Dirigenten Martin Klüh verrät mehr über die Entstehung des Programms und die Herausforderungen, die sich aus der Aufführung anspruchsvoller Werke für ein Jugendorchester ergeben:
Was macht das diesjährige Neujahrskonzert des Jugendsinfonieorchesters Fulda besonders im Vergleich zu den vergangenen Jahren?
Martin Klüh: „Das Jugendsinfonieorchester Fulda hat sich musikalisch und zwischenmenschlich zu einer tollen Gemeinschaft entwickelt. Die Spielfreude des Orchesters ist bezaubernd. Nach unserer erfolgreichen Konzertreise in die USA sind im Herbst viele junge Musiker hinzugekommen. Es ist wunderbar zu sehen, wie sich junge Musiker und erfahrene Leistungsträger gegenseitig inspirieren und voneinander lernen. Es ist ein lebendiger Organismus des gemeinsamen Wachsens, in dem große Ziele wie das kommende Neujahrskonzert erreicht werden können. Man kann die Freude am Musizieren sehen und hören.“
Das Programm reicht von Humperdinck über Schubert bis hin zu zeitgenössischen Komponisten wie Michael Nyman. Wie wählen Sie die Stücke aus?
Klüh: Die Musik, die wir spielen, muss in erster Linie gut komponiert sein und Spaß beim Spielen machen. Unser Neujahrskonzert besteht aus Meisterwerken, die bekannt und beliebt sind. Allerdings schreiben bedeutende Komponisten in der Regel für Profi-Orchester, für die technische Herausforderungen kein Hindernis darstellen. Bei einem Jugendorchester muss daher nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“ sorgfältig abgewogen werden.
Schubert „Unvollendete“ ist eines der Herzstücke des Abends. Was fasziniert Sie an dieser Sinfonie, und was sollen die jungen Musiker daraus lernen?
Klüh: Schubert erfordert neben technischen Fähigkeiten vor allem ein Verständnis für die tiefe Emotionalität seiner Musik, die nur mit Liebe zum Detail überzeugend interpretiert werden kann. Die Musik muss leicht klingen, obwohl sie technisch anspruchsvoll ist.
Prokofievs „Romeo & Julia Suite“ verlangt viel Ausdruckskraft. Welche Herausforderungen gibt es hier?
Klüh: Nicht alle Sätze aus Prokofievs Ballettmusik werden aufgeführt. Wir wählen die Ouvertüre, Solostücke und ausgewählte Sinfoniepassagen aus. Die vertonten Feindseligkeiten zwischen den Familien Montague und Capulet erleben die Zuhörer unter anderem in einem Rittertanz.
Mussorgskis „Tableaux d’une Exposition“ in Ravels Orchestrierung ist technisch und emotional anspruchsvoll. Wie bereiten Sie die jungen Musiker darauf vor?
Klüh: Ravels Bearbeitung stellt hohe Anforderungen. Die Promenaden, das Nebelschloss, das mühsam ziehende Ochsen-Karree „Bydlo“, die traurigen und festlichen Passagen erfordern intensive Vorbereitung. Hier entwickeln die Musiker nicht nur Technik, sondern auch Ausdruckskraft und musikalische Sensibilität.
Michael Nymans „Two Songs from ‚The Diary of Anne Frank‘“ wird von Ferdinand Wehner am Saxophon interpretiert. Wie integrieren Sie Solisten in ein Jugendorchester?
Klüh: Es ist schöne Tradition, langjährige Orchestermitglieder als Solisten einzubinden. Das Saxophon bringt neue Klangfarben ein und inspirierte uns, Werke wie „Il Vecchio castello“ aus Ravels „Tableaux d’une Exposition“ ins Programm aufzunehmen. So erhalten mehrere Musiker Gelegenheit, sich zu präsentieren.
Was möchten Sie dem Publikum vermitteln?
Klüh: Mit emotionalen, farbenfrohen Klängen von Romantik bis zu minimalistischer Filmmusik hoffen wir auf viel Applaus und ein begeistertes Publikum, das wir am Ende mit einer Zugabe ins neue Jahr entlassen dürfen.
Karten sind für 15 Euro, ermäßigt zwölf Euro (Kinder bis 15 Jahre, Schüler, Studierende, Auszubildende und Schwerbehinderte ab einem GdB von 50 Prozent) erhältlich unter www.reservix.de, in der Geschäftsstelle der Fuldaer Zeitung, Frankfurter Straße 8, in der „Heimatliebe“, Steinweg 26, sowie an der Abendkasse. Das Konzert dauert 120 Minuten inklusive Pause.
