Lokales FD 15.01.2026

Viel los bei Kaliberg-Infoabend – Zeitnahes Handeln gefordert

Neuhof – Von Paula Nöllenheidt – Bereits das dritte Mal hatte die Bürgerinitiative (BI) Umwelt Neuhof die Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Gemeinden des Kalibergs eingeladen, um über den aktuellen Stand der Verhandlungen des Runden Tisches in Neuhof sowie eigene neue Erkenntnisse und Lösungsansätze zu informieren. Im Gemeindezentrum kamen am Mittwochabend zahlreiche Interessierte zusammen, um sich die Vorträge und Präsentationen der Referenten anzuhören.

Die Zukunft des Kalibergs interessiert viele Menschen in der Gemeinde. Archivfoto: Christine Görlich.

Foto: Paula Nöllenheidt.

„Seit unserer Gründung am 17. Januar 2023 haben wir als Bürgerinitiative unermüdliche Arbeit für unsere gemeinsamen Ziele geleistet“, berichtete Hubert Enders von der BI. Die Ziele seien ein langfristiger Erhalt der Lebensqualität rund um den Kaliberg, die Schaffung von Möglichkeiten für Natur und Gewässer sich erholen zu können, aber auch der Erhalt von Arbeitsplätzen. „Es ist uns ein Anliegen, dass wir uns in diesem Prozess nicht von Emotionen leiten lassen, sondern Fakten als Grundlager unserer Arbeit nehmen“, betonte er.

Bürgermeister Heiko Stolz zeigte sich erfreut über das Interesse der Bürgerinnen und Bürger. „Die Gemeinde versteht sich als Moderator zwischen den Parteien“, erklärte er. Somit sei ihm besonders wichtig, den Dialog mit allen Mitteln zu erhalten, da nur so eine Lösung, an der die Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind, erreicht werden könne. Zudem sei eine weitere wissenschaftliche Bestandsaufnahe von dem Runden Tisch in Auftrag gegeben worden, welche zu einem anschließenden Austausch der beiden Gutachter und einem gemeinsamen Gutachten führen solle. Auch weitere Gäste aus der Politik waren vor Ort, darunter Landrat Bernd Woide und Landtagsabgeordneter Sebastian Müller.

Zu Beginn gaben Sabine Waschke und Dr. Karl-Ludwig Ruppel von der BI einen Rückblick auf den bisher geschehenen Prozess: Nachdem die in 2022 herausgebrachte Planung zur Zukunft des Kalibergs von K+S auf großen Widerstand innerhalb der Bevölkerung gestoßen sei, wurde im Mai 2023 von K+S, der BI und der Gemeinde eine Eckpunktevereinbarung festgelegt, welche sowohl den Weg für den Runden Tisch als neues Dialogformat geebnet habe, als auch zwei Leitplanken als Filter der Überlegungen eingesetzt habe: Den Abschluss des Gesamtprojektes bis 2075 sowie die Begrenzung der Beanspruchung der Natur auf das Gebiet des aktuellen Betriebsgeländes, sofern möglich. Später wurde die Minimierung beziehungsweise Eliminierung der Haldensickerwasser als Zielsetzung hinzugefügt. Anhand dieser Ziele habe die BI zahlreiche Maßnahmen und Untersuchungen angestellt, einen Drei-Phasen-Plan erarbeitet und Fachgruppen gebildet. In dieser Zeit habe K+S keinen Kompromiss, der mit der Eckpunktevereinbarung vereinbar wäre, angeboten und die Gespräche hätten mehrmals vor dem Abbruch gestanden, berichteten die Vertreterinnen und Vertreter der BI.

Geologe und Geochemiker Dr. Ralf Krupp, erläuterte in seinem wissenschaftlichen Vortrag anschließend die Konsequenzen der Kali-industrie für die Region, die er in seinem Gutachten im Auftrag der Bürgerinitiative erarbeitet habe. Dabei legte er dar, dass es eine Verlagerung des Grundwasserspeigels durch den Kali-Berg gebe, welche als Folge die Entstehung von Holräumen habe und somit sowohl die Halde als auch eine geplante Abdeckung instabil mache. Zudem würde die Versalzung der Gewässer weiterhin an Intensität zunehmen, sodass die Kali-Halde insgesamt rund 308 Kubikkilometer Süßwasser „vernichten“ könne, so Krupp. Diese Entwicklung bedürfe zeitnaher Handlung, da die Schäden nur durch einen frühzeitigen Rückbau der Halde begrenzt werden könnten. Zudem zeigte er die Eckpunkte einer nachhaltigen Fortführung des Kalibergbaus auf, welche eine Widereinführung der Versatzpflicht, eine Umstellung der Abbauverfahren auf eine totale Gewinnung der Kalisalze und den Bau einer Nordsee-Pipeline zur Beseitigung der Kalihalden durch aktive Auflösung beinhalten würden.

Im darauffolgenden Ausblick stellten Waschke, Ruppel und Dr. Peter Veckenstedt die „doppelte Herausforderung, ökonomisch und ökologisch“ dar, die aus der Sicht der Bürgerinitiative nur durch verstärktes Monitoring, Prognosen sowie Modellierungen des Wasserhaushalts zur Ausbreitung von Salzen gelöst werden könne. Die hessische Landesregierung handle dabei aus der Sicht der Bürgerinitiative entgegen den Vereinbarungen ihres Koalitionsvertrag und bleibe passiv, statt aktiv an Lösungen mitzuarbeiten. Auch die Flussgebietsgemeinschaft Weser übernehme die Abdeckungspläne von K+S und sehe diese als höchsteffizient an. Die Bürgerinitiative Umwelt Neuhof zog somit ein klares Fazit, dass die Abdeckungspläne untauglich seien und aufgrund ihrer obersten Priorität, der Sicherung der Heimat, weiterhin an den vereinbarten Eckpunkten festgehalten werden solle. Dafür benötige es jedoch den größtmöglichen Rückhalt in der Bevölkerung, betonten Waschke und Ruppel.

Im Anschluss waren alle Anwesenden eingeladen, über die neuen Erkenntnisse ins Gespräch zu kommen und den Referenten ihre Fragen zu stellen.

Infoabend der BI Umwelt in Neuhof. Foto: Paula Nöllenheidt.