Lokales FD 05.01.2026

KI im Klinikum Fulda: Unterstützung für Diagnostik und Therapie

Fulda (sim) – Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt auch im Klinikum Fulda zunehmend an Bedeutung. Der Einsatz moderner Algorithmen konzentriert sich dabei vor allem auf hochspezialisierte medizinische Bereiche wie die bildgebende Diagnostik und die Strahlentherapie. Ziel ist es, Ärzte und medizinisches Personal zu unterstützen, die Behandlungsqualität weiter zu steigern und Prozesse sicherer und effizienter zu gestalten.

Dipl.-Phys. Dr. Michael Reinert. Foto: Klinikum Fulda.

„Der Einsatz Künstlicher Intelligenz am Klinikum Fulda fokussiert sich aktuell vor allem auf die bildgebende Diagnostik und die hochspezialisierte Therapieplanung“, erklärt Dipl.-Phys. Dr. Michael Reinert vom Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz: „In der Strahlentherapie nutzen wir bereits seit 2020 Verfahren des maschinellen Lernens, um hochpräzise individuelle Patientenmodelle zu generieren.“ Diese Modelle erlaubten es, Behandlungen vorab virtuell zu simulieren und individuell zu optimieren. Auch in anderen Bereichen spielt KI eine wichtige Rolle. „In der neuroradiologischen Diagnostik unterstützen Algorithmen auf Basis von maschinellem Lernen unsere Fachärzte dabei, komplexe Bilddaten effizient zu analysieren und Anomalien – etwa bei der Schlaganfalldiagnostik oder der Suche nach Prostatakarzinomen – sicher zu identifizieren“, so Reinert. Perspektivisch sei zudem eine vollständige Digitalisierung der Pathologie geplant, um auch dort KI-gestützte Befundungen zu ermöglichen.

Nach Angaben des Klinikums dient KI dabei nicht als Ersatz. „KI fungiert im Klinikum Fulda primär als spezifisches Assistenzsystem, das Auffälligkeiten in Bilddaten erkennt und für den befundenden Arzt farblich hervorhebt“, erläutert Reinert. Dies erhöhe insbesondere die Sicherheit und Geschwindigkeit der Diagnostik. Ein weiterer Meilenstein sei die Erstellung eines sogenannten digitalen Zwillings in der Strahlentherapie: „Die ermöglicht eine individualisierte Präzisionsmedizin auf höchstem Niveau.“ Künftig könnten KI-Systeme zudem helfen, medizinische Abläufe weiter zu optimieren. „KI-gestützt können Bilddaten, bei denen ein KI-Modell eine Anomalie erkannt hat, in der Befundung vorgezogen werden“, beschreibt Reinert eine mögliche Entwicklung. Dadurch stünden Befunde schneller zur Verfügung und könnten früher in die Therapieplanung einfließen.

„Die Patientensicherheit hat oberste Priorität“, betont Reinert. Deshalb würden alle Systeme strengen Prüfungen unterzogen: „Um eine dauerhaft hohe Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, betreiben wir die eingesetzten klinischen Algorithmen in einem sogenannten ‚eingefrorenen Zustand‘, das heißt die Algorithmen werden bei der klinischen Anwendung durch aktuelle Dateneingaben nicht weiter trainiert.“ Zudem kämen ausschließlich umfassend getestete und validierte Algorithmen zum Einsatz, wobei die endgültige Entscheidungshoheit stets beim behandelnden Arzt verbleibe.

Auswirkungen auf den Personalbestand gibt es derzeit nicht. „Der Einsatz von KI hat aktuell keinen reduzierenden Einfluss auf die Zahl des benötigten Personals“, stellt Reinert klar. Im Gegenteil binde die Einführung und Überwachung der Systeme zusätzliche Ressourcen. „Das Ziel der Technologie ist nicht der Ersatz von Fachkräften, sondern die Steigerung der Behandlungsqualität und die Entlastung des Personals von zeitintensiven, repetitiven Analyseaufgaben“, so Reinert. Mit Blick in die Zukunft sieht das Klinikum großes Potenzial. „Wir stehen vor einer Ära, in der KI-Anwendungen die Medizin in den nächsten fünf bis zehn Jahren grundlegend und nachhaltig verändern werden“, so Reinert. Neben medizinischen Anwendungen seien auch technische Lösungen in der Logistik denkbar, etwa durch Robotik in Reinigung oder Service. Das Klinikum Fulda beobachte diese Entwicklungen aufmerksam, um die Chancen der Digitalisierung gezielt für eine moderne und patientenorientierte Versorgung zu nutzen.