Es war von Beginn an David gegen Goliath und glich einer Herkulesaufgabe: Vor dem Duell mit dem schier übermächtigen 1. FC Saarbrücken vor der Rekordkulisse von 5200 Zuschauerm war die Favoritenrolle klar verteilt – dennoch präsentierten sich die Maberzeller oft auf Augenhöhe, und teilweise sogar darüber hinaus: So beispielsweise in der Partie zwischen Abwehrspezialist Ruwen Filus und Patrick Franziska, die sich ein Duell für die Geschichtsbücher lieferten. Immer wieder wechselte das Momentum, beide Spieler schenkten sich absolut nichts – folgerichtig, dass das Match erst im Entscheidungssatz entschieden wurde, und das mit dem besseren Ende für Ruwen Filus. Der 37-Jährige wehrte auf spektakuläre Art und Weise einen Matchball ab und sicherte sich den fünften Durchgang letztendlich mit 14:12 – eminent wichtig aus Maberzeller Sicht, immerhin hatte Starspieler Dimitrij Ovtcharov an Position eins bereits glatt gegen den chinesischen Superstar Fan Zhendong verloren. Allerdings war das Endergebnis von 0:3 wesentlich deutlicher als die Partie selbst, „Dima“ war stets auf Augenhöhe, in den entscheidenden Momenten zeigte der Chinese aber seine ganze Klasse: In den ersten beiden Durchgängen spielte der 28-Jährige beim Stand von jeweils 9:9 sein bestes Tischtennis und sicherte sich so die Sätze eins und zwei. Besonders ärgerlich aus „Dimas“ Sicht: Im zweiten Satz verspielte der 37-Jährige eine 8:5-Führung. Nach dem 11:8 aus Sicht des Chinesen im dritten Durchgang war die Partie dann nach etwas mehr als einer halben Stunde bereits beendet. „In dem Spiel waren alle Chancen da, Dima hätte ihn schlagen können“, haderte Maberzells Präsident Stefan Frauenholz, der aber auch Ruwen Filus im gleichen Atemzug ein Lob aussprach: „Ruwen hat heute eindrucksvoll bewiesen, dass er es noch kann.“
Nach dem Spektakel zwischen Filus und Franziska kam Trainersohn Fanbo Meng zu seinem ersten Einzel-Einsatz im Final Four: Gegen den Slowenen Darko Jorgic, der angeschlagen in die Partie ging, fand Meng jedoch kaum zu seinem Spiel. Glatt mit 0:3 musste sich der 25-Jährige geschlagen geben, Jorgic nutzte nach nur etwas mehr als 20 Minuten seinen ersten Matchball – und sorgte so auch dafür, dass Ruwen Filus nach seinem Marathonmatch nur vergleichsweise wenig Zeit zur Erholung hatte, was sich im Duell mit Fan Zhendong bemerkbar machte: Unterstützt von mehreren hundert chinesischen Fans ließ der Chinese dem Deutschen kaum eine Chance: Filus musste sich in drei Sätzen geschlagen geben, und damit zerplatzte auch der große Maberzeller Traum, den Favoriten zu stürzen und den Pokal mit nach Fulda zu bringen. „Aber heute überwiegt der Stolz“, weinte Frauenholz der Trophäe bereits unmittelbar nach dem letzten Ballwechsel keine Träne nach: „Wir sind wieder Vize-Pokalsieger, und das nach so vielen Jahren. Ich glaube, das letzte Mal war 2016. Das jetzt nach zehn Jahren wieder geschafft zu haben und eindrucksvoll zurückzukommen, das macht uns glücklich.“
Vor allem auf die gezeigte Leistung können die Osthessen jedoch stolz sein, vor allem, da der TTC bereits im Halbfinale vor dem Aus stand: Gegen den TTC OE Bad Homburg standen Ovtcharov und Co. eigentlich schon mit mehr als einem Bein im Finale, führten nach zwei klaren 3:0-Siegen von Dima selbst und Ruwen Filus bereits mit 2:0 und auch im vierten Einzel lag Filus bereits mit 2:0 vorne – ehe der Japaner Jo Yokotani zur Aufholjagd ansetzte und tatsächlich noch das Entscheidungsdoppel erzwang. In diesem mussten es dann traditionell Ovtcharov und Meng richten, die die Partie nach starkem Start jedoch zunehmend aus der Hand gaben. Gegen Ivor Ban und Csaba Andras musste das Maberzeller Duo im vierten Satz sogar einen Matchball abwehren. Die Nerven hielten jedoch – und nach dem deutlichen 11:3 im fünften Satz war der Finaleinzug perfekt, wo sich Saarbrücken jedoch unter dem Strich als eine Nummer zu groß erwies. „Bei dem Matchball dachte ich ehrlicherweise, jetzt sind wir gleich zuhause“, erinnerte sich Frauenholz: „Das war wirklich dramatisch. Ruwen führt im vierten Spiel mit 2:0 und auch im fünften mit 9:7, da haben nur noch zwei Pünktchen gefehlt. Am Ende mussten wir dann dennoch nochmal die ganze Runde über das Doppel drehen. Allerdings war das im fünften Satz ja eine klare Angelegenheit“, so der Maberzeller Präsident abschließend: „Das war heute insgesamt ein langer Tag, aber das hat alles gepasst. Wir sind glücklich und hochzufrieden.“
Finale
1. FC Saarbrücken – TTC Maberzell 3:1
Fan Zhendong – Dimitrij Ovtcharov 3:0 (11:9, 11:9, 11:8)
Patrick Franziska – Ruwen Filus 2:3 (10:12, 11:8, 11:9, 7:11, 12:14)
Darko Jorgic – Fanbo Meng 3:0 (11:6, 11:9, 11:8)
Fan Zhendong – Ruwen Filus 3:0 (11:8, 11:3, 11:6)
Halbfinale
TTC Bad Homburg – TTC Maberzell 2:3
Jo Yokotani – Dimitrij Ovtcharov 0:3 (5:11, 8:11, 7:11)
Csaba Andras – Ruwen Filus 0:2 (11:13, 7:11, 10:12)
Ivor Ban – Jonathan Groth 3:1 (8:11, 11:9, 11:8, 11:6)
Jo Yokotani – Ruwen Filus 3:2 (5:11, 6:11, 11:9, 11:7, 11:7)
Csaba Andras/Ivor Ban – Dimitrij Ovtcharov/Fanbo Meng 2:3 (8:11, 11:4, 11:9, 11:13, 3:11)
