Lokales MKK 30.07.2026

Ganz in schwarz: CSD Schlüchtern setzt Zeichen für Zusammenhalt

Schlüchtern (sim) – Schwarz statt Regenbogen: Beim zweiten Christopher Street Day (CSD) in Schlüchtern wollen die Organisatoren in diesem Jahr bewusst ein anderes Zeichen setzen. Unter dem Motto „Charakter, Stärke, Demokratie“ werden die Teilnehmer am Samstag überwiegend in schwarzer Kleidung durch die Stadt ziehen. Dabei soll die Farbe nicht für Trauer stehen, sondern für Haltung, Stärke und Zusammenhalt.

Organisator und Moderator Steve Euler. Fotos: Privat.

„Wir wollten uns von den vergangenen Jahren abheben und haben uns intensiv mit der Geschichte des CSD auseinandergesetzt“, sagt Organisator und Moderator Steve Euler. Schwarz habe innerhalb der queeren Bewegung eine besondere Bedeutung. Die Farbe stehe für die Menschen, die aufgrund von Diskriminierung, Gewalt oder Ausgrenzung verloren gegangen seien, aber gleichzeitig auch für Widerstand und Würde.

Der CSD Schlüchtern soll dabei nicht nur eine Veranstaltung für die queere Community sein. „Wir wollen alle benachteiligten Gruppen zusammenbringen – Frauen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationsgeschichte. Es geht darum zu zeigen, warum Zusammenhalt wichtig ist“, erklärt Euler. Entscheidend sei dabei nicht, dass alle Menschen die gleiche Meinung hätten. „Wir brauchen nicht die gleiche Meinung, aber wir brauchen Toleranz und Akzeptanz.“

Die Veranstalter wollen mit dem CSD einen Raum schaffen, in dem Begegnung möglich wird. Neben der Demonstration und der politischen Kundgebung auf dem Stadtplatz gibt es ein buntes Programm mit Musik, Kinderschminken und verschiedenen Aktionen. Auch zahlreiche Institutionen seien angesprochen worden, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Ein besonderes Projekt ist „Lass dein Herz nicht zu Stein werden“. Dabei können Besucherinnen und Besucher Steine bemalen, die anschließend in einer besonderen Aktion in dem ganzen Landkreis verteilt werden. Außerdem gehen die Einnahmen aus dem Kuchenbuffet an pro familia.

Hinter dem diesjährigen Konzept steht auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte der queeren Bewegung. Euler verweist dabei unter anderem auf die Verfolgung homosexueller Menschen während des Nationalsozialismus und den früheren Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern bis 1994 unter Strafe stellte. „Deutschland hat eine sehr unangenehme Vergangenheit. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, damit sich Geschichte nicht wiederholt“, sagt Euler.

Dass der CSD weiterhin notwendig sei, zeige die aktuelle gesellschaftliche Lage. „Wir sind in einer Gesellschaft angekommen, in der Menschen nicht mehr miteinander sprechen“, sagt Euler. Sichtbarkeit sei deshalb weiterhin wichtig. Er selbst lebe seit 20 Jahren in einer Beziehung und habe außerhalb eines CSD noch nie mit seinem Partner Händchen gehalten. „Ich möchte aber nicht vermitteln, dass jeder CSD eine gefährliche Veranstaltung ist. Es geht darum, dass Menschen frei und ohne Angst leben können.“

Auch der tödliche Angriff beim CSD in Berlin beschäftigt die Organisatoren. „Natürlich ist es traurig, dass sich die Presse erst nach diesem Anschlag stärker für uns interessiert“, sagt Euler. Der Angriff habe viele Menschen bewegt und die Sorgen innerhalb der Community verstärkt. Gleichzeitig wolle man den Blick nicht nur auf die Tat richten. Für Euler steht fest: „Es war ein Angriff auf die queere Community.“

Für die Veranstaltung in Schlüchtern wurde das Sicherheitskonzept überprüft. Nach Angaben der Stadt habe es nach dem Anschlag in Berlin noch einmal kleinere Anpassungen gegeben. „Wir stehen im engen Austausch mit der Polizei“, heißt es vonseiten der Stadt. Euler betont gleichzeitig, dass man sich nicht von Angst leiten lassen wolle. „Die 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber es wird alles dafür getan, dass die Veranstaltung geschützt ist.“

Kritik daran, dass öffentliche Mittel für Sicherheitsmaßnahmen bei Veranstaltungen eingesetzt werden, weist Euler zurück. „Karneval und Fußballspiele kosten ebenfalls Geld. Hier geht es um Sichtbarkeit und viel mehr. Man darf nicht davon ausgehen, dass jede Veranstaltung grundsätzlich gefährdet ist. Dennoch geht die Sicherheit aller Besucher vor.“

Auf dem Stadtplatz steht am Samstag eine politische Kundgebung im Mittelpunkt. Dabei wird unter anderem der Künstler MKSM auftreten. Gleichzeitig soll der Tag nicht ausschließlich von ernsten Themen geprägt sein. „Wir wollen die Menschen abholen und nicht den ganzen Tag Trübsal blasen“, sagt Euler. Die zentrale Botschaft des CSD bleibt für ihn klar: Menschenrechte und Würde gelten für alle. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber unsere Würde wird immer wieder angetastet. Es wäre schön, wenn dieser Satz irgendwann für alle Menschen Realität wäre.“

Programm CSD Schlüchtern

Die Demonstration startet am Samstag um 14 Uhr am Untertor und führt durch die Stadt zum Stadtplatz. Dort beginnt ab 14.30 Uhr die zentrale Kundgebung mit politischem Programm. Die Veranstalter laden alle Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung oder Identität – zur Teilnahme ein. Regenbogenakzente seien trotz des schwarzen Mottos ausdrücklich willkommen.