Andreas Rau vom Fuldaer Haus an der Maulkuppe gibt die Entlastung direkt an seine Gäste weiter. „Die Kunden bekommen die Steuersenkung auf jeden Fall zurück. Wir haben bereits nach Weihnachten die Preise gesenkt beziehungsweise angepasst“, sagt Rau. Der darüber hinaus entstehende finanzielle Spielraum soll für dringend notwendige Investitionen genutzt werden. „Das, was dadurch übrig bleibt, wird für Investitionen verwendet. Die waren in den vergangenen Jahren nicht möglich – auch nach Corona war es einfach schwierig.“ Davon sollen sowohl die Mitarbeitenden als auch die allgemeine Infrastruktur profitieren. Gleichzeitig bleibt Rau vorsichtig: „Wir nehmen die Mehrwertsteuersenkung erst einmal so an und werden schauen, wie sich das entwickelt – erst recht mit Blick auf die nächste Wahl.“
Einen anderen Weg geht Björn Helfrich vom Fuldaer Hof. Zwar verzichtet er auf direkte Preissenkungen, bewertet die Maßnahme aber dennoch als wichtige Entlastung. „Wir geben es nicht direkt an den Kunden weiter. Allerdings werden wir trotz steigender Löhne die Preise nicht erhöhen“, erklärt Helfrich. In der Vergangenheit seien Lohnsteigerungen häufig mit höheren Lebensmittelpreisen einhergegangen. Umso positiver sieht er die aktuelle Entwicklung: „Die Senkung ist auf jeden Fall positiv zu bewerten und ein gutes Zeichen – gerade weil es vielen Gastronomen in den letzten Jahren nicht gut ging.“ Entscheidend sei nun, wie dauerhaft die Regelung bleibe. „Wir freuen uns erst einmal, dass es so ist, und hoffen, dass es langfristig Bestand hat.“
Aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) handelt es sich bei der Steuersenkung um einen längst überfälligen Schritt. Andreas Jahn, Inhaber des Landgasthofs Stern und Fuldaer Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender, verweist darauf, dass der Verband diese Regelung seit Jahrzehnten fordert. „Tatsächlich besteht diese Forderung der Dehoga bereits seit 30 Jahren. Dass es jetzt eintritt, ist kein Geschenk der Politik, sondern Steuergerechtigkeit“, betont Jahn. Nun gelte für den Verzehr im Restaurant derselbe Steuersatz wie für Außer-Haus-Speisen – obwohl der Aufwand im Service schon immer höher gewesen sei.
Nach Jahns Einschätzung profitieren Gäste vor allem indirekt von der Maßnahme. „Es profitiert jeder Gast, weil die Preise stabil gehalten werden können. Nach der Erhöhung des Mindestlohns wäre eine Preissteigerung wahrscheinlich gewesen.“ Stattdessen könnten Betriebe nun wieder investieren – in Mitarbeitende und in ihre Unternehmen. „Investitionen, die in den vergangenen Jahren kaum möglich waren“, so Jahn. Viele Betriebe kämpften weiterhin mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. „Die Umsätze waren vielleicht im Plus, aber unterm Strich arbeiteten viele Gastronomen weiterhin im Minus.“ Positiv bewertet er, dass die Regelung nun gesetzlich verankert ist, auch wenn eine gewisse Unsicherheit bleibe: „Eine gewisse Angst, dass sie wieder aufgehoben wird, schwingt immer mit. Ich glaube aber dennoch, dass sie bleiben wird – gerade weil sich dadurch die ländliche Gastronomie stabilisieren kann.“ Entgegen mancher Berichte profitierten nicht nur große Ketten, berichtet Jahn: „Auch kleine Gastronomen und damit jeder Gast profitieren – durch Investitionen und den Ausgleich bei Preissteigerungen.“
Auch Swen Bachmann vom Hopfenglück rechnet nicht mit günstigeren Speisekarten, sieht in der Steuersenkung aber dennoch einen klaren Vorteil. „Es wird nichts billiger, aber auch nichts teurer – und dass nichts teurer wird, ist ja schon mal positiv.“ Ohne die Entlastung wären steigende Preise angesichts wachsender Lohnkosten kaum zu vermeiden gewesen. „Das dient jetzt der Stabilisierung, und dafür kann man das gut gebrauchen“, sagt Bachmann. Für ihn ist die Maßnahme zugleich ein Beitrag zur Bewältigung der Corona-Nachwirkungen. „Es lindert die Nachwehen und dient als Absicherung.“
Ob Preissenkung oder Preisstabilität: In der Region Fulda zeigt sich, dass die Rückkehr zur Sieben-Prozent-Mehrwertsteuer vor allem eines bewirken soll – der Gastronomie wieder mehr wirtschaftlichen Spielraum zu verschaffen. Für Gäste bedeutet das vor allem Verlässlichkeit, für viele Betriebe die Chance, nach schwierigen Jahren wieder nachhaltiger in die Zukunft zu investieren.
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