Lokales FD 30.01.2026

Fulda und Geschichtsverein trauern um Ex-Stadtarchivarin Dr. Wehner

Fulda (pm/sim) – Die Stadt Fulda und der Fuldaer Geschichtsverein trauern um die langjährige Stadtarchivarin Dr. Rita Wehner. Sie ist am 21. Januar im Alter von 93 Jahren verstorben. Von 1976 bis 1998 leitete sie das Stadtarchiv und prägte dessen Arbeit über mehr als zwei Jahrzehnte nachhaltig.

Die Stadtarchivarin in ihrem Element: Dr. Rita Wehner (Zweite von links) mit dem damaligen OB Dr. Wolfgang Hamberger (links) sowie dem ehemaligen Stadtbaurat Hans Nüchter (mit Ehefrau Edeltraud Nüchter) im Jahr 1988. Damals übergab Nüchter Akten und Unterlagen aus seiner Amtszeit an das Stadtarchiv. Fotos: Stadtarchiv Fulda/Hubert Weber

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld würdigte die Verdienste Wehners in einem Nachruf. „Neben ihrer Pionierarbeit im Archiv, zu Beginn noch unter heute kaum vorstellbaren räumlichen Bedingungen, hat sich Frau Dr. Wehner insbesondere um die Erforschung und Popularisierung der Stadtgeschichte verdient gemacht“, betonte Wingenfeld. Unzählige Schulklassen habe sie durch das Archiv geführt und Geschichte damit anschaulich vermittelt.

Besonders engagiert war Wehner auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläumsjahres 1994 zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt Fulda. „Wichtige Publikationen im Vorfeld der Feierlichkeiten, aber auch die Gestaltung des Festzugs wären ohne ihre Zuarbeit kaum vorstellbar gewesen“, so der Oberbürgermeister. Vielen Nutzerinnen und Nutzern sei sie als herzliche und kompetente Begleiterin durch die Fuldaer Geschichte in Erinnerung geblieben.

Auch der Fuldaer Geschichtsverein würdigte das Wirken der ehemaligen Stadtarchivarin. „Als langjährige Leiterin des Stadtarchivs hat sie sich um unsere Arbeit in hohem Maße verdient gemacht“, erklärte der erste Vorsitzende Gerhard Möller. Zahlreiche Arbeiten zur Stadt- und Landesgeschichte habe sie angeregt und begleitet. Von 1990 bis 2001 war Wehner Mitglied im Vorstand des Vereins. 2018 wurde sie mit der Cuno-Raabe-Plakette ausgezeichnet. Bis ins hohe Alter habe sie die historische Forschung mit großem Interesse verfolgt. „Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke. Unsere Dankbarkeit bleibt über den Tod hinaus“, so Möller.

Dr. Rita Wehner wurde am 9. Januar 1933 als Tochter des Kaufmanns Eugen Wehner in Fulda geboren und wuchs in der Löherstraße auf. Nach dem Abitur an der Marienschule im Jahr 1953 studierte sie in Marburg, Würzburg und Bamberg Geschichte, geschichtliche Hilfswissenschaften und Deutsche Volkskunde. Ihre Dissertation verfasste sie bei Professor Otto Meyer in Würzburg über die mittelalterliche Gottesdienstordnung des Stifts Haug.

Nach dem Abschluss ihrer Promotion im Jahr 1975, der sich aufgrund gesundheitlicher Probleme verzögert hatte, bewarb sich Wehner bei der Stadt Fulda. Sie wurde als erste hauptamtliche Archivarin eingestellt und trat damit die Nachfolge von Robert Pessenlehner an, der die Archivarbeit zuvor nebenberuflich ausgeübt hatte.

Zu Beginn war das Stadtarchiv noch in beengten Räumen im Stadtschloss untergebracht. Unter Wehners Leitung erfolgte später der Umzug in das Palais Buttlar sowie eine umfassende Neustrukturierung der Bestände. Zudem baute sie ein Bildarchiv auf und legte erste Grundlagen für die Digitalisierung im Archivwesen. Mit Dr. Rita Wehner verliert Fulda eine engagierte Hüterin seiner Geschichte, die Generationen für die Vergangenheit der Stadt begeistert hat.