Lokales 31.07.2026

Fulda wird Teil eines internationalen Forschungsprojektes

Fulda (pm/jah) – Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars und das Institut Bibliotheca Fuldensis der Theologischen Fakultät Fulda beteiligen sich an einem internationalen Forschungsprojekt der Universitäten Tübingen und Liverpool. Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie dem britischen Arts and Humanities Research Council geförderten Vorhabens ist es, neue Erkenntnisse über die Wirtschafts- und Besitzstrukturen der karolingischen Reichsabtei Fulda und des italienischen Klosters Farfa zu gewinnen.

Foto: © Fulda, Public domain, via Wikimedia Commons

Dass Fulda als Forschungspartner ausgewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars und das Institut Bibliotheca Fuldensis beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Klosters Fulda und seiner schriftlichen Überlieferung. Historische Handschriften, alte Drucke, digitale Erschließungsprojekte und eine international anerkannte Forschungsbibliothek bilden gemeinsam eine Infrastruktur, die regelmäßig Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nach Fulda führt.

Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als wissenschaftliche Forschungsbibliothek etabliert. Neben der Bewahrung bedeutender historischer Bestände arbeitet sie eng mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen und erschließt historische Quellen systematisch für die Wissenschaft.

Eine besondere Rolle nimmt das Institut Bibliotheca Fuldensis ein. Seit mehr als 30 Jahren verfolgt es das Ziel, die im Dreißigjährigen Krieg zerstreute Bibliothek des Klosters Fulda virtuell wieder zusammenzuführen. Handschriften und Fragmente aus Bibliotheken in ganz Europa werden wissenschaftlich dokumentiert und – soweit möglich – digital zusammengeführt. So entstand eine virtuelle Rekonstruktion einer der bedeutendsten Klosterbibliotheken des Mittelalters, die heute als wichtiges Arbeitsinstrument der internationalen Mittelalterforschung gilt.

Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Expertise, einzigartigen Quellen und spezialisierten Sammlungen macht Fulda für das Forschungsteam der Universität Tübingen besonders interessant. Während viele Projekte zunächst geeignete Quellen erschließen müssen, können die Wissenschaftler hier auf eine über Jahrzehnte gewachsene Forschungsinfrastruktur zurückgreifen.

Im Mittelpunkt des Projekts steht erstmals ein systematischer Vergleich der Klöster Fulda und Farfa. Untersucht werden Besitzverwaltung, wirtschaftliches Handeln und die Organisation klösterlicher Herrschaft während der Karolingerzeit. Mithilfe digitaler Methoden und der Auswertung bislang nur schwer zugänglicher Quellen erhoffen sich die Forschenden neue Einblicke in die Entwicklung Europas im frühen Mittelalter.

Für die beiden Fuldaer Einrichtungen ist die Zusammenarbeit zugleich eine Bestätigung ihrer internationalen Bedeutung. Bibliotheksdirektorin Dr. Alessandra Sorbello Staub betont: „Die Kooperation mit der Universität Tübingen zeigt einmal mehr, dass die in Fulda über Jahrzehnte aufgebaute Expertise heute weit über die Region hinaus gefragt ist.“

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt sind auf den Internetseiten der Universität Tübingen und des Instituts Bibliotheca Fuldensis verfügbar.