Zu Beginn begrüßten Bernhard Keller, der Moderator des Nachmittags, und Sebastian Sander die Anwesenden. Keller hieß Bürgermeister Florian Fritsch, zahlreiche Mandatsträger sowie viele ehrenamtlich Engagierte willkommen. Er würdigte insbesondere Menschen, die Verantwortung übernehmen und oft im Hintergrund wirken. „Unsere Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen – still, verlässlich und mit großem Einsatz“, sagte Keller. Der Mittelstand sei das Rückgrat der Wirtschaft, zugleich warnte er vor Desinformation: „Ohne seriöse Pressearbeit wird Zusammenhalt schwierig. Fake News spalten – Engagement verbindet.“
Sebastian Sander blickte in seiner Rede auf das vergangene Jahr zurück und formulierte Leitlinien für die Zukunft. Gemeinschaft, Ehre und Wille seien die Werte, die das Vereins- und Gemeindeleben tragen. „Gemeinschaft ist das, was uns heute alle hier zusammenbringt – egal ob Verein, Betrieb oder Politik“, betonte Sander. Beim Thema Ehrenamt wurde er konkret: „Ohne Ehrenamt gäbe es kein Vereinsleben, keine Feuerwehr, keine Jugendarbeit. Das funktioniert nur, weil Menschen bereit sind, aufzustehen, wenn andere schlafen.“
Bürgermeister Florian Fritsch stellte das Ehrenamt als Fundament der Bürgergesellschaft heraus. „Ehrenamt ist kein Hobby, es ist die Grundlage unseres Zusammenlebens“, sagte er. Demokratie beginne nicht in Berlin oder Wiesbaden, sondern „hier vor Ort – in den Vereinen, in der Gemeinde, im Ehrenamt“. Mit Blick auf die Kommunal- und Bürgermeisterwahlen 2026 rief er zur Beteiligung auf: „Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Dialog und davon, unterschiedliche Meinungen auszuhalten.“ Auch wirtschaftliche Entscheidungen sprach Fritsch offen an: „Die Erhöhung der Gewerbesteuer war kein leichter Schritt, aber notwendig, um handlungsfähig zu bleiben und in unsere Zukunft zu investieren.“
Bundestagsabgeordneter Michael Brand warnte in seinem Grußwort vor Resignation. „Die größte Gefahr für unsere Demokratie ist nicht der Streit, sondern die Resignation“, sagte Brand. Jeder Einzelne könne etwas bewirken – im Verein, im Ehrenamt oder im Alltag. Mit Blick auf den Ehrengast des Nachmittags betonte er: „Stepi steht wie kaum ein anderer für Zuversicht und Durchhaltevermögen.“
Den Abschluss der Grußworte gestaltete Pfarrer Hartel mit einem nachdenklichen Impuls. „Wir gehören alle zu einer Menschheitsfamilie“, sagte er und rief dazu auf, Verantwortung füreinander zu übernehmen und Gemeinschaft aktiv zu leben.
Der Auftritt von Dragoslav „Stepi“ Stepanovic war in eine Podiumsunterhaltung eingebettet, durch die Jonas Schulte führte. Mit fundiertem Fachwissen, gezielten Fragen und charmantem Humor gelang es ihm, nicht nur das Publikum zu begeistern, sondern auch Stepanovi? selbst. Dieser lobte ausdrücklich die Vorbereitung des Moderators und stellte anerkennend fest, „wie gut vorbereitet“ Schulte sei – ein Moment, der für sichtliche Heiterkeit im Saal sorgte.
Stepanovic sprach ohne Manuskript über seine Karriere, über Rückschläge und Neuanfänge und schlug mühelos die Brücke zwischen Profifußball und Alltag. „‚Lebbe geht weider‘ ist kein Spruch, den man aufsagt. Das ist eine Haltung fürs Leben“, stellte er klar. Rückschläge seien unvermeidlich, entscheidend sei der Umgang damit: „Du darfst enttäuscht sein, aber du darfst nicht stehen bleiben. Das Leben wartet nicht auf dich.“
Er nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch seine Biografie – von den Anfängen in Jugoslawien über seine Zeit als Spieler und Trainer in Deutschland bis hin zu internationalen Stationen. Dabei verschwieg er auch schwierige Phasen nicht. „Ich bin oft gefallen. Aber ich bin jedes Mal wieder aufgestanden“, sagte er.
Besonders prägend sei für ihn die Erziehung durch seine Mutter gewesen. „Meine Mutter hat immer gesagt: Jedes Problem musst du sofort angehen. Wenn du wartest, wird es größer“, berichtete Stepanovic. Diese Haltung habe ihn durch seine gesamte Karriere getragen – auf dem Fußballplatz ebenso wie im Leben.
Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der Arbeit mit jungen Menschen. „Ohne Leidenschaft, Disziplin und Teamgeist geht es nicht. Das gilt im Fußball genauso wie im Leben“, sagte Stepanovic und würdigte ausdrücklich das Engagement in den Vereinen: „Was Ehrenamtliche leisten, ist unbezahlbar. Ohne sie gäbe es keine Jugendmannschaften, keine Vorbilder und keine Zukunft.“
Mit spürbarer Wärme und viel Humor sprach Stepanovic über Teamgeist, Zusammenhalt und Respekt. Er erzählte von Begegnungen mit Weggefährten und besonderen Momenten seiner Laufbahn – darunter auch von seinem Einsatz beim Abschiedsspiel von Pelé im Maracanã-Stadion. „Damals denkt man nicht darüber nach. Erst später merkt man, wie besonders solche Augenblicke waren“, sagte er. Der langanhaltende Applaus zeigte, dass Stepanovic mit seiner Mischung aus Bodenständigkeit, Ehrlichkeit und Optimismus viele Zuhörer erreichte.
Der Neujahrsempfang endete mit Gesprächen und Begegnungen – und mit einer Botschaft, die über den Nachmittag hinaus Bestand haben dürfte. „Ich gebe nicht auf. Solange ich kann, gehe ich weiter“, sagte Stepanovic. Ein Satz, der genau das verkörpert, wofür er seit Jahrzehnten steht: Lebbe geht weider.
