Lokales FD 02.01.2026

Hülsenfrüchte: Chancen für nachhaltige Landwirtschaft

Niederrode (pm/pf) – Volles Haus in Niederrode: Bei einer Informationsveranstaltung der Ökomodell-Region Fulda und des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld informierten sich knapp 40 Landwirtinnen und Landwirte über die Anforderungen und Chancen des regionalen Anbaus von Hülsenfrüchten. Mit einem Mix aus Fach-Vorträgen und persönlichem Erfahrungsaustausch wollten die Veranstalter Wissenslücken schließen und gedankliche Hürden überwinden. Denn richtig angegangen haben die Kulturen großes Potenzial.

Der Landkreis Fulda eignet sich gut für den Anbau von Sommer-Erbsen. Im Bild zu sehen sind Winter-Erbsen in der Region Kassel. Foto Julian Ingenbleek, LeguNet

Kichererbsen, wie sie im Raum Hanau bereits angebaut werden, könnten aufgrund sich ändernder Klimaverhältnisse langfristig auch im Landkreis Fulda eine Option werden. Foto: Julian Ingenbleek, LeguNet

Der Anbau von Hülsenfrüchten wie Erbsen, Linsen und Sojabohnen ist in Deutschland immer noch eine Randerscheinung. Gerade mal 2,5 Prozent aller Ackerflächen werden dafür genutzt. Und auf nur schätzungsweise 10 bis 20 Prozent davon wachsen Kulturen, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind. Alle anderen landen in den Trögen von Schweinen, Hühnern und Rindern. Denn obwohl Hülsenfrüchte aus landwirtschaftlicher Sicht viele Vorteile bringen – sie verbessern die Böden, brauchen kaum Dünger und kommen auch mit Wetterextremen klar –, trauen sich viele Landwirtinnen und Landwirte noch nicht so richtig heran. Der Anbau erfordert viel Wissen und Durchhaltevermögen, wenn die Pflanzen auf den Tellern von Verbraucherinnen und Verbrauchern landen sollen. Gleichzeitig ist deren Interesse an nachhaltigen Lebensmitteln und pflanzlicher Ernährung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Projekte wie „Heldenbohne“ und das Leguminosen-Netzwerk „LeguNet“, die den Anbau, die Verarbeitung und die Verwendung von regional erzeugten Hülsenfrüchten stärken wollen, befördern diesen Trend. Diese Entwicklung der Nachfrageseite birgt eine große Chance auch für hiesige Erzeuger, die angesichts des Klimawandels, aber auch sich verändernder Strukturen langfristig umdenken müssen, wie Sebastian Schramm vom Kreisbauernverband ausführte.

Welche Sorten von Hülsenfrüchten im Landkreis Fulda Potenzial haben, was anbautechnisch beachtet werden muss und welche Förder- und Vermarktungsmöglichkeiten es gibt, erfuhren die Teilnehmenden des Abends in verschiedenen Fachvorträgen. Es folgten Erfahrungsberichte von zwei landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Kreisen Waldeck-Frankenberg und Vogelsberg. Ihr Fazit: Einfach ist es nicht, aber mit dem nötigen Know-how, der richtigen Technik, einem hohen Qualitätsanspruch und einer durchdachten Bündelung lassen sich gute Erträge aus Erzeugnissen mit viel Zukunftspotenzial generieren. Gerade der Markt der Außer-Haus-Verpflegung bietet hierbei enorme Chancen, berichtete Moritz Schäfer aus Schwalmtal. Sein Unternehmen Ökosaat Hessen e. K. bietet die Reinigung und Aufbereitung von verschiedenen Druschfrüchten in Bioqualität – darunter auch Hülsenfrüchte – im Lohn an. Mit seinen Kapazitäten und Vermarktungsmöglichkeiten ist es einzigartig in Hessen und ein wichtiger Akteur in der Wertschöpfungskette.

Nach den Vorträgen bot der Abend viel Raum zum Netzwerken. Es wurden Fragen beantwortet und neue Kontakte geknüpft. Auch wenn die Förderung der Ökomodell-Region Ende des Jahres regulär ausläuft, wollen Landkreis Fulda und Kreisbauernverband weiter an dem Thema dranbleiben. „Gerade fehlende Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen könnten mit einem zukünftigen neuen Förderprogramm des Landes Hessen unterstützt werden“, sagt Janet Emig vom Landkreis Fulda. Denkbar sind auch gemeinsame Veranstaltungen oder die Einrichtung von Demonstrationsbetrieben in Zusammenarbeit mit dem LeguNet.