Gerade in einer Spitzenposition dürfe es nach Ansicht des CDU-Politikers keine unterschiedlichen Maßstäbe geben. Spahns Umgang mit der Leihmutterschaft sei „eine echte Zumutung“ und „hoch unglaubwürdig“ gewesen. Michael Brand kritisiert, Spahn habe aus seiner Sicht bewusst deutsches Recht umgangen, indem er mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater geworden sei.
Der CDU-Politiker verwies darauf, dass die Partei ihre ablehnende Haltung zur Leihmutterschaft erst kürzlich erneut bekräftigt habe. Ein CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 habe diese Position bestätigt. Auch Spahn sei bei diesem Parteitag anwesend gewesen. „Aber er hat geschwiegen, während zeitgleich das Kind schon von der Leihmutter ausgetragen wurde“, sagte Brand.
Die CDU lehne Leihmutterschaft unter anderem deshalb ab, weil sie erhebliche Risiken für die betroffenen Frauen berge, erklärte Brand. Leihmütter könnten unter Druck geraten oder wirtschaftlich ausgenutzt werden.
Die Angelegenheit sei deshalb aus Brands Sicht nicht ausschließlich privat zu betrachten. „Ein solches Verhalten ist mehr als problematisch, umso mehr in der Position als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU. Und das ist natürlich auch keine Privatsache mehr“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär.
Lamely fordert Mandatsverzicht und Aufarbeitung in der CDU
Der Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn ist nach Auffassung des Fuldaer AfD-Bundestagsabgeordneten Pierre Lamely die überfällige und einzig richtige Konsequenz, aber keineswegs das Ende der Angelegenheit.
Lamely fordert Spahn auf, auch sein Bundestagsmandat zurückzugeben, und verlangt von der CDU eine gründliche Aufarbeitung in den eigenen Reihen. Bereits gestern hatte Lamely öffentlich erklärt, dass Spahn den Rücktrittsforderungen auch aus der eigenen Partei nachkommen müsse.
Wer deutsche Gesetze im Ausland gezielt mit erheblichen Geldsummen umgehe, habe seine Glaubwürdigkeit als Volksvertreter verspielt, so Lamely. Spahn hatte gemeinsam mit seinem Ehemann in den USA über eine in Deutschland verbotene Leihmutterschaft ein Kind bekommen. Wer sich derart über geltendes Recht hinwegsetze, sollte im Bundestag nicht länger über eben diese Gesetze mitbestimmen. Der Rückzug von der Fraktionsspitze reiche daher nicht aus.
Lamely verweist darauf, dass Spahn kein Einzelfall sei. Der CDU-Abgeordnete und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, sei bereits im April dieses Jahres auf demselben Weg in den USA Vater geworden, ohne dass dies innerparteiliche Konsequenzen gehabt hätte. „Streeck wurde nicht angetastet, Spahn binnen Tagen abgeräumt", erklärte Lamely. Das zeige zweierlei: Die Doppelmoral in der CDU sei kein Ausrutscher, sondern System, denn andernfalls hätte man beide gleichermaßen zur Verantwortung gezogen. Und das Anti-Spahn-Lager habe die Affäre offenkundig genutzt, um einen ungeliebten innerparteilichen Konkurrenten kaltzustellen. Wäre es der Union um Glaubwürdigkeit und Moral gegangen, hätte sie Streeck und Spahn gleichermaßen zur Rechenschaft ziehen müssen.
Lamely richtet den Blick zudem auf den örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Brand. Brand hatte den Vorgang in der heutigen Ausgabe der Fuldaer Zeitung als „moralischen Rechtsbruch" bezeichnet und betont, beim Recht müssten für alle gleiche Maßstäbe gelten. „Diese Worte sind richtig. Es stellt sich aber die Frage, warum sie erst heute fallen", so Lamely. Brand habe Spahn in der Maskenaffäre gestützt und als Vorsitzender der hessischen Landesgruppe im Mai dieses Jahres dazu beigetragen, Spahn mit großer Mehrheit zum Fraktionsvorsitzenden wiederzuwählen. Wer heute von einem moralischen Rechtsbruch spreche, müsse erklären, weshalb dieselbe Klarheit vor wenigen Wochen noch nicht galt.
Nach Einschätzung Lamelys berührt der Vorgang die Glaubwürdigkeit der Union insgesamt. Eine Partei, die den Schutz von Frauen vor Ausbeutung zum Programm erkläre und das Leihmutterschaftsverbot noch im Februar 2026 auf ihrem Bundesparteitag ausdrücklich bekräftigt habe, dürfe nicht zulassen, dass ihre eigenen Repräsentanten diese Regeln im Ausland umgehen, sobald es um private Wünsche gehe.
Im Auseinanderfallen von Reden und Handeln liege die Wurzel des Vertrauensverlusts der Bürger in die Politik, so Lamely abschließend. Der Rücktritt Spahns sei ein Anfang, ersetze aber nicht die Aufarbeitung in der Union selbst.
