Lokales FD 29.01.2026

Leichen im Wald bei Richelsdorf entsorgt – Auftakt im Mordprozess

Fulda – Von Justin Klenner – Vor dem Landgericht Fulda startete am Donnerstagmorgen der Prozess gegen einem zur Tatzeit 50-jähriger Mann aus Thüringen. Ihm wird vorgeworfen in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni vergangenen Jahres ein ihm bekanntes, älteres und argloses Ehepaar in dessen Haus im Wildecker Ortsteil Richelsdorf mit jeweils mehreren Messerstichen getötet und die Leichen anschließend in einem nahegelegenen Waldstück abgelegt zu haben. Dabei werden dem Mann Habgier, Heimtücke und Handeln aus niedrigen Beweggründen als Mordmerkmal vorgeworfen.

Fotos: Justin Klenner.

Das Gesicht hinter einer Akte versteckt, betrat der Angeklagte in Handschellen den vollen Gerichtsaal. Freunde, Familie und Bekannte der Opfer waren gekommen, um den Mann hinter der grausamen Tat in die Augen zu blicken. Zum Prozessauftakt am Donnerstagmorgen verlas Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban die Anklage. Dem heute 51-jährigen Mann wird vorgeworfen, am Abend des 28. Juni 2025 gegen 21 Uhr zum Haus des Opferpaares im Wildecker Ortsteil Richelsdorf gefahren zu sein, um, wie telefonisch am 24. Juni vereinbart, die Fenster auszumessen. Nach der Ausmessung aß der Mann gemeinsam mit dem Ehepaar, ehe er erklärte, sich dem Abstellraum im Keller annehmen und ihn verändern zu wollen. Gegen 23 Uhr soll der Angeklagte gemeinsam mit den beiden Opfern zur Abstellkammer gegangen sein, um die weiteren Planungen zu besprechen.

Im Abstellraum angekommen, habe er zunächst den älteren Mann attackiert, der überrascht wurde und sich nicht wehren konnte, und fügte ihm mit einem Messer acht Stichverletzungen am Nacken zu. Im Anschluss überwältigte er die Ehefrau, die sich in dem kleinen Raum und unter Schock ebenfalls nicht wehren konnte, und stach zwölf Mal auf ihren Brustkorb ein. Ein Stich durchdrang den Torso und trat am Rücken aus. Beide Opfer verstarben nur kurz nach dem Angriff noch am Tatort.

Nachdem der Angeklagte das Ehepaar getötet hatte, kehrte er in das Haus zurück und suchte zunächst im Schlafzimmer nach Bargeld. Aufgrund früherer handwerklicher Aufträge war dem Mann bewusst, dass die Opfer stets Bargeld im Haus versteckten. Nachdem der Angeklagte zunächst nichts erbeuten konnte, ging er zum 40-jährigen, beeinträchtigten Sohn des älteren Ehepaars. Der Mann nahm der Anklage nach dem 40-Jährigen zunächst alle Mobiltelefone und das Festnetztelefon weg und sperrte ihn im eigenen Haus ein. Gegen 23.15 Uhr soll er das Anwesen verlassen haben, um einer Verabredung mit seiner Schwester nachzugehen. Um Mitternacht sei der Angeklagte zum Haus in Richelsdorf zurückgekehrt und habe die Leichen mithilfe eines Anhängers und Rollers der Opfer zu einem nahegelegten Waldstück transportiert. Dort legte er die Opfer etwa 15 Meter von einem Feldweg entfernt ab und verdeckte sie mit Ästen und Laub. Roller und Anhänger soll er einige Meter von den Leichen entfernt versteckt haben. Als Gründe für die Morde fügte die Staatsanwaltschaft große Geldsorgen des Angeklagten an.

Während Oberstaatsanwältin Seban die Anklage verlas, konnten Familienangehörige, Freunde und Bekannte im Gerichtssaal ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Richter Dr. Jörg Weddig belehrte den Angeklagten, keine Angaben zu den Vorwürfen machen zu müssen. Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Celsen, kündigte eine Einlassung seines Mandanten im weiteren Prozessverlauf an. Am Freitagmorgen, um 9.30 Uhr soll der Prozess fortgesetzt sein.

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