Lokales FD 15.01.2026

Jahresempfang in Poppenhausen – Weiterentwicklung im Fokus

Poppenhausen (sk) – Zum traditionellen Jahresempfang hatten, erstmals im jeweiligen Amt, Bürgermeisterin Alexandra Ballweg und die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Irmtraud Becker, geladen. Es wurde dann weniger ein Rückblick, sondern mehr eine Einladung, um gemeinsam zu philosophieren, wie sich Poppenhausen und insbesondere der Ortskern weiterentwickeln können. Impulse dazu gab auch Alexandra Bub, Architektin in Hamburg und gebürtig aus Poppenhausen.

Die Vorsitzende der Gemeindevertretung Irmtraud Becker (Vierte von links) und Bürgermeisterin Alexandra Ballweg (Fünfte von rechts) luden zum traditionellen Jahresempfang ins Bürgerhaus Poppenhausen. Foto: Stefan Krug

Neu war auch das Format der Veranstaltung. Ein Vierteljahrhundert hatte Ex-Bürgermeister Manfred Helfrich die Veranstaltung geleitet. Alexandra Ballweg moderierte nun im Dialog mit Irmtraud Becker. Ganz ohne Rückblick blieb es dann aber doch nicht. Becker erwähnte die im letzten Jahr fertiggestellten Radwege und Erweiterungen der Feuerwehrhäuser in Steinwand und Abtsroda.  Und natürlich die Neuwahl der Bürgermeisterin. Dazu Ballweg: „Persönlich war 2025 für mich extrem spannend.” Sie habe kandidiert, weil sie an eine „Demokratie der Nähe” glaube.  Demokratie beginne nicht bei Wahlen und großen Entscheidungen:  „Sie beginnt dort, wo alle Menschen gehört werden. Wo Vielfalt sichtbar ist, wo Meinungen zählen und Konflikte fair ausgetragen werden.” Menschen müssten dabei erleben: „Ich werde gesehen. Ich werde ernstgenommen. Ich kann etwas bewirken. Meine Stimme zählt, auch in einem vollen Alltag.” Um „das zu schaffen” lud die Bürgermeisterin schon gleich zu Anfang alle zur Bürgerversammlung im Rahmen der Dorfmoderation zur Innenentwicklung am 5. Februar ein.

Der Ausblick konnte kaum auskommen ohne Blick auf die Kommunalwahlen am 15. März. Dahingehend zeigte sich Alexandra Ballweg erfreut, dass die Wähler eine echte Auswahl an verschiedenen Personen und Parteien haben:  „Denn was unsere Gemeinde stark macht, sind die Menschen selbst, die Verantwortung übernehmen und gestalten. In Poppenhausen wollen wir nicht nur zuschauen, sondern mittendrin sein in jeder Hinsicht.”  Mit dem Begriff „mittendrin” wurde dann übergeleitet zum Thema Innenentwicklung. Gerade rund um den Markplatz gebe es Leerstand und neue Bedürfnisse und Anforderungen, denen die dortigen Gebäude nicht immer gerecht werden. Ballweg sprach sich dabei gegen Abriss und Neubau aus.  Auch weitere Neubaugebiete betrachtete sie eher kritisch: „Die Bevölkerungszahl in Poppenhausen ist seit den 80er Jahren moderat um zwölf Prozent gestiegen, jedoch der Flächenverbrauch pro Person um 50 Prozent. Das hat Folgen. Nicht nur in puncto Nachhaltigkeit, sondern auch bei den allgemeinen Kosten und vor allem bei den Folgekosten für die Gemeinde.”

Hier setzte dann der Vortrag „Weiterbauen statt Abreißen - Architektur, die Dorfkerne neu belebt” von Alexandra Bub an. Diese ist gebürtige Poppenhäuserin und lebt und arbeitet heute in Hamburg. Eines ihrer ersten Projekte als Architektin war die Friedhofshalle in Poppenhausen. Als Mitglied vom Gestaltungsbeirat von Kiel und Preisrichterin bei Architekturwettbewerben hat sie eine große Expertise bezüglich dieses Themas. Mit den Schwerpunkten Umbau und Sanierung unter Berücksichtigung regionaler und historischer Bezüge mit dem Ziel eines nachhaltigen Bauens zeigte sie an verschiedensten Projekten, wo dies umgesetzt wurde.  Angefangen bei ihrem eigenen Wohn- und Arbeitsplatz, einem sanierten niederdeutschen Fachhallenhaus aus 1789 – ein Bild vor der Sanierung nannte sie selbst ein „Schockerbild”. Bub nannte als einen Grund der Sanierung: „Ich bin ein Fan davon, alten Gebäuden ihre Würde zurückzugeben.” Mit weiteren Fotodokumentationen eigener Projekte und auch von Kollegen zeigte sie gelungene Beispiele sowohl von der Sanierung von Gebäuden, darunter der Umgestaltung von Scheunen zu Mehrfamilienhäusern, als auch ganzer Straßen und sogar Orte. Es gehe dabei nicht immer nur um den Erhalt alter Bausubstanz. Beim „Schwoabs Hof” in Dipperz sei beispielsweise nur das alte Wohnhaus des Dreiseithof erhalten worden. Trotzdem sei die Beibehaltung der alten Gebäudeanordnung in einem Mehrgenerationenprojekt mit 21 Mietparteien ein gelungenes Beispiel zum Erhalt des Ortsbilds mit generationenübergreifendem Wohnen:  „Es wurde dabei auch nur ein Drittel der Fläche benötigt im Vergleich zu Einfamilienhäusern.” Zum Abschluss bezeichnete Bub ihren Vortrag als „Einladung, das Potential zu sehen und sich bei der Dorfmoderation zu beteiligen”.

Musikalisch begleitet wurde der Vortrag vom Jugendchor Poppenhausen unter Leitung von Karin Mayle-Polivka und Frank Tischer, ebenfalls aus Poppenhausen und international bekannter Musiker. Dieser gab auch einen Vorgeschmack auf die im Sommer geplante “Nacht der Harmonie” mit einem humorvoll gehaltenen Vortrag zum Ursprung der Sternbilder der Großen Bärin und des Kleinen Bären - aus der griechischen Mythologie als hinaufgeschleuderte Gefährtin und Sohn des Göttervaters Zeus. Dazwischen brachte Sebastian Scheuthle, Schauspieler und Komiker und, wenn auch nicht in dieser Funktion vor Ort, beschäftigt bei der Gemeinde, das Publikum zum Lachen.