Auf dem Programm standen die Grußworte von IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt und Landrat Bernd Woide. Als Gastredner sprach Markus Gürne zum Thema „Zeitenwende 2.0 – Europas Rolle in einer veränderten Welt“. Der Jahresempfang, geleitet von Hauptgeschäftsführer Michael Konow und Präsident Dr. Christian Gebhardt, bot einen würdigen Rahmen für den Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt nutzte sein Grußwort für einen deutlichen Reformappell. Staatlich finanziertes Wachstum auf Kredit sei kein tragfähiges Modell für die Zukunft. „Dieses Wachstum ist gekauft. Es beruht nicht auf Produktivität und Innovation, sondern auf Schulden“, sagte Gebhardt. Die Folgen seien steigende Zinsen, wachsende Belastungen für kommende Generationen und ein sinkender Spielraum für Investitionen. 2026 müsse daher „ein Jahr der Reformen“ werden.
Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zeigte sich Gebhardt besorgt. Die Deindustrialisierung sei auch regional spürbar, Insolvenzen nähmen zu, Investitionen blieben aus. Notwendig seien Entlastungen bei Steuern, Energie- und Arbeitskosten sowie ein konsequenter Bürokratieabbau. Gleichzeitig verwies Gebhardt auf positive Entwicklungen wie steigende Gründungszahlen und die Stärke des mittelständisch geprägten Wirtschaftsraums Osthessen.
Landrat Bernd Woide stellte die wachsende Unsicherheit in den Mittelpunkt seines Grußwortes. Internationale Krisen und geopolitische Spannungen führten zu Vertrauensverlust – auch im Alltag der Menschen. „Diese Unsicherheit spüren wir in den Betrieben, in der öffentlichen Verwaltung und in den Familien“, sagte Woide.
Zugleich erinnerte der Landrat daran, dass Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit seien. „Wir leben seit Jahrzehnten in Frieden. Das ist historisch betrachtet keine Normalität“, betonte Woide. Gerade deshalb sei es wichtig, für Demokratie und Rechtsstaat einzustehen – auch wenn staatliches Handeln nicht immer reibungslos funktioniere.
Deutlich wurde Woide beim Thema Sozialausgaben. Der Haushalt des Landkreises Fulda umfasse in diesem Jahr rund 515 Millionen Euro, davon entfielen rund 330 Millionen Euro auf steuerfinanzierte soziale Leistungen. Diese Strukturen seien langfristig nicht mehr finanzierbar. Der Sozialstaat müsse modernisiert werden, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus dem Blick zu verlieren. Zugleich verwies Woide auf Investitionen wie den weiteren Glasfaserausbau als positives Signal für die Zukunft der Region.
Gastredner Markus Gürne sprach zum Thema „Zeitenwende 2.0 – Europas Rolle in einer veränderten Welt“. Er ordnete die aktuellen globalen Umbrüche ein, die von geopolitischen Machtverschiebungen über wirtschaftliche Abhängigkeiten bis hin zum internationalen Wettbewerb um Technologie und Künstliche Intelligenz reichten. „Wir erleben keine Aneinanderreihung von Krisen, sondern einen grundlegenden Wandel der Weltordnung“, sagte Gürne.
Europa und Deutschland müssten ihre wirtschaftliche Stärke gezielt einsetzen. „Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Leistung, Innovation und klaren Entscheidungen“, so Gürne. Zugleich warnte er vor den Folgen von Desinformation und betonte die Rolle unabhängiger Medien: „In Zeiten wachsender Unsicherheit ist verlässliche Information ein Standortfaktor.“
Trotz aller Herausforderungen zeigte sich der Journalist zuversichtlich. Die Welt stehe vor einer Zeitenwende, doch Panik sei kein guter Ratgeber. „Die Welt geht auch dieses Mal nicht unter“, sagte Gürne. Entscheidend sei, wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit den neuen Realitäten umgingen. Im Anschluss nutzten die Gäste den Jahresempfang zum persönlichen Austausch bei einem kleinem Imbis.
