Lokales FD 28.01.2026

Debatte um Grillenburg-Nutzung – „Bevormundung des Stadtbaurats“

Lehnerz (pn) – „Wir wissen nicht, wie es mit der Grillenburg weitergeht. Aber die gute Nachricht: Der Stadtbaurat weiß es auch nicht.“ Zu diesem Fazit kam Stefan Euler, Ortsvorsteher von Lehnerz, bei der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend. In dem großen Saal der Grillenburg hatten sich rund 60 Bürgerinnen und Bürger versammelt, um sich über die heiß diskutierte Zukunft der Grillenburg zu informieren. Als Ergebnis konnten dabei jedoch nur die Aussicht auf konstruktive Gespräche und Planungen mit der Stadt festgehalten werden.

Fotos: Paula Nöllenheidt

Die Zukunft der Grillenburg bewegt die Menschen in Lehnerz. Foto: Christine Görlich

Ortsvorsteher Euler zeigte sich begeistert über das große Interesse, wodurch deutlich werde, dass die Zukunft der Grillenburg den Stadtteil weiterhin stark bewege. Zu Beginn stellte Euler die Frage: „Warum knallt es hier eigentlich so?“ und zeichnete zuerst die konfliktreiche Einwicklung der vergangenen Jahre nach. Somit sei bereits 2016 die Diskussion über die Zukunft der Grillenburg im Gespräch gewesen, zum „Spielball“ verschiedener Konzepte von Ortsbeirat und Stadtverwaltung sei das Gebäude jedoch erst nach dem Ende der gastronomischen Nutzung durch die Pächterfamilie Ende 2019 geworden. Seitdem bemühe sich der Ortsbeirat um eine Sanierung statt eines Abrisses und eine Wiederbelebung der gastronomischen Nutzung.

Von Seiten der Stadt würden diese Konzepte aber immer wieder auf Skepsis stoßen, erklärte Euler. In mehreren Abstimmungen und Begehungen habe sich dann der Vorschlag des Ortsbeirates von einem Vereins- und Kulturzentrum herauskristallisiert, wobei ein zentraler Streitpunkt der Zustand des Küchenanbaus bleibe, welchen die Stadt im Jahr 2022 geplant habe, abzureißen. „Wir haben uns ab diesem Punkt argumentativ und emotional immer weiter von der Stadtverwaltung entfernt“, berichtete der Ortsvorsteher. Auch durch die daraufhin gegründete Bürgerinitiative „Freunde der Grillenburg“, die sich für den Erhalt der Küche und eine zumindest teilweise gastronomische Nutzung einsetzte, seien keine Pläne entstanden, die der Stadt zusagen würden.

Für zusätzlichen Unmut sorgten Aussagen im Dezember 2025, wonach sämtliche Einrichtungen im ehemaligen Restaurant entfernt werden sollten. Der Ortsvorsteher kritisierte dabei insbesondere die Kommunikation von Stadtverwaltung und Stadtbaurat Daniel Schreiner scharf. Zwar sei es später zu einem klärenden Gespräch gekommen, in dem der Stadtbaurat von einem Missverständnis gesprochen habe und zugesichert hätte, vorerst nichts zu entfernen – doch die Frustration bleibe. „Mit dem Ergebnis kann ich leben, aber nicht mit der Art und Weise, wie es zustande gekommen ist“, betonte Euler. Michael Herrlich, Mitglied des Ortsbeirates, betone zudem die historische Bedeutung der Grillenburg, die Lehnerz als Zusage für den Verlust der kommunalen Autonomie zugesagt wurde.

In der Nutzung sei der Stadtteil der Stadt oft entgegengekommen, unter anderem durch die Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Entsprechend deutlich fiel der Appell an die Stadt aus, den Ortsbeirat stärker einzubinden und Kompromisse zu suchen, statt die „Bevormundung des Stadtbaurats“, wie Herrlich es beschrieb, weiterzuführen. Positiv bewertete Euler jedoch ein jüngstes Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, das als konstruktiv und zielführend  beschrieben wurde. Demnach solle sich der neu gewählte Ortsbeirat nach den Kommunalwahlen unmittelbar mit dem Thema beschäftigen und in Zukunft eng mit der Stadt zusammenarbeiten. So wurde zum einen ein einstimmiger Beschluss des Ortsbeirates darüber gefasst, dass die vorhandenen Kücheneinrichtungen für eine vorübergehende Vermietung ausreichen seien und daher im Gebäude verbleiben sollen. Zusätzliche Ausgaben wären somit nicht notwendig. Zudem solle die Stadt die bereits durchgeführte Gegenüberstellung von den Optionen Neubau und Sanierung dem Ortsbeirat vorlegen sowie erörtern.

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