Lokales 15.07.2026

Das verschwundene Dorf bei Kothen öffnet seine Tore

Kothen (st) – Was sonst hinter den Schranken des Truppenübungsplatzes Wildflecken verborgen bleibt, wird am Samstag, 18. Juli, für wenige Stunden zugänglich: Das ehemalige Rhöndorf Werberg in der Nähe von Kothen öffnet von 10 bis 14.30 Uhr seine Tore für Besucher. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist kostenlos. Voraussetzung für den Zutritt ist ein gültiger Personalausweis oder Reisepass. Um 11 Uhr wird zudem eine Führung angeboten, bei der die bewegte Geschichte des verschwundenen Dorfes im Mittelpunkt steht.

Fotos: privat.

Wo die Schranke des Truppenübungsplatzes Wildflecken normalerweise geschlossen bleibt, können Besucher an diesem Tag die Überreste des einstigen Rhöndorfs erkunden. „Der Friedhof sowie alle Gebäude wurden durch die US-Armee gesprengt und zerstört“, erzählt Organisator Thorsten Sturm. Der Friedhof und das Antonius-Häuschen seien inzwischen wieder hergerichtet worden, nachdem sie 1973 von den amerikanischen Truppen dem Erdboden gleichgemacht worden waren. Erhalten geblieben sei lediglich die Kapelle. Außerdem sind noch Teile des ehemaligen Schwimmbads, einige Hausruinen sowie die Reste der Burgruine Werberg zu erkennen. „Wir haben Schilder zu den ehemaligen Häusern, Gebäuden und Bewohnern aufgestellt. Bei einer kleinen Wanderung durch den Ort kann man an den jeweiligen Standorten die Schilder und die noch vorhandenen Überreste entdecken“, erklärt Sturm im Gespräch mit Osthessen-Zeitung.

Neben der Geschichte beeindrucke vor allem die Landschaft. „Es ist unberührte Natur auf dem Truppenübungsplatz – ein Ort, an den man sonst nicht kommt“, sagt der Organisator. Werberg soll erstmals im Jahr 1267 urkundlich erwähnt worden sein. Wildflecken und Oberbach entstanden dagegen erst im 16. Jahrhundert. Damit zählt Werberg zu den ältesten Dörfern der Rhön. Mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes im Jahr 1938 mussten 264 Bewohner ihre Heimat verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich Vertriebene erneut in Werberg an und bauten nach und nach die landwirtschaftlichen Betriebe wieder auf. Doch 1966 wurde die Ortschaft für den Übungsbetrieb endgültig geräumt.

Auch die Familie von Thorsten Sturm ist eng mit Werberg verbunden. „Meine Großeltern wurden nach dem Krieg dort angesiedelt und haben das Dorf mit seinen Feldern, Äckern und Wiesen wieder aufgebaut“, berichtet er. Seine Mutter sei in Werberg geboren und aufgewachsen, bevor die Familie den Ort erneut verlassen musste. Anschließend zog sie nach Kothen und führte dort die Gastwirtschaft „Zur Pilgerquelle“.

Seit 1966 findet das Werberger Treffen regelmäßig statt – sofern die Bundeswehr die Genehmigung erteilt. Diese muss jedes Jahr neu beantragt werden. „Normalerweise öffnen wir zum Werberger Treffen auch unser Heimatmuseum in Kothen“, erzählt Sturm. Dort sind zahlreiche Gegenstände, Exponate, Fotos und Videos aus Werberg zu sehen. In diesem Jahr bleibe das Museum jedoch geschlossen, weil es an Helfern fehle. Stattdessen verweist Sturm auf eine weitere Veranstaltung: „Am 26. September findet ein Treffen in der Werberger Stube statt, das vom Landkreis Bad Kissingen im Rahmen der Reihe ,1 Stunde Kultur' beworben wird.“

Die Zufahrt erfolgt über den Eingang „Truppenübungsplatz Süd“ an der Autobahnanschlussstelle Bad Brückenau/Volkers. An der Schranke werden Besucher kurz eingewiesen, außerdem werden die Anzahl der Besucher und die Autokennzeichen erfasst. Die Ausfahrt muss bis spätestens 15 Uhr erfolgen. Um 13 Uhr findet auf dem Friedhof eine Andacht statt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.