Wolfgang Bleuel, Inhaber der Fahrschule Weber in Fulda, sieht die Pläne von Verkehrsminister Patrick Schnieder äußerst skeptisch. „Grundsätzlich sind wir mit den Anmeldezahlen im ersten Drittel des Januars zufrieden. Wenn wir das Vorjahr betrachten, sind wir auf jeden Fall im Soll“, erklärt Bleuel zunächst zur aktuellen Lage seiner Fahrschule. Eine mangelnde Nachfrage gibt es nicht, auch wenn einige auf eine Preissenkung warten.
Dass die geplante Reform tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt, bezweifelt er jedoch deutlich. „Dass die Fahrschule günstiger wird, sehe ich nicht. Das, was Verkehrsminister Patrick Schnieder plant, ist ohne Hirn und Verstand“, sagt Bleuel unverblümt. Auch im Ministerium selbst sei offenbar Ernüchterung eingekehrt: „Das ist ihm ja selber auch schon aufgefallen, er rudert bereits zurück und spricht jetzt erst von Anfang 2027.“
Ein zentraler Punkt der Reform ist die Verschlankung der Theorieprüfung: Statt bisher rund 1170 Fragen soll es künftig etwa ein Drittel weniger geben. Für Bleuel greift dieser Ansatz zu kurz. „Ob man nun 1200 Fragen lernt oder 800 – wenn jemand durch die theoretische Prüfung fällt, hat das etwas mit dem Lernen zu tun und nicht mit der Anzahl der Fragen“, betont er.
Auch der verstärkte Einsatz von Fahrsimulatoren, der Kosten sparen und gleichzeitig CO? reduzieren soll, sieht der Fuldaer Fahrlehrer kritisch. „Wenn wir uns jetzt einen hochwertigen Simulator anschaffen müssen, wird das ebenfalls nicht günstiger. So ein Simulator kostet mindestens 20.000 Euro – und die Stunden wären natürlich auch nicht kostenlos.“ Hinzu kämen steigende Spritpreise, die ebenfalls in die Kalkulation einfließen müssten. „Deshalb bin ich der Meinung, dass die Fahrstunden so nicht günstiger werden.“
Aus Sicht von Bleuel gibt es nur zwei realistische Wege, um die Kosten für den Führerschein tatsächlich zu senken. Der erste Ansatz beginne lange vor der Fahrschule: beim Lernverhalten. „Strukturiertes Lernen und eine gewisse Grundorganisation müssen vorher schon gegeben sein. Das lernen viele heute nicht mehr ausreichend in der Schule – und das fällt immer häufiger auf“, sagt er. Teilweise dauere es ein halbes Jahr, bis Fahrschüler ihre Unterlagen vollständig abgeben. „Unter diesem Anspruch wird dann auch für den Führerschein gelernt“, ergänzt Bleuel weiter.
Dabei sieht Bleuel auch die Eltern in der Pflicht. „Das Elternhaus muss stärker einbezogen werden, und das versuchen wir auch. Ich kann nicht kontrollieren, ob jemand zu Hause lernt. Wenn es anders nicht funktioniert, muss dort angesetzt werden.“ Sein Appell an die Fahrschüler ist klar: „Sie möchten wie Erwachsene behandelt werden, was selbstverständlich ist. Dann müssen sie aber auch wie Erwachsene handeln und ihre Aufgaben erledigen.“
Der zweite Ansatz wäre aus seiner Sicht politischer Natur: „Der Staat könnte den Führerschein – ähnlich wie bei Lastkraftfahrern – als Ausbildung anerkennen.“ In diesem Fall könnte die Mehrwertsteuer entfallen oder zumindest reduziert werden. „Bei einem Führerscheinpreis von 3500 Euro würden so etwa 600 Euro wegfallen“, rechnet Bleuel vor. Allerdings sei fraglich, ob die Regierung bereit wäre, auf diese Steuereinnahmen zu verzichten.
Während das Verkehrsministerium betont, der Führerschein dürfe kein Luxusgut sein – vor allem im ländlichen Raum, wo Bus und Bahn oft keine Alternative sind –, zeigt sich aus der Fahrschulpraxis Ernüchterung. Ob die geplanten Reformen tatsächlich zu günstigeren Preisen führen, bleibt offen. Für Wolfgang Bleuel ist klar: „Mit weniger Fragen, kürzeren Prüfungen und teurer Technik allein wird der Führerschein nicht billiger.“
