Der Vorsitzende Richter Dr. Jörg Weddig eröffnete gegen 9.45 Uhr die Hauptverhandlung. Anschließend verlas Staatsanwalt Kornelius Raab die Anklageschrift. Demnach soll der Angeklagte zwischen August 2021 und Oktober 2022 einen Schaden von rund 41.000 Euro verursacht haben. Mit einer selbst gegründeten GmbH im Heizungs- und Sanitärbereich soll er verschiedene Materialien bestellt haben, obwohl er von Anfang an nicht beabsichtigt habe, die Rechnungen zu bezahlen. Stattdessen soll er die Waren weiterverkauft haben, um sich kurzfristig Geld zu verschaffen.
Neben Wasserenthärtern im Wert von rund 6.000 Euro soll er unter anderem auch Rückspülfilter und 15 Paletten Holzpellets bestellt haben. Auf Nachfragen der betroffenen Firmen wegen ausstehender Zahlungen habe er sogar gefälschte Überweisungsbelege verschickt. Den Großteil der Ware habe er an einen Kollegen verkauft – allerdings für deutlich weniger als den ursprünglichen Einkaufspreis. Nach eigenen Angaben erhielt er dafür lediglich 20 bis 30 Prozent des Warenwertes. „Die Anklagepunkte stimmen zu 1000 Prozent, eins zu eins habe ich das so gemacht“, räumte der Angeklagte ein.
Der 33-Jährige berichtete, dass er sich 2016 selbstständig gemacht habe, jedoch kaum Aufträge erhalten habe. Freunde hätten ihm damals Drogen empfohlen und behauptet, dadurch werde er lockerer. Zunächst habe er wegen des Stresses zwei- bis dreimal pro Woche Cannabis konsumiert. Kurz vor der Geburt seiner Tochter habe er dann mit Kokain begonnen. „Ich habe vorher nie etwas mit Drogen zu tun gehabt“, sagte der Angeklagte. Unter Kokain sei sein Kopf klarer gewesen. „Man lebt halt einfach, man ist glücklich.“
In seinem Freundeskreis seien viele selbstständig gewesen und hätten teure Autos gefahren. Diesen Lebensstil habe er ebenfalls erreichen wollen. Nach eigener Aussage habe er damals monatlich zwischen 500 und 1.000 Euro verdient, von denen bereits 600 Euro für die Miete draufgegangen seien. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau und den beiden Kindern habe er in einer Wohnung gelebt. Seine Frau habe Bürgergeld bezogen. Wegen Mietrückständen sei die Familie aus der Wohnung ausgezogen. Auch seine Tochter habe zeitweise den Kindergarten wegen offener Beiträge nicht mehr besuchen können. Durch seinen Drogenkonsum sei das Geld zusätzlich immer knapper geworden, schilderte der Angeklagte.
Als ihm klar geworden sei, dass sein Leben völlig aus dem Ruder gelaufen war, habe er sich schließlich selbst den Behörden in Kassel gestellt und sei anschließend in Haft gekommen. „Von meinen Eltern habe ich mich nicht verabschiedet, das habe ich nicht übers Herz gebracht“, sagte der 33-Jährige. Während der Haft habe er seine Kinder nicht gesehen. Seine Ehefrau habe sich in dieser Zeit von ihm scheiden lassen.
Die Haft habe ihm die Augen geöffnet. „Ich habe gelernt zu sagen: ,Hey, ich brauche Hilfe‘“, erklärte der Angeklagte. Für die Zukunft wünsche er sich ein geregeltes Leben mit einer Festanstellung und hoffe darauf, seine Kinder wiederzusehen. „Ich schäme mich für meine Taten“, sagte er.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurden mehrere Zeugen gehört. Die Urteilsverkündung ist für Donnerstag angekündigt.
