Ausschussvorsitzender Hans-Dieter Alt sprach zu Beginn von einer stets sachlichen und konstruktiven Zusammenarbeit und dankte den Mitgliedern für die angenehme Teilhabe während der Wahlperiode. Breiten Raum nahm die Diskussion um die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ein. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld machte deutlich, dass sich die ambulante medizinische Versorgung in Fulda zunehmend schwieriger gestalte. Zwar sei die Stadt vergleichsweise noch gut versorgt, dennoch reichten die Behandlungskapazitäten vieler niedergelassener Ärzte nicht mehr aus. Hinzu komme, dass zahlreiche Praxen keine Nachfolger fänden und viele junge Mediziner ein Angestelltenverhältnis bevorzugten.
Das geplante MVZ solle als gemeinsame Tochtergesellschaft der Klinikum Fulda gAG und der Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda gGmbH gegründet werden, jeweils mit 50 Prozent Beteiligung, sodass auch zwischen den Krankenhäusern keine Konkurrenz entstehe. Ziel sei die ambulante, vertrags- und privatärztliche Versorgung, zunächst mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin, bedarfsgerecht aber erweiterbar, erklärte Wingenfeld. Er betonte, dass das MVZ keine Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten darstellen solle, sondern ein weiterer Baustein zur Stabilisierung der Versorgung sei. Auch die Entlastung der Notaufnahmen spiele dabei eine wichtige Rolle. Der Ausschuss stimmte der Gründung einstimmig zu. Eine Nachfrage von Marie-Louise Puls (Grüne) zu verfügbaren Kassensitzen beantwortete der Oberbürgermeister mit dem Hinweis, dass die Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung die tatsächliche Versorgungslage im großen Einzugsgebiet Fuldas nicht ausreichend widerspiegelten. Zudem seien außerhalb der Stadtgrenzen Kassensitze verfügbar, was erneut für die Kooperation mit dem Herz-Jesu Krankenhaus spreche. Die Zustimmung kam fraktionsübergreifend: Das Vorhaben sei vorausschauend, nicht gewinnorientiert und ein wichtiges Signal für Stadt und Region.
Intensiv beraten wurde zudem die Möglichkeit der Stadt Fulda, ihr Vorkaufsrecht für das ehemalige Goodyear-Gummiwerke-Areal auszuüben. Mit dem Beschluss des Ausschusses würde die Stadt die Option bekommen, in den bestehenden Grundstückskaufvertrag einzutreten und den Kaufpreis sowie die Kosten für die Dekontaminierung des gesamten Geländes zu übernehmen. Vertreter mehrerer Fraktionen bezeichneten dies als zukunftsweisende Entscheidung, um die Entwicklung des Areals aktiv gestalten zu können. Über die konkrete Zukunft des Goodyear-Areals solle transparent und in den politischen Gremien entschieden werden, so Alt. Eine zeitnahe Entscheidung im Stadtschloss wird nun angestrebt.
In diesem Zusammenhang beschloss der Ausschuss einstimmig eine Haushaltsergänzungssatzung für 2026. Diese schafft die finanzielle Grundlage für eine mögliche Ausübung des Vorkaufsrechts. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Abschreibungen, höhere Personal- und Sachaufwendungen sowie eine Kreditaufnahme von bis zu 18 Millionen Euro. Der Ergebnishaushalt erhöht sich dadurch um rund 1,98 Millionen Euro.
Einstimmig sprach sich der Ausschuss außerdem für die Neuausweisung des Bahnhofsquartiers als Fördergebiet im Städtebauförderungsprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ aus. Auch die Kanalbaumaßnahme in der Windthorststraße mit der Wiederherstellung der Verkehrsflächen sowie personelle Entscheidungen wurden einstimmig beschlossen.
