Lokales VB 24.01.2026

Leuchtende Beispiele für Courage: Polizeipräsident ehrt Osthessen

Fulda (sim/pm) – Zivilcourage ist keine Selbstverständlichkeit mehr – umso wichtiger ist es, sie sichtbar zu machen. Genau das tat Polizeipräsident Michael Tegethoff am Freitag bei der dritten Belobigungsveranstaltung im Polizeipräsidium Osthessen. Zwölf Bürgerinnen und Bürger aus der Region wurden für ihr mutiges und umsichtiges Handeln ausgezeichnet – stellvertretend für all jene, die nicht wegsehen, sondern helfen.

Foto: Silas Messing.

„Hinsehen, erkennen, handeln. Mit Ihrem Beitrag haben Sie einen wertvollen Dienst für unsere Gesellschaft geleistet“, betonte Tegethoff in seiner Ansprache. In Zeiten, in denen Menschen im Ernstfall oft eher zum Smartphone greifen als einzugreifen, seien diese Beispiele umso bedeutender. „Zivilcourage macht unsere Gesellschaft sicherer und menschlicher.“

Insgesamt fünf Fälle aus den vergangenen Monaten hatte die Polizei für die Veranstaltung aufgearbeitet. Für ihren Einsatz erhielten die Geehrten jeweils eine Urkunde sowie eine kleine Anerkennung. Wie Christoph Seibert, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, erklärte, sei die Veranstaltung für viele der Beteiligten emotional: „Das Erlebte lebt noch einmal neu auf. Gleichzeitig ist es für viele ein wichtiger Abschluss – verbunden mit echter Wertschätzung.“

Von Lebensrettern bis zu entscheidenden Zeugen

Gleich sechs Frauen wurden für ihren beherzten Einsatz nach einer Messerattacke in Bad Hersfeld ausgezeichnet: Jule Schmoll, Carolin Aßmann, Susanne Werner, Alisa Denhardt, Michaela Winkelhardt und Melanie Lamm. Dank ihrer schnellen und professionellen Erste-Hilfe-Maßnahmen überlebte ein junger Mann trotz lebensgefährlicher Stichverletzungen. Die Rechtsmedizin geht davon aus, dass der Mann ohne ihr Eingreifen nicht überlebt hätte.

Marcel Schneider und Felix Appel wurden für ihren Einsatz bei einem Scheunenbrand in Wartenberg-Angersbach geehrt. Die beiden jungen Männer alarmierten nicht nur umgehend die Rettungskräfte, sondern warnten auch Anwohner und suchten trotz Rauchentwicklung nach möglichen Personen in der Scheune. Zwar konnten Gebäude nicht gerettet werden, doch es gab keine schwer verletzten Menschen.

Besonders eindrücklich war auch der Fall von Bettina Schulz. Die Fuldaerin wurde Zeugin eines tödlichen Messerangriffs in einer Spielothek. Trotz der Ausnahmesituation behielt sie einen kühlen Kopf, hielt den Täter durch geschickte Kommunikation vor Ort und versorgte die Polizei mit wichtigen Informationen. Der Täter wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.

Manuel Deigert und Hartmut John verhinderten im November 2025 in Schweben einen folgenschweren Schritt, als sie eine Frau in psychischem Ausnahmezustand aus einem Gewässer retteten. Und auch Matthias Heil bewies großen Mut: Nach einem schweren Verkehrsunfall auf der A66 half er einer eingeklemmten Autofahrerin, die stundenlang unentdeckt geblieben war, und leitete die Rettung ein.

„Zivilcourage beginnt oft im Kleinen“

Tegethoff machte deutlich, dass Zivilcourage nicht bedeute, sich selbst in Gefahr zu bringen. „Oft reicht es schon, Polizei oder Rettungskräfte zu verständigen oder bei Ungerechtigkeit für andere einzustehen.“ Alle Geehrten verbinde eines: Sie hätten hingesehen und gehandelt.

Die Veranstaltung solle ein Zeichen setzen – für eine Kultur des Miteinanders. „Lassen Sie uns eine Gesellschaft sein, in der wir uns aufeinander verlassen können“, appellierte der Polizeipräsident. Die ausgezeichneten Osthessen seien dafür „leuchtende Beispiele“.

Zum Abschluss kamen Geehrte, Einsatzkräfte und Gäste bei einem gemeinsamen Gruppenfoto und Gesprächen zusammen – mit der Hoffnung, dass diese Geschichten andere ermutigen, im entscheidenden Moment ebenfalls nicht wegzuschauen.

Polizeipräsident ehrt Zivilcourage. Fotos: Silas Messing.