Lokales VB 26.07.2026

Hinter den Kulissen des Landratsamtes: Wauschkuhn gibt Einblicke

Lauterbach (pm/sim) – Wenn auf einer Baustelle plötzlich neue Herausforderungen auftauchen, sind Erfahrung, Kommunikation und kreative Lösungen gefragt. Claudia Wauschkuhn kennt solche Situationen genau. Die Bauingenieurin aus dem Amt für Hochbau, Energie und Gebäudewirtschaft des Vogelsbergkreises betreut die Schulbauprojekte in Grebenhain und Schotten und sorgt dafür, dass aus Plänen am Ende funktionierende Gebäude werden.

Ein prüfender Blick zu Decke und Wand: Am Telefon bespricht Bauingenieurin Claudia Wauschkuhn mit dem Trockenbauer, wo die geforderte Trennwand eingezogen werden kann. Foto: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Ein Beispiel dafür liefert die Gesamtschule in Grebenhain: Bei einer Begehung mit einem Fachbüro für Brandschutz wird das Treppenhaus zum Knackpunkt. Es müsse abgetrennt werden, fordert der Experte. „Das wissen wir“, sagt Wauschkuhn, „aber doch nicht in diesem Bauabschnitt, das ist doch zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.“ Nach Gesprächen, Telefonaten und gemeinsamen Überlegungen ist schließlich eine Lösung gefunden: Im Erdgeschoss wird eine Wand als Abtrennung zum Treppenhaus eingezogen.

Für Claudia Wauschkuhn gehört genau diese Zusammenarbeit zum Alltag. Gemeinsam mit mehr als einem Dutzend Kollegen aus dem technischen Bereich des Amtes ist sie regelmäßig auf Baustellen unterwegs, spricht mit Architekten, Sachverständigen, Planern und Baufirmen. „Auf der Baustelle entstehen oft die besten Lösungen im direkten Austausch“, zeigt das Beispiel Grebenhain.

Zunächst scheint die Forderung des Brandschutzexperten eindeutig: „Das Loch im Treppenhaus muss zu.“ Der bisherige Durchgang hatte während der Bauphase als Flucht- und Rettungsweg gedient, nun muss er geschlossen werden. Nach einem prüfenden Blick auf die Gegebenheiten findet Wauschkuhn gemeinsam mit den Beteiligten eine praktikable Lösung. „Wir haben hier tragende Bauteile, hier können wir anschließen“, erklärt sie.

Mit der Änderung muss allerdings auch der Flucht- und Rettungsplan angepasst werden. „Man muss das mit den Schülern üben, das ist mit der Schule noch nicht kommuniziert worden“, erklärt die Bauingenieurin und nimmt kurzerhand Kontakt zur Schulleitung auf. Gemeinsam mit der Feuerwehr soll die neue Situation in der letzten Ferienwoche vor Ort besprochen werden.

Auch weitere Details müssen geklärt werden: Können vorhandene Leitungen angepasst werden? Reicht die Höhe unter dem Treppenpodest aus? Wo muss nachgebessert werden? „Wir machen hier keinen Schnellschuss, das rächt sich später“, sagt Wauschkuhn. Während sie die mögliche neue Wegeführung für die Schülerinnen und Schüler gedanklich durchgeht, entsteht eine weitere Idee: Die Wand könnte nicht direkt im Treppenhaus, sondern weiter im Flur errichtet werden. Der Vorschlag findet Zustimmung.

Kaum ist eine Lösung gefunden, geht es an die Umsetzung. Elektropläne müssen angepasst, Leitungen verlegt und ein Trockenbauer beauftragt werden. „Ja, die Wand muss hochfeuerhemmend sein, F 60, da muss noch ein Blech rein“, erklärt Wauschkuhn beim Telefonat mit dem Handwerker.

Die Beteiligten verabreden weitere Termine. Neben dem Amt für Hochbau, Energie und Gebäudewirtschaft sind der Trockenbauer, der Elektroplaner, die Elektrofirma sowie der Brandschutz des Amtes für Gefahrenabwehr eingebunden. Danach kann die Umsetzung beginnen.

„Wir wussten, dass das Treppenhaus irgendwann abgetrennt werden muss, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Das hat uns überrascht“, blickt Wauschkuhn zurück. Situationen wie diese erlebt sie regelmäßig auf den Baustellen. „Da muss man auch mal um die Ecke denken“, sagt die Ingenieurin mit einem Lächeln.

Seit dem Jahr 2000 arbeitet Wauschkuhn beim Vogelsbergkreis. Zunächst war sie in der Bauaufsicht tätig, bevor sie fünf Jahre später in das Amt für Hochbau wechselte. Heute begleitet sie die Schulbauprojekte in Schotten und Grebenhain. An zwei Tagen pro Woche ist sie vor Ort, prüft den Baufortschritt, klärt Fragen und stimmt sich mit Handwerkern und Planern ab.

Denn am Ende geht es nicht nur um Wände, Leitungen oder Brandschutzvorgaben – sondern darum, dass Schulen sichere und funktionierende Orte für Schülerinnen und Schüler bleiben.