„Wir haben in den vergangenen fast vier Jahren viel Herzblut, Energie und auch Geld investiert, um hier einen wirklich schönen Laden aufzubauen“, sagt Heybrock im Gespräch mit Osthessen-Zeitung. Die Entscheidung, den Zweiradbereich aufzugeben, sei ihm deshalb alles andere als leicht gefallen. Ausschlaggebend seien letztlich ausschließlich wirtschaftliche Gründe gewesen. Von Beginn an setzte die e-motion E-Bike Welt Fulda im klassischen Fahrradgeschäft bewusst auf Premiumhersteller wie Riese & Müller und Specialized. Viele Kunden hätten dieses Konzept ebenso wie den hohen Serviceanspruch zu schätzen gewusst. „Wir hatten treue Kunden, die genau das wertgeschätzt haben. Das freut uns sehr“, betont Heybrock. Dennoch habe sich das Modell unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben lassen.
Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung habe auch der Standort in der Christian-Wirth-Straße eine Rolle gespielt. Das Geschäft wenig befahrenen Sackgasse sei für viele potenzielle Kunden weniger präsent gewesen als ein Standort an einer stark frequentierten Straße oder Kreuzung in der Innenstadt. Hinzu komme, dass die Nachfrage nach hochwertigen Premiumrädern insgesamt zurückgegangen sei. Auch das Leasinggeschäft habe sich verändert. Viele Unternehmen verfügten derzeit nicht mehr über die finanzielle Stärke, ihre Mitarbeiter wie noch vor einigen Jahren mit Diensträdern auszustatten. „Wenn man sich bewusst gegen günstige Importware entscheidet und ausschließlich auf hochwertige Premiumräder setzt, trifft einen die aktuelle Entwicklung besonders stark“, erklärt Heybrock. Ein Geschäft lasse sich auf Dauer nur betreiben, wenn auch die wirtschaftliche Perspektive stimme. „Wenn diese Perspektive für ein reines Premiumkonzept nicht mehr gegeben ist, muss man die Situation kritisch bewerten und dann – wie jetzt hier bei uns – rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.“
Während der klassische Zweiradbereich endet, soll der Bereich Elektro-Dreiräder künftig noch stärker wachsen. Schon früh habe das Unternehmen in Fulda auf Therapieräder gesetzt und damit eine Marktlücke erkannt, denn gerade im Alter solle die Mobilität nicht enden. Das Angebot sei von Beginn an gut angenommen worden. Aufgrund der positiven Entwicklung eröffnete das Unternehmen nach kurzer Zeit sogar eine weitere Niederlassung in Kassel. Nun soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden. Neben den bestehenden Standorten in Fulda und in Nordhessen sind nach Angaben Heybrocks zwei weitere Verkaufsstandorte geplant. Auch die Werkstatt für Elektro-Dreiräder bleibt bestehen und soll künftig sogar erweitert werden. Für bestehende Kunden ändere sich nichts: Beratung, individuelle Terminvereinbarungen und Servicetermine werden nahtlos fortgeführt. Wichtig war Heybrock zudem, dass auch die bisherigen Zweiradkunden weiterhin gut betreut werden. Deshalb habe er frühzeitig nach einer Lösung für den Werkstattservice gesucht. Künftig übernimmt der A7 Bikestore mit seinen Standorten in Uttrichshausen und Fulda den Service für die Marken Riese & Müller und Specialized. Dort können Kunden künftig Inspektionen, Software-Updates, Reparaturen sowie Garantie- und Reklamationsfälle abwickeln. „Und das wird bereits jetzt sehr gut angenommen“, freut sich der Inhaber. Die bestehenden Herstellergarantien bleiben darüber hinaus bestehen.
Auch für die Mitarbeiter habe sich eine gute Lösung gefunden. Nach Angaben Heybrocks haben alle Beschäftigten neue Arbeitsplätze gefunden, einige werden zudem im Unternehmen weiterbeschäftigt: „Darüber freue ich mich besonders. Das Team hat unsere Philosophie immer mitgetragen und hervorragende Arbeit geleistet.“ Trotz des Endes des Zweiradverkaufs blickt der Unternehmer nicht mit Bitterkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Besonders die Reaktionen vieler Kunden hätten ihn bewegt: „Wir haben unglaublich viel Anerkennung und Verständnis erfahren. Viele Kunden haben sich ausdrücklich für das bedankt, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut und geleistet haben.“
