „Es sah aus, als wäre eine Bombe explodiert. Die gesamte Keramik wurde mit brachialer Gewalt kaputtgeschlagen, Lampen von der Decke gerissen und Heizöfen sowie Seifenspender von der Wand getreten“, beschreibt Wirtschaftshofleiter Daniel Otterbein das Ausmaß der Zerstörung.
„Das ist einfach blinde Zerstörungswut“, sagt Bürgermeister Peter Klug mit Blick auf den völlig verwüsteten Raum. Der reine Materialschaden wird auf 3000 bis 5000 Euro geschätzt. „Wenn eine Fachfirma die Schäden beseitigt, sprechen wir von 20.000 bis 30.000 Euro“, so Klug.
Der Vorfall reiht sich in eine ganze Serie schwerer Sachbeschädigungen ein. Bereits im vergangenen Jahr war versucht worden, den Milchpavillon in Brand zu setzen, zudem wurde die Toilettenanlage Ziel eines Brandanschlags. Seit etwa zwei Monaten häufen sich die Vorfälle erneut. „Es wird immer schlimmer“, sagt Klug. „Es kostet uns unnötig Geld, Zeit und Anstrengung. Wir sind mit einer Sache fertig und fangen schon wieder von vorne an.“
Die aktuelle Zerstörung ist dabei nur der jüngste Höhepunkt. In der Müser Straße wurden Seitenwände einer Bushaltestelle herausgetreten, in der Brückenstraße eine schwere Ruhebank über das Geländer in den Fluss geworfen und zerstört. Im Kurpark beschädigten Unbekannte Mülleimer, schlugen an einem geschnitzten Löwenkopf mehrfach die Zähne heraus, rissen frisch gepflanzte Blumen aus den Beeten und warfen Figuren des Outdoor-Schachfeldes in den Fluss. Diese mussten auf einer Strecke von rund zwei Kilometern wieder eingesammelt werden. Auch Plakatständer mit Veranstaltungshinweisen landeten mehrfach im Wasser.
„Wir sind dafür da, den Ort für alle Bürger in Ordnung zu halten“, sagt Otterbein. Stattdessen müssten die Mitarbeiter des Wirtschaftshofs ihre Zeit immer wieder mit der Beseitigung mutwilliger Schäden verbringen.
Auch Kurdirektorin Wenke Selke zeigt sich tief betroffen. „Es ist erschreckend, mit welcher Gewalt hier unsere Infrastruktur zerstört wird, die wir ja vorrangig für den Kur- und Tourismusbereich vorhalten. Unsere Mitarbeiter versuchen das ganze Jahr über, unseren schönen Kurpark und die darin befindlichen Gebäude sauber und ordentlich zu halten, um unseren Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen.“
Die Gemeinde hat auf die Entwicklung bereits reagiert. Nachdem auch die neu errichtete Toilettenanlage in der Wandelhalle kurz nach ihrer Eröffnung beschädigt worden war – unter anderem durch herausgerissene Halterungen und in Brand gesetztes Toilettenpapier –, wurden dort nach einer erfolgreichen Spendenaktion fünf Überwachungskameras installiert. Seit rund einem Vierteljahr steht die Wandelhalle unter umfassender Videoüberwachung.
Klug macht deutlich, dass mit den Zerstörungen Einrichtungen betroffen sind, die allen Bürgern und Gästen zugutekommen. „Wenn so etwas kurz vor einer Veranstaltung passiert, können wir unsere Gäste nicht einmal mehr auf die Toilette schicken“, sagt der Bürgermeister. Deshalb appelliert er an die Bevölkerung: „Ich hoffe, dass die Menschen genauer hinschauen und sich trauen, die Polizei oder uns zu informieren. Man muss sich nicht selbst in Gefahr bringen, aber Hinweise helfen uns.“
Auch Selke hofft auf eine schnelle Aufklärung. „Wir können nur hoffen, dass die Vorfälle weniger beziehungsweise aufgeklärt werden, wie es bei den Brandanschlägen der Fall war. Denn hier konnten die Täter ermittelt werden.“
Den Blick nach vorne richtet Klug dennoch optimistisch: „Wir hoffen, dass wir das wieder in den Griff bekommen und wieder Ruhe einkehrt.“
