Für Giemza beginnt ein neues Kapitel – ähnlich wie für Barockstadt vor einem knappen halben Jahr. Der Trainer hat bereits einige Stationen hinter sich: Neben den Bambinis trainierte er eine A-Jugend und zuletzt den Kreisoberliga-Absteiger SpVgg Bimbach. „Ich habe schon vieles durch. Aber ein Frauenteam noch nicht“, freute sich Giemza. Nachdem der Coach im November nach sechseinhalb Jahren in Bimbach zurückgetreten war, gab beinahe zeitgleich Marcel Roßdeutscher seinen Rücktritt bei den Frauen der Barockstadt bekannt. Daraufhin kontaktierte Christian Geisendörfer aus dem SGB-Vorstand den scheidenden Trainer. „Er hat mir gesagt, dass es gut passen sollte. Ich habe direkt gemerkt, wie ernst es ist und wie ambitioniert die Mannschaft ist“, erklärt Giemza.
Seine erste Station als Trainer eines Frauenteams geht der 41-Jährige entspannt an, auch wenn es zu der ein oder anderen Umstellung kommen wird. „Letztlich geht es immer ums Gleiche: 22 Spielerinnen rennen einem Ball hinterher“, schmunzelte er. Am Montag bittet Giemza erstmals auf den Platz. „Das Ziel ist es, uns schnellstmöglich kennenzulernen, ein Spielsystem zu festigen und so schnell wie möglich nichts mit dem Tabellenkeller zu tun zu haben“, erklärt der Coach. In der Vorbereitung sollen die Grundsteine für eine erfolgreiche Restrunde gelegt werden. „Die Basics stehen zuerst. Danach steigern wir uns nach und nach.“
Auch wenn er den ein oder anderen Namen der Spielerinnen durch Freunde, Bekannte oder Verwandte kennt, freut sich der neue Coach bereits auf das persönliche Kennenlernen. In Bimbach war der Familienvater sehr eingebunden, weswegen er sich bislang nur wenig mit anderen Themen, insbesondere dem Frauenfußball, beschäftigt hatte. „Das eine oder andere hat man aber natürlich trotzdem mitbekommen“, sagt er.
Mit der TSG Lütter, dem TSV Pilgerzell, der SG Freiensteinau, dem TSV Poppenhausen und der SG Barockstadt (zuvor noch als SV Gläserzell aktiv) hat der Frauenfußball in Osthessen in den vergangenen Jahren deutlich an Zuspruch gewonnen. Die Zukunft ist jedenfalls gesichert: Die Region kann sich auf einige talentierte Nachwuchsfußballerinnen freuen, wie die B-Juniorinnen der SG Pilgerzell/Barockstadt zeigen. Aktuell steht das Nachwuchsteam in der Fußball-Hessenliga an der Tabellenspitze – noch vor Kickers Offenbach und Dortelweil.
Vor der Saison fusionierte der SV Gläserzell mit der SGB. Das Ziel war es, talentierten Fußballerinnen aus Osthessen die Möglichkeit zu bieten, höherklassigen und ambitionierten Fußball in der Heimat zu spielen. Die Barockstadt möchte künftig den Weg zurück in die Regionalliga angehen. „Wir wollen mit Infrastruktur den Mädels etwas bieten“, erklärt Giemza. Sportlich seien allerdings noch einige Schritte notwendig.
Aktuell steht die SGB auf dem siebten Tabellenplatz der Hessenliga. Im vergangenen Jahr hatten die Fußballerinnen aus Lütter nach der Meisterschaft die Möglichkeit, den Schritt in die Regionalliga zu wagen. Diesen nahmen sie unter anderem aus Kostengründen nicht wahr. Gerade im Frauenfußball sei das Sponsoring eher zurückhaltend und dennoch ein wichtiger Faktor, um den Weg in die Regionalliga zu wagen. Dabei sei der Aufwand, den die Spielerinnen, das Trainerteam und der Verein aufbringen müssen, derselbe wie bei den Männern. „Die meisten sind noch berufstätig, da muss man schauen, wie und ob man das schafft“, so der Coach, der allerdings noch nichts von der Regionalliga hören möchte. „Das ist alles Zukunftsmusik. Wir sind im Hier und Jetzt und müssen unsere Hausaufgaben machen.“
