„Willkommen auf der nördlichsten bewirtschafteten Alpenverein Hütte der Welt“, begrüßte Manfred Hagemann, Vorstandsmitglied der DAV-Sektion Fulda, zum Pressegespräch, bei dem auf die lange Geschichte geblickt wurde. Für den DAV Fulda sollte damals, nach dem zweiten Weltkrieg, eine neue Vereinshütte im Heimatgebirge gefunden werden, um die Mitglieder wieder zusammenzuführen. Auf dem 785 Meter hohen Weiherberg bei Dietges wurde ein passender Ort gefunden, um dort im Jahre 1949 eine Hütte zu bauen. Diese bot Platz für 20 Personen und war auch mit einer Küche ausgestattet. Doch schnell sei klar geworden, dass mehr Platz benötigt werde. Schon 1951 starteten die Arbeiten für die neue, heutige Enzianhütte – finanziert durch Spenden und mit tatkräftiger Hilfe der Sektionsmitglieder, die viele Stunden Eigenleistung in das Projekt steckten. „Der Bau war aber nicht ganz komplikationslos“, so Hagemann. Zweimal sei Richtfest gefeiert worden, da ein Sturm das Dach und die Giebelmauer zerstört habe. Am 1. Juli 1956 wurde dann schließlich die Eröffnung gefeiert. In der Hütte gab es einen Gastraum, Schlafräume, eine Selbstversorger-Küche, einen Raum für den Hüttenwirt und für den Hüttendienst der Sektion. Für die Sektion wurde die Hütte über verschiedene Veranstaltungen schnell zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. In den 70er Jahren habe es wegen neuer Auflage und Problemen mit den damaligen Pächtern dann Pläne gegeben, die Enzianhütte zu verkaufen. Der DAV habe dem nicht zugestimmt und im Jahre 1981 sei dann wieder Leben eingezogen.
In 1987 wurde die Enzianhütte offiziell als Mittelsgebirgshütte vom DAV-Hauptverband anerkannt. 1988 verließ das Pächter Ehepaar Böge krankheitsbedingt die Hütte und Birgit und Georg Koch übernahmen als neue Pächter den Hüttenbetrieb. Sie entwickelten die Hütte zu einem weit über die Region bekannten Ausflugsziel und bewirtschafteten die Enzianhütte schließlich über 30 Jahre bis Ende 2022. Im Februar 2023 übernahm dann ein neues Hütten-Team um Maximilian Harth und René Stolz den Hüttenbetrieb, das seitdem die Enzianhütte zu einem weiterhin beliebten Anlaufpunkt für Tages- und Urlaubsgäste in der Rhön macht. „Ihr habt neue Ideen eingebracht und frischen Wind und trotzdem die Geschichte wieder aufleben lassen“, sagte Hagemann an die beiden Geschäftsführer gewandt. Mit einem jungen Team von 14 Personen als Voll- und Teilzeitkräften können auf der Enzianhütte im Innenbereich bis zu 110 Gäste und im Außenbereich bis zu 340 Gäste bewirtet werden. „Wir wollen einen guten Service garantieren und keine Selbstbedienung“, wie Stolz erklärte.
Vor allem die Sonnenterrasse mit ihrem Panoramablick und das Hüttenflair mit zünftigem Speisenangebot sowie rustikalen Mehrbettzimmern und Bettenlagern mit insgesamt 58 Schlafplätzen würden von den Gästen geschätzt. Von Schweizern über Österreicher bis hin zu Franzosen seien schon Menschen vieler Nationalitäten als Urlauber da gewesen. Die Hütte mit ihrer einzigartigen Lage zwischen Milseburg und Wasserkuppe, direkt am Hochrhöner und nahe der Kletterfelsen Steinwand lade nicht nur Wanderer und Mountainbiker zum Genießen auf den Weiherberg ein. Zu erreichen ist sie sowohl über die von der Sektion betreuten Hüttenzustiege über den Blümel- oder Nobert-Weber-Weg, als auch mit dem Auto.
„Beim Aufräumen hier auf dem Dachboden, haben wir ein großes altes Lederbuch gefunden mit ganz vielen alten Fotos“, berichtete Geschäftsführer Maximilian Harth. Die Bilder wurden eingerahmt und in dem Gastraum aufgehängt. „Diese Bilder zeigen die gesamte Entstehungsgeschichte der Enzianhütte“, so Harth und erzählte: „Unsere Idee dahinter war einfach, wir wollen die Geschichte so ein bisschen für alle nahbarer und erlebbar machen.“ Vor allem mache gerade Gemütlichkeit und Freundlichkeit die Enzianhütte aus und wie die beiden Geschäftsführer erwähnten, seien sie mit allen Gästen per du – auch in Mails. Ganz nach dem Motto: „Ab 700 Metern gibt es kein Sie“.
Pläne für die Zukunft
Die Enzianhütte bringt seit 70 Jahren alpines Hüttenflair auf 760 Metern in die Rhön, was ohne das Engagement der damaligen und heutigen Mitglieder der DAV-Sektion Fulda, der umliegenden Gemeinden sowie der Pächter und Hüttenwirte nicht möglich wäre. „Das war heute Morgen ein sehr emotionaler Moment“, sagte Stolz zu dem besonderen Tag: „Und da kann man sich die Bilder anschauen und alles Revue passieren lassen.“ Und der Blick der DAV-Sektion Fulda geht bereits in die Zukunft, um die Enzianhütte fit für die kommenden 70 Jahre auf dem Weiherberg zu machen. Auf Basis einer bereits erstellten Machbarkeitsstudie prüft die Sektion derzeit verschiedene Optionen mit ihren Auswirkungen auf das Investitionsvolumen. Eine große Rolle wird am Ende spielen, wie stark der DAV-Hauptverband finanziell unterstützt und in welchem Umfang die Sektion öffentliche Förderprogramme nutzen kann.
Das Jubiläum der Enzianhütte feiern die Hüttenwirte mit einem großen Festwochenende vom 7. bis 9. August. An drei Tagen warten Musik sowie Leckereien aus der Hüttenküche auf die Gäste. Alle Details zum Festprogramm gibt es unter www.enzianhuette-rhoen.de.
