Beim Vergleich zum Vorjahr wird die schwächere Konjunktur sichtbar: Die Anzahl der arbeitslosen Personen stieg gegenüber dem Juni vergangenen Jahres insgesamt um 482, bzw. 6,3 Prozent an. Bei der Agentur für Arbeit nehmen derzeit 3426 Menschen die Leistungen ihrer Arbeitslosenversicherung in Anspruch – das sind 552 mehr als vor einem Jahr (+19,2 Prozent). Die Jobcenter der Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg zählen mit 4707 erwerbslosen Personen 70 weniger als vor einem Jahr (-1,5 Prozent). Die Arbeitslosigkeit stieg gegenüber dem Vorjahresmonat nahezu in allen Personengruppen. Prozentual am stärksten war das Plus bei Personen unter 25 Jahren (+16,1 Prozent). Lediglich bei Menschen ohne deutschen Pass ist die Arbeitslosigkeit gesunken.
„Menschen mit Migrationsgeschichte kommen zunehmend auf dem Arbeitsmarkt in unserer Region an. In vielen Branchen könnten viele Leistungen ohne die Unterstützung aus dem Ausland bereits heute nicht mehr erbracht werden“, erklärt Katharina Henkel, Leiterin der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Agenturbezirk in den vergangenen zehn Jahren wurde ausschließlich durch Personen getragen, die aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen sind. Im Landkreis Fulda hat mittlerweile jeder siebte Beschäftigte einen Migrationshintergrund, in Hersfeld-Rotenburg nahezu jeder sechste. In beiden Landkreisen stellen zugewanderte Menschen auch eine feste Größe auf dem Ausbildungsmarkt dar.
13.598 der insgesamt 98.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region Fulda haben keinen deutschen Pass. Neben fast 5000 Zugewanderten aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Polen stammen rund 1960 Personen aus Asylherkunftsländern wir Afghanistan oder Syrien, nahezu 1000 aus der Ukraine. In der Region Hersfeld-Rotenburg haben aktuell 8259 der insgesamt 49.512 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keinen deutschen Pass. Neben Zugewanderten aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder Polen stammen 1250 Personen aus Asylherkunftsländern wie Afghanistan oder Syrien, 800 aus der Ukraine.
„Die Qualifikation dieser Menschen ist unterschiedlich. Während etwas mehr als die Hälfte von ihnen im Helferbereich arbeitet, sprechen wir bei der anderen Hälfte von ausgebildeten Fachkräften“, erläutert Katharina Henkel. Viele nutzen die Zeitarbeit als Einstieg in die deutsche Arbeitswelt, ein Großteil leistet im Gesundheitswesen wertvolle Arbeit, ebenso im Baugewerbe oder in der Produktion. „Egal an welcher Stelle unsere zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürger tätig sind – wir brauchen sie“, sagt die Agenturleiterin: „Glücklicherweise kommen die zugewanderten Menschen auch auf dem Ausbildungsmarkt an.“ In der Region Fulda habe jeder dritte der 1400 Bewerbenden für einen Ausbildungsplatz in diesem Sommer hat einen Migrationshintergrund, im Kreis Fulda ist es jeder siebte der 515 Bewerbenden.
Laut Markus Vogt, Fachdienstleiter Kommunaler Arbeitsmarkt beim Kreisjobcenter Fulda, konnten viele geflüchtete Menschen ihre Deutschkenntnisse verbessern und eine Ausbildung oder Arbeit aufnehmen: „Auch an den Bedarfen des Arbeitsmarktes initiierte Qualifizierungsmaßnahmen und die vermehrte Anerkennung ausländischer Schul- und Berufsabschlüsse führten, verbunden mit gezielten Vermittlungsaktivitäten des Kreisjobcenters, zu verbesserten Integrationsergebnissen.“ René Bieber, Fachbereichsleiter des Kreisjobcenters Hersfeld-Rotenburg, freut sich über die weiter vorhandene Aufnahmebereitschaft des regionalen Arbeitsmarktes, beklagt jedoch Einsparungen bei Integrations- und Berufssprachkursen, die geflüchteten Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt erschweren: „Nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten beruht vor allem auf dem Erlernen der deutschen Sprache, innerer Motivation, realistischer Berufseinschätzung, Anerkennung von Abschlüssen sowie gezielter Beratung und Unterstützung – bei Erreichen von B1/B2 und begleitenden Qualifikationen gelingt eine langfristige Integration.“
