Lokales FD 04.07.2026

Generationswechsel in Zentraler Notaufnahme – „Ich habe fertig!“

Fulda – Von Janosch Hensel – Nach mehr als 25 Jahren am Klinikum Fulda hat Dittmar Happel die administrative Leitung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in neue Hände gelegt. Im Rahmen einer emotionalen Feierstunde wurde der langjährige Notfallmanager verabschiedet und sein bisheriger Stellvertreter Tim Muth offiziell als Nachfolger vorgestellt. Zahlreiche Wegbegleiter, Kolleginnen und Kollegen, Vertreter aus Rettungsdienst, Politik und Gesundheitswesen sowie Familienangehörige begleiteten den Generationenwechsel – einen Moment, den Klinikvorstand und Gäste gleichermaßen als Ende einer Ära und Beginn eines neuen Kapitels bezeichneten.

Foto: Janosch Hensel

Dass Dittmar Happel der Abschied nicht leichtfiel, war während der gesamten Veranstaltung spürbar. Als der langjährige administrative Leiter der ZNA am Ende seiner Rede seine Frau ansah und sagte: „Ich liebe dich“, wurde es still im Saal. Wenige Augenblicke später richtete Happel noch einen abschließenden Appell an alle Anwesenden: „Es ist immer noch ein tolles Land, es ist eine tolle Stadt und es ist ein ganz tolles Klinikum. Das sollte man den Leuten sagen – einfach die Ärmel hochkrempeln und machen!“

Zahlreiche Wegbegleiter, Kolleginnen und Kollegen, Vertreter aus Rettungsdienst, Politik und Gesundheitswesen sowie Familienangehörige waren gekommen, um Happel zu verabschieden und gleichzeitig dessen Nachfolger Tim Muth willkommen zu heißen. Seit 2001 hatte der gelernte Krankenpfleger die Entwicklung der Notaufnahme maßgeblich mitgeprägt. Seine Laufbahn im Notfallbereich begann allerdings schon Mitte der 1980er-Jahre im Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt sowie später am Klinikum Offenbach. Dort sammelte er umfassende Erfahrungen in der interdisziplinären Notfallversorgung, bevor er am 1. April 2001 nach Fulda wechselte. Zunächst war Happel stellvertretender Bereichsleiter der damaligen Notaufnahme, später kommissarischer Leiter und schließlich seit 2016 ZNA-Manager. In den folgenden Jahren trieb er unter anderem die Einführung der Manchester-Triage, den Aufbau der Notfallkoordination sowie die Professionalisierung der Zentralen Notaufnahme entscheidend voran. Gemeinsam mit der ärztlichen Direktorin Sabrina Sauthoff führte er die ZNA seit 2021 in einer administrativ-ärztlichen Doppelspitze. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich die Fuldaer Notaufnahme zu einer überregional anerkannten Einrichtung, die heute rund 60.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr versorgt, von denen etwa 50.000 ambulant behandelt werden.

Für Tim Muth markierte die Feierstunde zugleich den Beginn eines neuen beruflichen Kapitels. Zwar hatte er die administrative Leitung bereits zum Jahresbeginn übernommen, in den vergangenen Monaten arbeitete er jedoch eng an der Seite seines Vorgängers. Der Gesundheits- und Krankenpfleger begann seine berufliche Laufbahn im Main-Kinzig-Klinikum Gelnhausen und wechselte 2010 an das Klinikum Fulda. Es folgten zahlreiche Fachweiterbildungen in den Bereichen Intensiv- und Notfallpflege sowie Emergency Management. Seit 2021 war Muth stellvertretender administrativer Leiter der Zentralen Notaufnahme. Den Übergang gestalteten Happel und Muth seit Januar gemeinsam, bevor der Wechsel Anfang Juli offiziell vollzogen wurde.

„Ich habe Dittmar über die Schulter geschaut und unglaublich viel von ihm gelernt“, sagte Muth, denn: Erfahrung könne niemand von heute auf morgen sammeln. „Man übernimmt Verantwortung, aber die Erfahrung sammelt man einfach mit der Zeit.“ Deshalb sei er dankbar für die intensive Einarbeitung. „Egal, welche Frage ich hatte oder vor welcher Herausforderung ich stand – ich konnte jederzeit auf dich zukommen. Das ist keineswegs selbstverständlich.“ Dabei machte Muth deutlich, dass er die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortsetzen, gleichzeitig aber auch eigene Akzente setzen möchte. „Ich werde sicherlich nicht alles genauso machen wie du, Dittmar. Aber ich möchte das, was du aufgebaut hast, mit großem Respekt weiterführen und gemeinsam mit unserem Team Lösungen entwickeln.“ Besonders freue er sich dabei auf die Zusammenarbeit mit Sabrina Sauthoff. „Mit ihrer fachlichen Kompetenz, ihrer Erfahrung und ihrer ruhigen Art bin ich überzeugt, dass wir die Herausforderungen der kommenden Jahre gemeinsam meistern werden.“

Vorstandsvorsitzender Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel spannte zuvor den Bogen über Happels beeindruckende Laufbahn. Er erinnerte an dessen Anfänge im Klinikum Fulda, die Einführung moderner Strukturen in der Notfallversorgung und den bundesweiten Ruf der Fuldaer Zentralen Notaufnahme. „Mit Ihrem Ausscheiden endet im Klinikum Fulda eine Ära“, betonte Menzel. „Sie haben unsere Zentrale Notaufnahme nicht nur mit hoher fachlicher Kompetenz, sondern auch mit einem großen Herzen, viel persönlichem Engagement und einem offenen Ohr für die Mitarbeitenden geprägt.“ Gerade die von Happel vorangetriebene interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Pflege und Ärzteschaft sei bis heute ein Erfolgsmodell. Darüber hinaus engagierte sich Happel über viele Jahre als Sprecher des Bereichs Krankenpflege in der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) und machte die Fuldaer Zentrale Notaufnahme damit weit über die Region hinaus bekannt.

Gleichzeitig blickte Menzel nach vorne. Mit Tim Muth übernehme ein erfahrener Nachfolger aus den eigenen Reihen die Verantwortung. Gemeinsam mit der ärztlichen Direktorin Sabrina Sauthoff werde er die bewährte Doppelspitze der Zentralen Notaufnahme fortführen. Vor der Notaufnahme lägen große Herausforderungen – von steigenden Patientenzahlen über die Krankenhausreform bis hin zur Digitalisierung. Mit Projekten wie „ZNA 3.0“, dem datenbasierten Einsatz künstlicher Intelligenz sowie einer verbesserten Patientensteuerung und einem optimierten Wartezeitenmanagement wolle das Klinikum die Notfallversorgung in den kommenden Jahren weiterentwickeln.

Besonders persönlich wurde es, als Sabrina Sauthoff das Wort ergriff. Die ärztliche Direktorin erinnerte an viele gemeinsame Jahre, in denen beide die Notaufnahme gemeinsam geführt und zahlreiche Veränderungen angestoßen hatten. „Heute geht eine Ära zu Ende“, sagte sie sichtlich emotional. „Ich möchte dir von ganzem Herzen danken – für alle Gespräche, für alle Ratschläge, für deine Geduld und die ständige Bestätigung, dass du an mich glaubst.“ Die Zusammenarbeit mit Happel werde ihr fehlen. Gleichzeitig sei sie überzeugt, dass sein Nachfolger die richtigen Voraussetzungen mitbringe. An Muth gerichtet betonte sie: „Du trittst in große Fußstapfen. Du wirst einiges anders machen und einiges anders denken – und das ist auch gut so. Ich freue mich darauf, die Notaufnahme künftig gemeinsam mit dir zu leiten.“ Mit einem Augenzwinkern verglich sie Happels Abschied schließlich mit der aktuellen Abschiedstour der Toten Hosen: „Ich bin mir sehr sicher, dass das hier nicht deine letzte Bühne gewesen ist.“

Für Auflockerung zwischen den emotionalen Redebeiträgen sorgte ein Programmpunkt, auf den weder Happel noch Muth vorbereitet waren – Menzel bat beide zu einem spontanen Interview nach vorne. Dabei ging es um Anekdoten aus dem Berufsalltag, persönliche Geschichten und eine kurzweilige Fragerunde mit 20 Fragen in 120 Sekunden. Als Happel die Aufgabe bekam, die Zentrale Notaufnahme in drei Worten zu beschreiben, musste er nicht lange überlegen: „Einfach nur fantastisch!“ Die lockere Gesprächsrunde sorgte immer wieder für Gelächter und zeigte die beiden Führungskräfte von ihrer persönlichen Seite.

Zum Abschluss gehörte die Bühne noch einmal Dittmar Happel. Er bedankte sich bei den Vorständen, Kolleginnen und Kollegen, den Rettungsdiensten, der Feuerwehr, der Polizei, zahlreichen Wegbegleitern sowie seiner Familie für die jahrzehntelange Unterstützung. Dabei blickte er auch selbstkritisch auf seine Zeit zurück. „Ich danke allen für ihre Geduld mit mir und auch für das eine oder andere Auge, das sie zugedrückt haben, wenn ich mal wieder verbal etwas über die Stränge geschlagen habe.“ Bevor das Buffet eröffnet wurde, setzte der langjährige Notfallmanager den Schlusspunkt unter seine Karriere. Mit einem Lächeln zitierte er den ehemaligen Fußballtrainer Giovanni Trapattoni und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich habe fertig!“ – dem war nichts mehr hinzuzufügen.

Verabschiedungs- und Einführungsfeier von Dittmar Happel und Tim Muth. Fotos: Janosch Hensel